Dieser Film ist das «beste queere Langformat»
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Dieser Film ist das «beste queere Langformat»

Wir merken es ja lngst der Wind weht inzwischen aus einer anderen Richtung. Diversittsprogramme werden zu einer vorbergehenden Mode erklrt und gelten fr manche bereits als out. Queerfeindlichkeit liegt sozusagen im Trend, die Polizeistatistik liefert dazu die erschreckenden, stetig ansteigenden Zahlen der Hasskriminalitt und Diskriminierungen gegen queere Menschen. In bestimmten Kreisen der Community heit es sogar: Selbst schuld. Als ob die Forderung nach Gleichberechtigung etwas Unanstndiges sei und nur im Bonusprogramm zu haben ist.

Und dann gibt es schlielich Politiker*innen, die ihre Ressentiments gegen queere Menschen als «neutrale» Haltung labeln und damit den wahren Grund doch nur schlecht kaschieren. Und das scheint alles erst der Anfang zu sein. Htte uns nicht gerade die Sommerhitze fest im Griff, wrde ich raten: Warm anziehen.

Aber wir lassen uns nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen. Wir wissen, wie Widerstand geht und wir finden Untersttzung bei all jenen, denen klar ist, wer Minderheitenrechte abschaffen oder einschrnken will, hat es am Ende auf die Freiheit aller abgesehen.

«Outerlands» erhlt ersten QMS Award

Da kommt der QMS Award gerade richtig als ein positives Zeichen in schwieriger werdenden Zeiten. Die Queer Media Society hat am Montagabend zum ersten Mal einen Preis fr das «beste queere Langformat» im Rahmen des Filmfests Mnchen verliehen. Die von dem Pop Art Knstler Stor Dubin (Venezuela) entworfene Statue ging zusammen mit den gestifteten 4.000 Euro Preisgeld an die US-amerikanische Produktion «Outerlands» der Regisseurin Elena Oxman.
Die Verleihung fand im Theatersaal des Mnchner Amerikahauses statt, und zwar in Kooperation mit der Internationalen Mnchner Filmwochen GmbH, gesponsert von Warner Bros. Discovery und gefrdert von der Schachtsiek Familienstiftung sowie dem FFF Bayern (FilmFernsehFonds Bayern).

Fr die fnfkpfige Jury war aus insgesamt neun Produktionen zu queeren Themen der Gewinner-Film zu ermitteln. Alles Filme, die im Programm des Filmfests liefen. Wobei zu Recht darauf hingewiesen wurde, wie wichtig es ist, dass diese Filme im Mainstream-Programm liefen und sie auf diese Weise eben nicht ein Fall fr die queere Nische seien. Was freilich kein Argument gegen Spezialformate und queere Festivals ist. Auch die brauchen wir weiter. Nur brauchen wir auch so etwas wie unangepasste Normalitt.

Der Theatersaal im Mnchner Amerikahaus war jedenfalls gut besucht, um das Ereignis mit viel Begeisterung zu feiern. Die Regisseurin Elena Oxman konnte selbst nicht anwesend sein und bermittelte ihre Dankensworte durch eine Video-Botschaft.

Persnliche Reise einer nichtbinren Hauptfigur

Ihr Film erzhlt die ungewhnliche Geschichte von Cass, einer nichtbinren Person, die in San Francisco lebt und sich mit mehreren Jobs ber Wasser hlt mit Babysitting, Restaurant-Bedienung und nebenbei noch mit Dealen. Bis eines Tages ein One-Night-Stand mit einer Kollegin das Leben von Cass auf unerwartete Weise verndert. Kalli, die Kollegin, bittet Cass, weil sie fr ein paar Tage verreisen msse, auf ihre kleine Tochter aufzupassen. Kein Problem.

Doch die Geflligkeit wird zum Dauerjob, denn Kalli kehrt nicht zurck und ist auch telefonisch nicht erreichbar. Die Hauptrolle ist mit Asia Kate Dillon (Pronomen: they/them) hervorragend und authentisch besetzt. berhaupt ist dies ein Film, der auf wunderbare Weise in unsere Zeit passt. Zu wnschen bleibt, dass wir nicht zu lange warten mssen, um ihn in unseren Kinos zu sehen.

Die Jury begrndete ihre absolut gute Wahl so:

Lobende Erwhnung fr «Oxygen Masks Will (Not) Drop Automatically»

Nicht unerwhnt sei, dass die Jury eine brasilianische Produktion zwar nicht auszeichnen konnte, aber sie fr so wertvoll hielt, dass sie eine besondere Empfehlung ausgesprochen hat. Die Regisseur*innen Marcelo Gomes und Carol Minm fhren mit ihrer Miniserie «Oxygen Masks Will (Not) Drop Automatically» zurck in das Jahr 1988 und mittenhinein in die Katastrophe namens Aids. Wir erinnern uns an eine hnliche Story in «Dallas Buyers Club», nur dass wir jetzt die Geschichte aus brasilianischer Perspektive erzhlt bekommen.

Dazu die Jury:

Ja, dem kann ich mich nur anschlieen. Wir brauchen all diese Geschichten. Wir brauchen diese Filme und Serien!