Gezielter Hass von rechts: Wie Queerfeindlichkeit zur Strategie wird
In Sachsen eskaliert der Hass von rechts zunehmend auf offener Strae und richtet sich mit besonderer Wucht gegen queere Menschen. Das zeigt die neue Studie «Sachsen rechts unten 2025», die das Kulturbro Sachsen krzlich vorgestellt hat. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Bll-Stiftung und der Amadeu Antonio Stiftung erstellt. Demnach ist Queerfeindlichkeit ist lngst kein Randphnomen mehr im Rechtsextremismus, sondern fester Bestandteil seiner Strategie: «Ob in Dresden, Bautzen, Leipzig, Plauen, Zwickau, Dbeln, Freiberg oder Grlitz berall dort, wo ein grerer CSD stattfand, versammelte sich die extreme Rechte zu Gegenprotesten.»
Die Analyse zeichnet in sieben detaillierten Kapiteln ein besorgniserregendes Bild: Rechtsextreme Akteure, darunter klassische Neonazis ebenso wie identitre Gruppen, nutzen gezielt antifeministische und queerfeindliche Narrative, um Anschluss an gesellschaftliche Mittepositionen zu finden. Dabei werden queere Menschen zum Projektionsfeld fr vermeintliche «Zersetzung der traditionellen Ordnung», wie es in rechtsextremen Milieus heit.
Besonders perfide: Diese Ideologie wird zunehmend an Jugendliche vermittelt teils ber TikTok und Telegram. Einige Gruppen, wie die im vergangenen Jahr gegrndeten «Elblandrevolte» in Dresden oder «Urbs Turrium» in Bautzen, sprechen gezielt Jugendliche an. Teilweise sind die Akteure erst 13 oder 14 Jahre alt.
Koordinierte Kampagnen gegen queere Sichtbarkeit
Wie konkret sich dieser Hass uert, zeigt ein Blick auf die Vorflle rund um queere Veranstaltungen in Sachsen 2024. Besonderse Aufmerksamkeit hat der Aufmarsch von 700 Neonazis in Bautzen erregt, die sich unmittelbar an einen friedlichen CSD-Umzug mit etwa 1.000 Teilnehmenden anschlossen (queer.de berichtete). Die Organisator*innen schtzten die Lage als so bedrohlich ein, dass sie die Abschlusskundgebung absagten. Auch in Dbeln, Freiberg, Leipzig und Zwickau kam es zu hnlichen Szenen: Dort tauchten jeweils mehrere Hundert Rechtsextreme auf, um die Veranstaltungen zu stren oder einzuschchtern. In Leipzig waren es etwa 400 Neonazis (queer.de berichtete).
Die Studie zeigt, dass es sich nicht um spontane Einzelaktionen handelt, sondern um koordinierte Kampagnen. Queere Sichtbarkeit soll aktiv aus dem ffentlichen Raum gedrngt werden. Diese Strategie reiht sich ein in eine grere ideologische Erzhlung: Rechte Gruppierungen inszenieren sich als Verteidiger einer «natrlichen Ordnung», die sie durch queere Lebensrealitten, feministische Errungenschaften und Gleichstellungspolitik bedroht sehen.
Zustimmung aus der Mitte der Gesellschaft
Zugleich zeigt die Analyse, dass dieser Hass auf eine teilweise offene oder schweigende Zustimmung in der gesellschaftlichen Mitte trifft. Konservative und rechtspopulistische Akteure greifen hnliche Argumentationsmuster auf etwa wenn sie vor einer «Frhsexualisierung» in Schulen warnen oder Genderpolitik als «Ideologie» diffamieren. Das verschiebt den Diskurs nachhaltig und schafft Raum fr weitere Radikalisierung.
Doch es gibt auch Hoffnung: In Pirna beispielsweise konnte der lokale CSD weitgehend unbehelligt stattfinden dank breiter zivilgesellschaftlicher Untersttzung (queer.de berichtete). Solche Beispiele zeigen, dass Solidaritt wirkt. Die Autor*innen der Studie rufen daher explizit dazu auf, sich rechtsextremer Hetze entschieden entgegenzustellen sowohl auf der Strae als auch im Alltag.
Die Studie soll bald online zur Verfgung stehen, bis dahin kann man sie gedruckt gegen Portogebhr und sonst kostenfrei beim Kulturbro bestellen.
