Angst, Widerstand  Wie trans Personen unter Trump leben
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Angst, Widerstand Wie trans Personen unter Trump leben

Noch muss sich Elijah Nicholas nicht so viele Gedanken ber seinen amerikanischen Reisepass machen. Das Dokument ist bis 2030 gltig. Doch wie es dann weitergeht, ist fr den trans Mann ungewiss.

Nach aktuellem Stand wrde der 55-Jhrige dann keinen Pass mehr erhalten, in dem sein Geschlecht als mnnlich ausgewiesen ist. Denn in den USA werden nur noch Reisepsse mit einem Geschlechtseintrag ausgestellt, der mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht bereinstimmt.

Auch eine dritte Geschlechtsoption neben mnnlich und weiblich steht dort nicht mehr zur Verfgung. Das hat das US-Auenministerium vor ein paar Monaten verkndet und damit eine Anordnung von US-Prsident Donald Trump umgesetzt, die zu seinen ersten Amtshandlungen zhlte.

Trans Menschen und nichtbinre Personen wrden dadurch «delegitimiert», kritisiert Nicholas. Die nderung bedeute fr sie zudem ein Sicherheitsrisiko, wenn sie von einem Land in ein anderes reisten und nicht wssten, was ihnen dabei bevorstehe.

Forscherin: Anordnung lscht Geschlechtsidentitt aus

«Diese Anordnung lscht im Wesentlichen die eigene Geschlechtsidentitt aus», sagt Sharon Horne. Sie forscht an der University of Massachusetts Boston zur psychischen Gesundheit von queeren Menschen. Das Risiko fr trans Personen, etwa beim Passieren von Grenzen ins Visier zu geraten, diskriminiert oder bedroht zu werden, steigt Horne zufolge durch die neue Regelung. Sie warnt auch vor den Kosten fr die psychische Gesundheit von Betroffenen, die unabsehbar seien.

Mgliche Auswirkungen auf die mentale Gesundheit

Eine Studie, die 2020 im Fachblatt «The Lancet Public Health» erschien, untersuchte den Zusammenhang zwischen dem in Ausweisen angegebenen Geschlecht und der psychischen Gesundheit von erwachsenen trans Menschen und nichtbinren Personen in den USA. Schwere psychische Belastung sowie Suizidgedanken und -plne sind demnach weniger verbreitet unter Menschen, deren Identittsdokumente ihren bevorzugten Namen und Geschlechtseintrag widerspiegeln, als unter Personen, bei denen das nicht der Fall ist.

Die neue Regelung zu offiziellen Dokumenten ist allerdings auch nur ein Beispiel fr das Vorgehen der US-Regierung gegen trans Menschen. Ein anderes ist deren Ausschluss aus dem US-Militr, den das US-Verteidigungsministerium aktuell vorantreibt. Trump unterzeichnete im Februar auerdem ein Dekret, das trans Menschen vom Frauensport ausschlieen soll, insbesondere an ffentlichen Schulen und Hochschulen. Bundesstaaten, die sich nicht daran halten, droht der Prsident mit dem Entzug von Bundesmitteln.

Wenn es politischen Druck gibt, ihre Rechte einzuschrnken, berichten queere Menschen Horne zufolge vermehrt von Depressionen und ngsten. Das gelte vor allem fr jene Gruppen, die besonders stark von den Manahmen betroffen wren wie zum Beispiel trans Personen.

WorldPride in Zeiten von Angst und Unsicherheit

Viele queere Personen lebten in den USA gerade in einem «Raum der Angst und Unsicherheit», erzhlt auch Nicholas. Ein Klima, das die US-Hauptstadt in diesem Jahr vor eine besondere Herausforderung stellt: Sie ist Gastgeberin des WorldPride und feiert zugleich den 50. Jahrestag der ersten Pride-Veranstaltung in Washington.

Schon seit Mitte Mai sind in der Stadt daher viele Regenbogensymbole zu sehen: Sie hngen als Flaggen an Laternen und in Schaufenstern, finden sich als Straenbemalung neben Zebrastreifen und Radwegen und schmcken als Girlanden viele Auenbereiche der Restaurants. Doch was bedeutet es, in diesen Zeiten Pride zu feiern?

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«Es bedeutet Widerstand», sagt Nicholas, ohne lange zu berlegen. Dieses Jahr wrden zwei Dinge gleichzeitig passieren: Einerseits das Feiern und andererseits der Widerstand und das Sicherstellen, dass «wir einen Platz haben, dass wir gleiche Rechte bekommen».

Fest erreicht an diesem Wochenende Hhepunkt und Abschluss

Nicholas lebt eigentlich im US-Bundesstaat Georgia, er ist Schauspieler, Autor und Trans-Aktivist. Aktuell befindet er sich in Washington, weil er den Nationalen Marsch fr die Sichtbarkeit von trans Personen mitorganisiert. Die Partnerveranstaltung des WorldPride findet am letzten Tag des Festivals an diesem Sonntag statt. Einen Tag nach der bunten WorldPride-Parade, die an diesem Samstag durch belebte Straen der Hauptstadt zieht.

«Sicherheit ist unsere oberste Prioritt beim Marsch», betont Nicholas. In Zusammenarbeit mit WorldPride arbeite sein Team sorgfltig daran, diese zu gewhrleisten.

Zuerst soll es eine eigene Kundgebung geben. Der trans Mann erwartet dazu mehrere Tausend Personen aus dem ganzen Land. Dann soll gemeinsam zu einer zentralen Abschluss-Veranstaltung des WorldPride gelaufen werden, einem groen Freiheitsmarsch auf der National Mall.

Mit Start am Lincoln Memorial soll der am Weien Haus vorbei zum Kapitol fhren. Nicholas‘ Erwartung daran ist so eindringlich wie existenziell: «Washington, D.C., und der Welt zeigen, dass man trans Menschen nicht auslschen kann und wird.»