Akzeptanz queerer Menschen verschlechtert sich weltweit
4 mins read

Akzeptanz queerer Menschen verschlechtert sich weltweit

Die Situation queerer Menschen hat sich weltweit verschlechtert in Deutschland ist die Akzeptanz aber weiter hoch, allerdings sind erste Rckschlge zu sehen. Das geht aus einer Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos hervor, die am Dienstag in Hamburg anlsslich des Pride-Monats Juni verffentlicht wurde. Dazu wurden Menschen in 26 Lndern befragt. 78 Prozent der Deutschen finden demnach, dass Lesben, Schwule und Bisexuelle vor Diskriminierung geschtzt werden sollen, etwa bei der Arbeit oder der Wohnungssuche.

Fr den Schutz von transgeschlechtlichen Menschen vor Diskriminierung sprachen sich 75 Prozent der befragten Deutschen aus. Das waren jeweils fnf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Fast ebenso viele Deutsche, nmlich 74 Prozent, untersttzten die Aussage, dass gleichgeschlechtliche Paare bei der Adoption von Kindern die gleichen Rechte haben sollten wie heterosexuelle Paare. 71 Prozent sprachen sich fr die gleichgeschlechtliche Ehe aus.

Eine knappe Hlfte der Menschen in Deutschland untersttzen der Befragung zufolge Gesetze, die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identitt verbieten. 18 Prozent sprachen sich dagegen aus. Fr die 2018 vom Bundestag beschlossene «dritte Option» in offiziellen Dokumenten fr Menschen, die sich weder als weiblich noch als mnnlich identifizieren, waren 52 Prozent.

Kulturkampf gegen trans Menschen zeigt Wirkung

Dagegen befrwortete nur ein Viertel der Deutschen transgeschlechtliche Menschen im Leistungssport. Das ist ein Rckgang von sechs Punkten im Vergleich zum Vorjahr, wie Ipsos mitteilte. 39 Prozent sprachen sich dagegen aus. Damit folge Deutschland einem globalen Trend. Die Zustimmung zu transgeschlechtlichen Menschen im Leistungssport sei insgesamt seit 2024 um fnf Prozentpunkte auf aktuell 22 Prozent gesunken. Im Vergleich zu 2021 sei das sogar ein Rckgang um zehn Punkte.

Das ist offenbar eine Reaktion auf den Kulturkampf gegen trans Menschen, der insbesondere von der AfD, aber auch von Teilen der Union, vorangetrieben wird. Dabei werden trans Menschen zu Sndenbcken erklrt und fr viele Fehlentwicklungen verantwortlich gemacht. Besonders notorisch ist AfD-Vizechefin Beatrix von Storch, gegen die im Bundestag Ordnungsgelder wegen transfeindlicher uerungen verhngt wurden (queer.de berichtete). Aber auch JU-Chef Johannes Winkel, der im Februar in den Bundestag eingezogen ist, sorgte mit abwertenden uerungen ber angeblichen trans Frauen bei der Olympiade fr Aufregung der Christdemokrat bezeichnete diese als «kranke Mnner» (queer.de berichtete).

Weltweit Verschlechterung

Weltweit geraten queere Menschen immer strker unter Druck, wie Ipsos weiter mitteilte. In vielen Lndern, vor allem in den USA, habe sich die Stimmung gegenber der queeren Community verschlechtert. So untersttzten weltweit nur 47 Prozent der Befragten Menschen, die offen zu ihrer Homo- oder Bisexualitt beziehungsweise Transidentitt stehen. Das sind acht Prozentpunkte weniger als 2021. In den USA sei dieser Wert im gleichen Zeitraum sogar um 13 Prozentpunkte zurckgegangen und liege aktuell nur noch bei 43 Prozent.

Das queerfreundlichste Land ist demnach Thailand (67 Prozent) vor Spanien (66 Prozent) und Irland (61 Prozent). Deutschland liegt im Mittelfeld. Ganz unten in der Liste stehen Japan (26 Prozent), Sdkorea (21 Prozent) und die Trkei (19 Prozent).

Das macht sich Ipsos zufolge auch am Anteil der Befragten bemerkbar, die angeben, selbst queer zu sein. Im globalen Durchschnitt beschreiben sich demnach neun Prozent als lesbisch, schwul, bisexuell, trans, nichtbinr, pansexuell oder asexuell zwei Punkte weniger als 2024. In Deutschland liegt der Wert unverndert bei zwlf Prozent, damit zhlt sich etwa jeder Achte zur LGBTQ-Community.

An der globalen Spitze lag in der Befragung Brasilien mit 15 Prozent queeren Menschen, gefolgt von Kanada mit 14 Prozent sowie Chile und Schweden mit je 13 Prozent. In Polen, Kolumbien und Sdkorea waren es nur jeweils fnf Prozent. Dabei gab es deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Weltweit gaben fnf Prozent der befragten Babyboomer aus den Jahrgngen 1946 bis 1964 an, queer zu sein. Unter den ab Mitte der Neunzigerjahren geborenen Angehrigen der Generation Z waren es 14 Prozent.

Insgesamt zeigten sich junge Frauen progressiver. Weltweit untersttzte eine Mehrheit von 59 Prozent der jungen Frauen queere Menschen, die offen mit ihrer Identitt umgehen. Unter den befragten jungen Mnnern waren es nur 38 Prozent.

Ipsos befragte zwischen dem 25. April und dem 9. Mai insgesamt 19.028 Menschen aus 26 Lndern auf der Onlineplattform Global Advisor. In Deutschland waren die rund tausend Befragten den Angaben zufolge zwischen 16 und 74 Jahre alt. (AFP/cw)