Die neue Normalitt: Neonazi-Proteste gegen CSD
Gegen immer mehr CSD-Veranstaltungen in Deutschland gibt es rechtsextreme Gegenproteste so auch am Samstag in Pforzheim. Organisiert von der queeren Initiative «Spotlight», fanden die Pride-Demo und das Straenfest in der Stadt am Nordrand des Schwarzwalds unter dem Motto «Don’t be quiet, be a riot» direkt vor dem Neuen Rathaus statt. Oberbrgermeister Peter Boch (CDU) weigerte sich dennoch, am Gebude eine Regenbogenfahne zu hissen.
Vor einem Monat begann die Neonazigruppe «Der Strtrupp» (DST) damit, zu einem Aufmarsch an diesem Tag zu mobilisieren. Die CSD-Veranstalter*innen reagierten mit einem erweiterten Sicherheitskonzept, damit ihr Event weiterhin der angestrebte Safe Space bleiben knne. Parallel mobilisierten antifaschistische Gruppen berregional nach Pforzheim. Ihr Motto: «CSD schtzen! Nazi-Demo stoppen!»
90 Neonazis demonstrierten «fr traditionelle Werte»
Schlielich reisten am Samstag 90 Neonazis zur «Demo fr traditionelle Werte und gegen die Frhsexualisierung unserer Kinder» an. Christian Klar, Aktivist der Neonazipartei «Die Heimat» und Veranstalter der montglichen Aufmrsche in Gera, kam mit seinem Lautsprecherfahrzeug aus Thringen nach Pforzheim. «Wenn es jedes Wochenende drei oder vier solche CSD-Veranstaltungen gibt, dann muss man sich dagegen stellen», sagt er in einem Redebeitrag. «Und wenn man mit fnf Mann dort steht.»
Auf die Strae ginge man «gegen den Schmutz da drben». Mit «Schmutz» meinte Klar das queere Fest auf dem Marktplatz. Dann legte er los, gegen die «LGBTQ-Scheie» und gegen «Leute im Hundekostm». Erstere sei dafr verantwortlich, dass «wir, die starken Menschen, () uns nicht mehr vermehren.» ber die Letzteren, wohl die Puppies, meinte Klar: «Ganz ehrlich, die mssen aufpassen, dass sie nicht weggefangen werden und in die Tierklinik geschafft werden zum Einschlfern.»
«Kinderschutz ist Gottes Wort, kein Genderwahn an diesem Ort»
Vor Christian Klar standen junge wie ltere Neonazis. Mit einem Totenkopf-Banner der sterreichischen «Black Elite Brotherhood», mit Reichsadlern, Sturmgewehren und anderen martialischen Aufdrucken auf ihren T-Shirts. Viele inszenierten sich durch einheitliche Kleidung als «1161-Crew» («Anti-Antifascist-Action»-Crew). Die Veranstaltenden forderten die Teilnehmenden mit Blick auf die anwesenden Medien auf, beim Aufmarsch auf jegliche Handzeichen zu verzichten: «Lasst die Hnde unten! Die Hnde gehen nicht ber die Schultern hoch!»
Zur Mittagszeit liefen die Neonazis hinter dem Transparent «Deutsche Jugend Pforzheim» los. Das Banner war mit einer zerrissenen Antifa-Fahne und einer zerrissenen Progress-Pride-Flagge illustriert. Ein paar trugen Pappschilder, darauf zu lesen etwa «Ehe und Familie vor! Stoppt die Gender-Ideologie». Zunchst brllten die Marschierenden queerfeindliche Parolen: «Heimat fngt bei Kindern an, mit Mutter, Vater Frau und Mann» und «Kinderschutz ist Gottes Wort, kein Genderwahn an diesem Ort». Dann landeten sie bei den gewissermaen altbekannten Sprchen und Gesngen: «Alle Zecken sind Schweine», «Antifa-Hurenshne», «Hier marschiert der nationale Widerstand» und «Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!»
Polizei lst Antifa-Demo auf
Auch ein paar Hundert Antifas waren nach Pforzheim gereist. Sie versuchten an mehreren Stellen, den Aufmarsch zu blockieren. Auf ihren Transparenten hie es: «Naziaufmrsche stoppen!» und «Queeren Selbstschutz organisieren!». Die Polizei schritt bei den Blockadeversuchen hart ein, vor allem mit einer Pferdestaffel. Demosanitter*innen und Rettungsdienst mussten mehrere Verletzte versorgen. Eine Person wurde festgenommen, von mehr als hundert Menschen wurden die Personalien aufgenommen.
Der Neonaziaufmarsch endete auf dem vllig abgeriegelten Waisenhausplatz, auf dem er auch begonnen hatte. Der lokale Aktivist Dino C. behauptete am Mikrofon: Neonazis, vor denen die Lokalzeitung gewarnt hatte, habe er heute nicht gesehen. Nicht wenige um ihn herum hatten allerdings «88» und «Schwarze Sonnen» auf ihre Kpfe und Krper ttowiert. Dass andere mit Pflastern regelrecht zugeklebt waren, drfte dem Strafgesetzbuch geschuldet gewesen sein.
Die Neonazis durften am Rande des CSD-Fests vor dem Neuen Rathaus vorbeilaufen. Verhindern oder erheblich stren konnten sie es nicht. Am Rathaus gab es schlielich sogar mehrere Regenbogenfahnen. Der Lokalpresse zufolge sollen es die Fraktionen von SPD und Bndnisgrn/WiP/Linke gewesen sein, die sie aus den Fenstern ihrer Rumlichkeiten hingen.
Neonazis auch beim CSD in Bad Mergentheim
Auch im baden-wrttembergischen Bad Mergentheim haben am Samstag Neonazis versucht, den CSD (Motto dort: «Wir sind hier, wir sind queer») zu beeintrchtigen. Vor dem Verwaltungsgericht hatten sie sich eine Kleinkundgebung direkt neben dem CSD-Veranstaltungsort auf dem Deutschordensplatz erstritten. Rund 20 Mitglieder der Neonaziorganisation «Der III. Weg» aus Bayern und Baden-Wrttemberg tauchten auf und beschallten den CSD zwei Stunden lang mit Reden. Wie das Netzwerk «CSD im Taubertal» gegenber queer.de berichtete, htten die 300 Teilnehmer*innen des CSDs die Versammlung der Neonazis jedoch weitgehend abschirmen und die neonazistischen Parolen bertnen knnen. (ls/ra)
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