Berlin: Zwei Drittel der trans Personen von transfeindlicher Gewalt betroffen
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Berlin: Zwei Drittel der trans Personen von transfeindlicher Gewalt betroffen

66 Prozent von trans Menschen sind in der Bundeshauptstadt innerhalb der letzten fnf Jahre von transfeindlicher Gewalt betroffen gewesen. Das ist ein Ergebnis der am vergangenen Donnerstag verffentlichten Studie «Transfeindliche Gewalt. Verbreitung, Erscheinungsformen und Gegenmanahmen in Berlin», die vom InstitutCamino im Auftrag des Berliner Senats erstellt worden ist.

Fast die Hlfte der Befragten (48 Prozent) gab zudem an, in den vergangen zwlf Monaten vor der Befragung bergriffe erlebt zu haben. Auffllig sei dabei, dass die Gewalt hufig mit ausdrcklich transfeindlichen uerungen einhergehe. Dies sei in drei Viertel aller Flle so, «was auf eine bewusste ideologische Motivation schlieen lsst», so die Autor*innen Albrecht Lter,Dana Breidscheid und Sarah Riese. Weiter heit es in der Studie: «Die Betroffenen empfinden transfeindliche Gewalt nicht als Ausnahme, sondern als alltgliches Risiko, das ihre Bewegungsfreiheit, ihren Identittsausdruck und ihre psychische Gesundheit nachhaltig beeinflusst.»

Am hufigsten kme es in ffentlichen Rumen zu transfeindlicher Gewalt etwa auf Straen, Pltzen oder im ffentlichen Personennahverkehr. «Problematische Erfahrungen» gebe es auch hufig in anderen Bereichen etwa im Gesundheitssystem (76 Prozent berichteten von Diskriminierungen), sowie in Behrden oder im Internet (je 72 Prozent). Auchin der Schule wrden viele trans Kinder und Jugendliche durch Mobbing, Misgendern oder strukturellem Ausschluss diskriminiert.

Mehr als die Hlfte meidet bestimmte Gegenden aus Angst

Viele trans Menschen mssten auf diese Angriffe reagieren, in dem sie ihre Sichtbarkeit einschrnkten. So berichteten drei Viertel, dass sie bestimmte Orten aus Angst vor bergriffen meiden wrden. 53 Prozent wollten Gewalt entgehen, indem sie unauffllige Kleidung tragen, 36 Prozent berichteten, sie wrden Regenbogen-Accessoires oder andere Erkennungszeichen verstecken. Jede fnfte trans Person erklrte, mit Selbstverteidigungskursen auf die Gefahr zu reagieren. Nur acht Prozent gaben an, dass keine derartigen Verteidigungsstrategien notwendig seien.

Die Studienautor*innen appellieren, «transfeindliche Gewalt als eigenstndiges Phnomen mit struktureller Bedeutung zu begreifen». Dazu gehrten «verlssliche Strukturen der ffentlichen Hand» und eine «dauerhafte und bedarfsgerechte Finanzierung transspezifischer Beratungs- und Schutzangebote». Berlin war jedoch zuletzt wegen Krzungen bei queeren Projekten in die Kritik geraten.

Senatorin: «Queerfeindliche Stimmen in der Gesellschaft nehmen wieder zu»

Antidiskriminierungssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) sieht Handlungsbedarf: «Queerfeindliche Stimmen in der Gesellschaft nehmen wieder zu. Sie richten sich gegen die Menschenrechte und Gleichbehandlung von trans, inter und nicht-binren Menschen in allen Lebensbereichen. Das besorgt mich zutiefst», so die Senatorin. «Dank dieser Studie haben wir jetzt vertiefte Erkenntnissen darber, wie das Land Berlin weiter zum Abbau von Ungleichbehandlung und queerfeindlicher Gewalt beitragen kann.» Die Sozialdemokratin betonte, dass der Schutz von trans-, inter- und nichtbinren Menschen nicht nur deren Lebenssituation verbessere. «Es ist auch ein dringend ntiger Einsatz fr das demokratische Miteinander in dieser Stadt», so Kiziltepe. (dk)