Eliob: «Vielfalt und Knnen schlieen sich nicht aus»
Eliob Demofike galt in der vergangenen Staffel von «Germany’s Next Topmodel» (GNTM) als der Sonnenschein der Show stets mit einem Lcheln auf den Lippen, professionell und hochmotiviert. Trotz seines groen Talents, das er bereits vor seiner Teilnahme an GNTM international unter Beweis gestellt hatte, verpasste er denkbar knapp den Einzug ins Finale und schied im Halbfinale aus. Damit wurde ihm auch die Chance auf ein diverses Finale genommen ein Umstand, den er in einem Interview mit Gossip-Reporter Ramon Wagner deutlich kritisierte.
Im Gesprch mit queer.de spricht Eliob nun ehrlich ber seine Zeit bei GNTM, ber die Diskrepanz zwischen Show und echter Modebranche und ber die Bedeutung von Sichtbarkeit fr queere Menschen im Fernsehen. Er erzhlt, was von der Teilnahme bleibt, wie ihn die Erfahrungen geprgt haben und welche Wege er nun gehen mchte.
Eliob, rund zwei Monate nach dem groen Finale wenn du heute auf deine Zeit bei «Germany’s Next Topmodel» zurckblickst: Was berwiegt, Stolz, Kritik oder vielleicht ganz andere Gefhle?
Vor allem Stolz. Ich habe mich gezeigt, wie ich bin mit Ecken, Kanten, Strken und Schwchen. Natrlich reflektiere ich auch kritisch, aber unterm Strich berwiegt Dankbarkeit fr die Plattform und die Menschen, die mich auf diesem Weg untersttzt haben.
Du warst ja schon vor GNTM in der Modelwelt unterwegs. Wie realittsnah empfindest du das Format im Vergleich zur echten Branche?
GNTM ist in erster Linie Unterhaltung. Die echte Modelbranche ist oft schneller, hrter und unromantischer. Aber es gibt auch Parallelen zum Beispiel der Druck, sich zu behaupten. Der grte Unterschied ist: Bei GNTM gibt es Kameras, in der Branche meistens nicht.
Stell dir vor, Freund*innen wrden dich heute fragen, ob sie sich bei GNTM bewerben sollen was wrdest du ihnen ehrlich antworten?
Nur, wenn sie genau wissen, warum sie es machen. Es ist eine groe Chance, sich zu zeigen und zu wachsen aber keine Abkrzung. Wer denkt, dass GNTM den Weg in die Branche komplett ersetzt, wird enttuscht sein.
Nach deinem Ausscheiden hast du in einem Interview mit Ramon Wagner geuert, dass das Finale nicht divers genug gewesen sei. Einige Fans fanden, Leistung solle im Vordergrund stehen. Wie denkst du heute ber deine Aussage und ber die Reaktionen der Zuschauer*innen?
Ich stehe zu meinem Wunsch nach mehr Diversitt und das hat nichts damit zu tun, Leistung kleinzureden. Vielfalt und Knnen schlieen sich nicht aus, im Gegenteil. Leider wird in Social Media oft zugespitzt und aus dem Kontext gerissen. Ich habe gelernt, dass man nicht kontrollieren kann, wie Menschen etwas interpretieren aber ich wei, wofr ich stehe, und das bleibt.
In der Staffel wurden auch viele liebevolle Szenen mit deinem Partner gezeigt. Wie wichtig ist es dir, dass queere Liebe und Identitt in Formaten mit groer Reichweite wie GNTM sichtbar gemacht werden?
Fr mich persnlich ist das extrem wichtig. Ich habe vor Kurzem meinen Partner Myat geheiratet und wei, wie selten queere Liebesgeschichten im Mainstream gezeigt werden. Solche Bilder knnen Menschen Mut machen, die sich vielleicht selbst noch nicht trauen, offen zu leben.
Auf Instagram hast du mal sinngem geschrieben, dass es zwar viele Drinks auf Events gibt, aber die Jobs eher ausbleiben. Hattest du dir von deiner Teilnahme beruflich mehr erhofft?
Der Satz war ein Reality-Check. Events sind schn, aber am Ende will ich arbeiten und gebucht werden. Sichtbarkeit ist ein Start, aber man muss auch nach der Show konstant Arbeit reinstecken und das mache ich.
Gibt es aktuell Projekte, ber die du sprechen darfst? Und verfolgst du weiterhin den Weg als hauptberufliches Model?
Ich arbeite aktuell an mehreren Projekten, sowohl in der Mode als auch im kreativen Bereich. Mein Ziel ist es, international zu arbeiten und langfristig von meiner Kreativitt leben zu knnen ob als Model, Creator oder in anderen Formaten.
Falls es mit dem Modeln nicht dauerhaft klappt hast du einen Plan B? Und wren auch TV-Formate aus dem Trash-Bereich fr dich denkbar?
Mein Plan B wre trotzdem etwas, das meine Kreativitt fordert vielleicht Moderation, Musik oder eigene kreative Projekte im Medienbereich. Musik begleitet mich schon lange und ist fr mich ein Weg, Emotionen auszudrcken. Trash-TV? Nur, wenn das Format zu meinen Werten passt und ich mich darin authentisch zeigen kann.
Fr Aufmerksamkeit sorgte auch, dass du bereits Samen gespendet hast. Hattest du mit so viel medialem Echo gerechnet? Und wie gehst du damit um eher gelassen oder genervt?
Ich habe nicht mit diesem groen Echo gerechnet. Fr mich ist das kein Tabuthema es ist ein Teil meiner Geschichte. Wenn dadurch Gesprche ber Familie, Vielfalt oder neue Familienmodelle angestoen werden, ist das sogar etwas Positives.
Gibt es etwas, das man durch GNTM noch nicht ber dich erfahren hat, das du aber besonders spannend oder typisch fr dich findest? Vielleicht eine schrge Angewohnheit oder ein verborgenes Talent?
Ich bin ein absoluter Foodie ich probiere auf Reisen immer die verrcktesten Gerichte aus, egal ob Streetfood in Asien oder Fine Dining in Europa. Und: Ich kann wahnsinnig schnell Menschen zum Lachen bringen auch in den ernstesten Situationen.
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