Auch dank queerer Stcke: Magdeburg ist Theater des Jahres
Das Theater Magdeburg ist einer Umfrage des Fachmagazins «Theater heute» zufolge die Bhne des Jahres. Befragt wurden 47 Kritiker*innen zur vergangenen Spielzeit. Mit sechs Stimmen entfielen die meisten Nennungen auf das Schauspiel Magdeburg, wie es im neuen Jahrbuch heit. Das Fachmagazin schrieb von einer berraschung.
Die Berliner Volksbhne und das Staatstheater Wiesbaden landeten mit jeweils vier Stimmen auf dem zweiten Platz. In der Saison davor war das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg als Theater des Jahres ausgewhlt worden.
Was Kritiker*innen an Magdeburg schtzen
In einer Analyse fr «Theater heute» schrieb Kritikerin Eva Behrendt, es sei immer wieder gelungen, das Schauspiel Magdeburg in die berregionalen Nachrichten zu bringen. Sie lobte die dreikpfige Schauspieldirektion und das junge Ensemble, darunter seien groe Talente.
Das Theater Magdeburg war in diesem Jahr erstmals zum renommierten Theatertreffen in Berlin eingeladen mit Jan Friedrichs Inszenierung «Blutbuch» nach dem gleichnamigen Roman von Kim de l’Horizon. Geleitet wird das Schauspiel von Dramaturg Bastian Lomsch, Regisseurin Clara Weydel und Kostmbildner Clemens Leander. Die Gesamtintendanz liegt bei Julien Chavaz.
Im Oktober 2024 feierte das legendre queere Debt «Kleinstadtnovelle» von Ronald M. Schernikau am Theater Magdeburg Premiere.
Nichts fr Zartbesaitete: die Inszenierung des Jahres
Die Inszenierung des Jahres stammt von Choreografin Florentina Holzinger: In «Sancta» setzt sie sich mit der katholischen Kirche auseinander. «Auch wenn das Publikum insbesondere in Stuttgart mit Ohnmachten zu kmpfen hatte, begeisterte das Gesamtkunstwerk ber alle Genregrenzen hinaus», heit es im Magazin. Neun Jurymitglieder stimmten dafr. Ausgezeichnet wurde auch das Bhnenbild von Nikola Kneević, das etwa Halfpipe und Kletterwand zeigte.
Holzinger hatte fr die queere Koproduktion, die in Schwerin Premiere gefeiert hatte, die Oper «Sancta Susanna» von Paul Hindemith als Vorlage genommen. In einem Interview von «Theater heute» wurde sie auf die Eigenheiten eines Opernpublikums angesprochen.
«Ich fand es irgendwie auch cool, dass ein Opernpublikum tendenziell Kunst noch immer so ernst nimmt», sagte Holzinger. «Sie respektieren das Ergebnis entweder sehr oder sind unheimlich echauffiert darber beides bedeutet, dass es ihnen enorm wichtig ist.» Sie habe noch nie so viele handgeschriebene Briefe aus beiden Lagern bekommen nach einer Show.
Welche Schauspielnamen die Kritiker*innen empfehlen
Als Schauspielerin des Jahres setzte sich in der Umfrage die sterreicherin Julia Riedler durch, die am Wiener Volkstheater in «Frulein Else» nach Arthur Schnitzler zu sehen ist und etwa im «Tatort» mitspielte.
Schauspieler des Jahres sind nach Meinung der Kritiker*innen Andreas Dhler (Berliner Ensemble/»Kleiner Mann was nun?»), Moritz Kienemann (Deutsches Theater/»Hinkemann») und Thomas Schmauser (Mnchner Kammerspiele/»Mephisto»).
Das Stck des Jahres ist nach Meinung der Kritiker*innen Dea Lohers «Frau Yamamoto ist noch da», das insgesamt acht Stimmen bekam. Ein besonderes rgernis war aus Sicht vieler Kritiker*innen die «fatale Spar- und Kulturpolitik» in Berlin und an anderen Orten. (cw/dpa)
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