Beziehungsquerelen in der zweiten Lebenshlfte
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Beziehungsquerelen in der zweiten Lebenshlfte

Es ist die Sehnsucht von vielen, in einer guten, erfllten Beziehung gemeinsam lter und alt zu werden. Aber der tatschliche Weg dorthin ist gar nicht so leicht, selbst wenn man die feste Beziehung schon gefunden hat. Vielleicht auch, weil sich bei langjhrigen Paaren «manchmal das Gefhl einstellt, sie seien eher WG-Mitbewohner», wie Jack (Will Forte) in der ersten Folge von «The Four Seasons» festhlt als Reaktion auf Nicks (Steve Carrell) Gestndnis, dass er sich nach 25 Jahren von seiner Frau Anne (Kerry Kenney) trennen will. Es sei noch viel schlimmer, erklrt Nick: «Wir sind wie Kollegen in einem Kernkraftwerk: Wir sitzen im gleichen Zimmr und glotzen auf verschiedene Monitore.»

«The Four Seasons» ist voller solch treffender Beobachtungen und bei manchen bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil sie eigene Erfahrungen so zielsicher auf den Punkt bringen. Dabei hlt die neue Serie der US-Autorin und -Komikerin Tina Fey, die Jacks Ehefrau Kate spielt, eine sorgsame Balance zwischen Comedy und Drama, whrend sie die drei befreundeten, offensichtlich gut situierten Paare mit so ziemlich allen Beziehungsquerelen konfrontiert, die einem in der zweiten Lebenshlfte so passieren knnen.

Jurten statt Luxusresort

Die Gesundheit zum Beispiel. Danny (Colman Domingo) hat Herzprobleme und msste sich deswegen eigentlich operieren lassen. Doch sein Mann Claude (Marco Calvani) sorgt sich deswegen viel mehr als er selbst und versucht ihn stets freundlich in Richtung gesnderer Nahrung und weniger Alkohol und Zigaretten zu manvrieren. Womit er Danny selbstredend furchtbar auf die Nerven geht.

Auch die Trennung von Anne findet also tatschlich statt, unmittelbar nach dem gemeinsamen Trip im Frhling. Und im Sommer taucht Nick mit seiner neuen, etwa 30 Jahre jngeren Freundin Ginny (Erika Henningsen) auf, was die vertraute Dynamik der drei Paare gehrig durcheinanderbringt. Zu allem bel haben sie Ginny diese Reise auch noch organisieren lassen und finden sich nun zwar an einem schnen Strand, jedoch in einer ko-Lodge mit einfachen Jurten statt komfortablen Zimmern.

Ist vielleicht auch die eigene Beziehung in einer Sackgasse?

Alle sind betont bemht, die immer wieder unangenehmen zwischenmenschlichen Situationen nicht eskalieren zu lassen: Ginny mchte von Nicks Freund*­innen wenn nicht gemocht, so doch zumindest akzeptiert werden, Nick geniesst seine neue Liebe ganz offensichtlich, ist sich jedoch sehr bewusst, wie herausfordernd das fr die vier anderen ist. Diese wollen sich aufgeschlossen geben, tun sich aber schwer und werden unweigerlich mit dem Zustand ihrer eigenen Beziehungen konfrontiert und der Frage, ob sie nicht eventuell in hnlichen Sackgassen stecken wie Nick und Anne und es nur nicht wahrhaben wollen. Danny und Claude flchten dann jedenfalls bereits am ersten Tag in den Luxus des benachbarten Viersterne-Resorts, wo sie auf niemand Geringeres als Anne stoen, die mehr oder weniger erfolgreich daran arbeitet, die Trennung von Nick zu verdauen.

«The Four Seasons» ist beides gleichzeitig: vergnglich und unterhaltsam, aber mit genug Tiefgang, um zum Nachdenken ber eigene Beziehungsmuster anzuregen. Und wem das eine oder andere vielleicht bekannt vorkommt: Es handelt sich um eine Neuadaption eines gleichnamigen Films von und mit Alan Alda von 1981, der in einer Episode einen Kurzauftritt hat. Der Inhalt wurde dabei allerdings erheblich verndert und modernisiert ein schwules Paar zum Beispiel gab es damals noch nicht. Untermalt wird die achteilige Serie, von denen immer zwei Folgen in einer der vier Jahreszeiten spielen, von Vivaldis berraschend passender Konzertmusik.

Wohl eher was fr ltere Semester

Und jede Jahreszeit bringt neue Herausforderungen von einem schwulen Dreier, der vllig aus dem Ruder luft, ber ein Theaterstck, in denen Nick und Annes Tochter die Trennung ihrer Eltern unangenehm ffentlich verarbeitet, bis hin zum Moment, wo Nick sich in einer Gruppe von Ginnys jungen Freund*innen wiederfindet und pltzlich sehr alt fhlt. Und dann mischt ein unerwarteter Todesfall die Karten fr die ganze Gruppe nochmals neu.

Als Beziehungsratgeber taugt die Serie trotz allem eher nicht, dafr ist sie dann doch zu hollywoodesk. Auch ist fraglich, ob ein jngeres Publikum damit viel anfangen kann. «The Four Seasons» setzt schon klar auf den Wiedererkennungseffekt, den zwangslufig nur etwas ltere Semester haben werden. Hingegen knnte die Serie fr berzeugte Singles recht gut funktionieren: Sie drften sich wohl bei fast jeder Folge erneut zur Wahl ihres Lebensmodells beglckwnschen.