Homosexualitt_en im Deutschen Kaiserreich um 1900
Bei der Verffentlichung «Homosexualitt_en im Deutschen Kaiserreich um 1900» handelt es sich um die 2023 am Zentrum fr Antisemitismusforschung (ZfA) abgeschlossene Masterarbeit von Elio Gbelein. In der Studie wird ein vergleichender Blick auf die ambivalente und vielschichtige Geschichte homosexueller Liebe im Kaiserreich geworfen. Zentrale Analysekategorien sind dabei Geschlecht und Klasse.
Untersucht wird, in welchem Ma mit der Selbst- und Fremdbezeichnung als homosexueller Mensch im beginnenden 20. Jahrhundert unterschiedliche Bedeutungen, Handlungsmglichkeiten und soziale Konsequenzen verbunden waren. Die Arbeit legt offen, wie stark diese Erfahrungen durch soziale Zugehrigkeit und geschlechtliche Identitt geprgt waren.
Die Geschichte der Homosexualitt um 1900 zeigt sich als Feld widersprchlicher Dynamiken. Die Studie beleuchtet eine Phase, in der sich weibliche und mnnliche Homosexualitt lange Zeit getrennt verhandelt zunehmend aufeinander zubewegten. In den ersten Jahren des Jahrhunderts lassen sich wechselseitige Bezge erkennen, die die bisherigen Grenzziehungen infrage stellen.
ber Homosexuellen-Aktivist*innen, Frauenrechtler*innen, Sexarbeiter*innen
Aus einer vergleichenden Perspektive werden dabei parallele Entwicklungen ebenso sichtbar wie Brche und Spannungen. Ohne auf einfache Synthesen zu zielen, wird ein historischer Raum geffnet, der Differenz ebenso bercksichtigt wie geteilte Erfahrungen.
Ein besonderes Gewicht liegt auf der Analyse literarischer Quellen, die bislang selten im Mittelpunkt sexualwissenschaftlicher oder geschichtswissenschaftlicher Arbeiten standen. Vor allem weibliche Stimmen, oft marginalisiert oder bersehen, finden so Eingang in die historische Auseinandersetzung.
Auch die sozialen Bruchlinien innerhalb homosexueller ffentlichkeiten rcken in den Blick. Die Arbeit untersucht das Verhltnis zwischen brgerlichen Homosexuellen-Aktivist*innen und Frauenrechtler*innen einerseits sowie Sexarbeiter*innen andererseits. Die damit verbundene Perspektive auf Klassenverhltnisse erweitert das Verstndnis fr die Vielfalt jener, die mit der Kategorie «Homosexualitt» in Verbindung standen und fr die diese Zugehrigkeit hchst unterschiedliche Folgen hatte.
Elio Gbelein, Historiker mit einem Schwerpunkt auf queerer und feministischer Geschichtsschreibung, lehrt an der Humboldt-Universitt zu Berlin und leitet das Projekt «FrauenOrte im Land Brandenburg», das sich der Sichtbarmachung historisch bedeutender Frauen widmet. Gbeleins Arbeiten verbinden kultur- und sozialwissenschaftliche Anstze. In «Homosexualitt_en im Deutschen Kaiserreich um 1900» (Amazon-Affiliate-Link ) zeigt sich, wie literarische, gesellschaftliche und juristische Diskurse queere Identitten formten, einhegten oder zurckwiesen und welche Spuren diese Prozesse hinterlassen haben. Mit seinem Engagement in Forschung, Lehre und Erinnerungskultur trgt Gbelein dazu bei, marginalisierte Perspektiven als integralen Bestandteil historischer Narrative zu etablieren. (dd/pm)
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