Ex-Staatsministerin setzt mit Coming-out ein Zeichen gegen Rechts
Die queere Fraktion im Deutschen Bundestag wchst weiter. Mehr als 20 Jahre nach ihren erstem Einzug ins Berliner Parlament hat sich die Grnen-Politikerin Anna Lhrmann in einem Interview mit der Tageszeitung «taz» als lesbisch geoutet. Seit Januar sei sie in einer Beziehung mit einer «wunderbaren Frau».
Eigentlich trenne sie berufliche und private Themen, sagte die ehemalige Staatsministerin fr Europa und Klima im Auswrtigen Amt. «Meine sexuelle Orientierung ist etwas sehr Persnliches, und meine Beziehung zu meiner Partnerin ist mein privates Glck», so die 42-Jhrige. «Aber ich habe gemerkt, dass sich fr mich vieles verndert hat. Frher musste ich mir keine Gedanken machen, ob wir einfach so Hndchen haltend durch die Strae laufen knnen. Heute muss ich das.»
Anlass fr das ffentliche Coming-out sei der CSD am Wochenende in ihrer Heimatstadt Hofheim, erklrte Lhrmann. «Ich war in letzter Zeit auf vielen CSDs und es hat mich immer ein wenig genervt, dass ich da als Ally wahrgenommen wurde. In meiner Heimatstadt sollte sich das nicht wie ein Geheimnis anfhlen.»
Rechtsruck: Lhrmann will «jetzt erst recht laut und sichtbar» sein
Gleichzeitig wolle sie ein «klares Zeichen gegen den Rechtsruck setzen», so die Bundestagsabgeordnete. «Meine Lebenswirklichkeit verndert sich, denn die Bedrohungslage fr queere Menschen hat sich sprbar verschrft», sagte Lhrmann im «taz»-Interview. «Und es gibt inzwischen zwar viele offen lebende queere Personen, aber Sichtbarkeit ist weiterhin ungleich verteilt. In der ffentlichkeit sehen wir deutlich mehr schwule Mnner, sicher auch, weil Mnner hufiger in Machtpositionen sind. Deshalb ist es wichtig, mehr fr lesbische Sichtbarkeit zu tun.»
Die AfD trage zum Bedrohungsgefhl bei, erklrte die Grnen-Politikerin. Der Bundestag habe in dieser Legislaturperiode zwar «so viele offen queere Politiker*innen wie noch nie, aber gleichzeitig auch so viele Rechtsextreme wie noch nie. Wir haben diesen riesigen rechtsextremen Block, der alle erkmpften Rechte wieder wegnehmen will.»
Im Parlament sehe sie jeden Tag, wessen Geistes Kind diese Leute sind, sagte Lhrmann. «Ihre Verachtung gegenber allen Menschen, die anders als sie denken und sind insbesondere queere Personen. Aber sie bekommen weder meinen Hass noch meine Angst. Im Gegenteil, es motiviert mich, jetzt erst recht laut und sichtbar zu sein.»
Glckwnsche von Sven Lehmann und Ulle Schauws
Anna Lhrman zog 2002 im Alter von 19 Jahren als jngstes Mitglied erstmals in den Deutschen Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2009 kandierte sie nicht erneut, 2021 kehrte sie jedoch ins Berliner Parlament zurck. In der Ampel-Regierung war die Politikwissenschaftlerin Staatsministerin fr Europa im Auenministerium sowie Beauftragte der Bundesregierung fr die deutsch-franzsische Zusammenarbeit. Seit Mrz 2025 ist sie Landesvorsitzende der Grnen in Hessen. Lhrmann war frher mit einem Diplomaten verheiratet und hat mit ihm eine gemeinsame Tochter.
Ihr Coming-out feierte die Bundestagabgeordnete auch in sozialen Medien. «Ich bin lesbisch und das ist auch gut so», schrieb Lhrmann auf Instagram. Von queeren Parteifreund*innen gab es viel Untersttzung. «Wunderbares Statement und Interview», kommentierte der ehemalige Queerbeauftragte der Bundesregierung Sven Lehmann. «Ich freue mich ber dein klares Signal», schrieb die Abgeordnete Ulle Schauws. «Zusammen gegen Rechts und zusammen fr mehr lesbische Sichtbarkeit.» (mize)
