Gloria Gaynor erhlt Trump-Auszeichnung
US-Prsident Donald Trump hat am Mittwoch in Washington die Gewinner*innen des Kennedy-Preises verkndet. Demnach gehen die begehrten Trophen der offiziellen US-Kultureinrichtung «John F. Kennedy Center for the Performing Arts» dieses Jahr an den Country-Snger George Strait, den britischen Musical-Darsteller und Snger Michael Crawford, die Hard-Rock-Band Kiss, den «Rambo»-Schauspieler Sylvester Stallone und die «I Will Survive»- und «I Am What I Am»-Sngerin Gloria Gaynor.
Anders als in der Vergangenheit wurden die Sieger*innen nicht von einer parteibergreifenden Fachjury ausgewhlt, sondern offenbar aus politischen und persnlichen Erwgungen des Prsidenten. Trump erklrte, er sei zu «ungefhr 98 Prozent» an der Auswahl der Preistrger*innen beteiligt gewesen. Dabei betonte er, dass er viele Vorschlge ignoriert habe, denn: «Die waren zu woke.»
Die «Honorees» sind teilweise eng mit Trump verbandelt: Stallone ist etwa ein langjhriger Trump-Untersttzer, der den US-Prsidenten etwa mit Jesus verglichen hat oder einen «zweiten George Washington» genannt hat. Der 79-Jhrige wurde dafr bereits Anfang des Jahres neben den ebenfalls erzkonservativen Schauspielern Jon Voight und Mel Gibson vom Prsidenten zum «Sonderbotschafter in Washington» ernannt. Crawford war Darsteller in Trumps Lieblingsmusical «Phantom der Oper». Der 75-jhrige Kiss-FrontmannGene Simmonswar einst Kandidat in Trumps Realityshow «Celebrity Apprentice» und ist ebenfalls Teil der Maga-Bewegung. George Strait gilt zwar als unpolitisch, in seinen Songtexten verbreitet er aber traditionell konservative Werte wie Heimatliebe, Respekt vor Polizei und Militr und romantisierte lndliche Lebensweisen.
Auszeichnung fr Gaynor berraschte viele
Am berraschendsten gilt die Auszeichnung von Gaynor, die mit ihren Discosongs besonders populr in der queeren Community ist. «I Will Survive» wurde etwa in der Aids-Krise der Achtzigerjahre zu einer Art Mutmacher-Hymne. Allerdings spricht die 81-Jhrige auch oft ber ihren christlich-evangelikalen Glauben und hat sogar ein Gospel-Album verffentlicht. 2020 trat sie auch bei einem Benefiz-Konzert des queerfeindlichen evangelikalen Aktivisten Kirk Cameron auf (queer.de berichtete).
Der «Boston Globe» (Bezahlartikel) kommentierte die Auswahl mit den Worten: «Als wiedergeborene Christin sagte sie, sie wolle ihren groen LGBTQ-Fanbase Jesus Christus nherbringen. Sie sagt aber nicht, ob sie denkt, dass Homosexualitt eine Snde ist. Sie bewegt sich auf einem schmalen Grat.»
Weiter heit es, Disco-Musik sei eigentlich «multiethnisch, pansexuell und progressiv». «Disco reprsentiert also das, was die Trump-Regierung verabscheut. Es ergibt aber Sinn, dass in diesem Kennedy Center, das Trump nach seinen Vorstellungen neu erschaffen mchte, eine sozial konservative Disco-Queen geehrt wird, auch wenn ihr grter Hit auf so gut wie jedem CSD gespielt wird. Das ist das Gegen-Narrativ von Trump: Bei Disco geht es nicht um Vielfalt. Es geht vielmehr um Jesus?»
Bereits whrend seines Wahlkampfes hat Trump einen anderen in der Community populren Song fr sich reklamiert: den Song «Y.M.C.A.» von den Village People. Die Nutzung des Songs wurde von Victor Willis, einem Grndungsmitglied der Band, verteidigt. Er erklrte, das Lied sei keine Schwulenhymne, weil es keine «lasterhafte Aktivitten» enthalte (queer.de berichtete). Zudem drohte der 74-Jhrige Medien Klagen an, sollten sie das Lied als «Gay Anthem» bezeichnen.
Trump ist im Nebenberuf Vorstandschef des Kennedy Center
Prsident Trump hatte im Februar die Kontrolle ber das Kennedy Center bernommen und sich selbst zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Er entlie auch Vorstandsmitglieder, die den oppositionellen Demokraten angehrten.Daran gab es viel Kritik so sagten die Produzent*innen desBroadway-Musicals «Hamilton» eine geplante Auffhrung 2026 ab. Bei den Republikanern gibt es indes sogar Bestrebungen, die Kultureinrichtung in «Trump Center» umzubenennen.
Die Preisverleihungsgala soll am 7. Dezember in Washington stattfinden. Trump hat angekndigt, das Event moderieren zu wollen als erster Prsident berhaupt. Die Show wird live im groen SenderCBSbertragen und auf Paramount+ gestreamt. (dk)
