Alfonso Pantisano muss im Amt bleiben!
3 mins read

Alfonso Pantisano muss im Amt bleiben!

Nach dem Wortgefecht zwischen Kevin Khnert und Alfonso Pantisano findet die FAZ, dass «der Falsche zurckgetreten» sei. «Feuern Sie diesen Mann noch heute», fordert Julian Reichelt den Regierenden Brgermeister Kai Wegner auf X auf, den Berliner Queerbeauftragten zu entlassen. Der schwule SPD-Politiker sei «untragbar», mischt sich sogar die Tageszeitung «Echo» aus Mainz ein. Selbst in einem Offenen Brief von Berliner SPD-Mitgliedern an Pantisano heit es: «Wir sehen Deiner Konsequenz entgegen» (queer.de berichtete).

Nein, Alfonso Pantisano darf nicht zurcktreten. Gerade jetzt braucht er unsere Solidaritt. Die vor allem von Rechts geschrten Angriffe auf den Berliner Queerbeaufragten sind auch der Versuch, die Community zu spalten, zu schwchen und mundtot zu machen. Das Hetzportal «Nius» von Julian Reichelt, aber auch die Springer-Medien «Bild» und «Welt» haben sich bereits seit seiner Ernennung im Juli 2023 auf den 50-Jhrigen eingeschossen. Als Konsequenz der diffamierenden Kampagne erhlt er immer wieder Morddrohungen, gerade jetzt wieder, und bentigt Polizeischutz. Aktuell hatte «Nius» Pantisanos Ghutra-Foto unzulssig aus dem Kontext gerissen und in Verbindung zu Israel-Hass gebracht, den man ihm nun wirklich nicht vorwerfen kann.

Genau der Richtige fr das Amt

Bin ich mit Pantisano immer einer Meinung? Nein. Schiet er schon mal bers Ziel hinaus? Keine Frage. Htte er manche Facebook-Posts lieber gelassen? Auf jeden Fall. Dennoch ist er genau der Richtige fr das Amt! Wir brauchen in Deutschland keine Queerbeauftragten, die nur das passende Parteibuch haben, in der Community blumige Sonntagsreden halten und Regenbogen-Anstecknadeln verteilen. Sie mssen laut, unbequem, unabhngig und streitbar sein. Sie drfen auch mal nerven.

Als «Ansprechperson Queeres Berlin» ist Alfonso Pantisano formal lediglich ein Referent in der Senatsverwaltung fr Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, seine Stelle ist sogar nur bis 2026 befristet. Und doch agiert er so unabhngig und leidenschaftlich fr die Sache wie kein*e andere*r der vielen Beauftragten fr eine Bevlkerungsgruppe in Deutschland. Kennt jemand den Namen des Queerbeauftragten von Rheinland-Pfalz? Na bitte!

Und neben den vielen Schlagzeilen hat Pantisano in gut einem Jahr auch eine ganze Menge auf die Reihe gekriegt von der Einrichtung des Runden Tischs «Schutz vor queerfeindlicher Hasskriminalitt» ber den neuen Magnus-Hirschfeld-Tag bis zur Mpox-Impfung ber die Gesundheitskarte. Aus Solidaritt besuchte er im August den von Neonazis bedrohten CSD in Leipzig. Die rechtsextremen Gegenproteste bei so vielen Pride-Veranstaltungen in diesem Jahr sind brigens ein Thema, bei dem ich eine groe ffentliche Debatte sehr vermisse.

Keine Gruppen gegeneinander ausspielen

Noch kurz zum eigentlichen Disput: Niemand bestreitet, dass Queerfeindlichkeit in manchen migrantischen Communitys ein besonderes Problem darstellt ebenso wie in anderen Teilen der Gesellschaft. ber das vermeintliche «Tabuthema» wird seit Jahren heftig diskutiert. Gerade deshalb mssen wir aufpassen, nicht in Stigmatisierungen zu verfallen und Gruppen gegeneinander auszuspielen.

Alfonso Pantisano muss im Amt bleiben, auch weil er, der Sohn italienischer Zuwander*innen, neben Queerfeindlichkeit zu Recht immer wieder vor Rassismus warnt. Weil er wei, wovon er spricht. Und weil bei dem toxischen Streit ber Flucht und Einwanderung, der seit Wochen in Deutschland tobt, die queeren Migrant*innen am wenigsten gehrt werden und als erstes unter die Rder kommen.