«Honey Don’t!» ist ein queeres Experiment
«She only has two desires, and one of them is justice»- so schreit uns das Poster von «Honey Don’t!» an. Schon da wird klar: Hier soll lesbisches Verlangen nicht nur beilufig angedeutet, sondern als Verkaufsargument in die Welt geschrien werden. Und tatschlich: Margaret Qualley als Privatdetektivin Honey O’Donahue trgt den Film mit einer queeren Prsenz, die Lust und Gerechtigkeit auf eine Weise zusammenzieht, wie es das Genre Noir bisher nicht kannte.
Denn «Honey Don’t!» ist nach «Drive-Away Dolls» der zweite Beitrag von Ethan Coens queerer B-Movie-Trilogie ein Versuch, den altmodischen Topos des einsamen, trinkenden, sexhungrigen Detektivs umzuschreiben: diesmal als Frau, diesmal queer. Und Qualley hat das alles drauf: den Kleidungsstil, den Witz, die erotisch aufgeladene Krpersprache, die Fhigkeit, jede Begegnung in ein Funkenmeer aus Flirt, Machtspiel und ironischer Distanz zu verwandeln. Das ist aufregend, fast befreiend.
Magnetische Verkrperung einer lesbischen Detektivin
Doch whrend Honey in Bakersfield mit stoischer Coolness ihren Wagen durch die Straen steuert, wirkt der Film selbst, als wrde er ebenso suchend durch die Nacht kurven auf der Jagd nach einem Plot, der nie so recht gefunden wird. Figuren tauchen auf und verschwinden wie Geister, Handlungsstrnge zerfallen, noch bevor sie zu glhen beginnen: eine Vespa-fahrende Auftragskillerin, die im Nichts verpufft; ein heier Priester (Chris Evans!), der so fehlplatziert wirkt, dass man fast vergisst, warum er berhaupt im Film ist.
Am strksten bleibt der Vorspann in Erinnerung: hektische Kamera, eingefrorene Momente, Namen, die pltzlich auf Autos, Mauern, Billboards erscheinen. Eine atemlose Energie, ein Versprechen auf ein Kino voller Brche und bermut. Doch es bleibt ein Versprechen der Rest stolpert hinterher.
Strukturell zerfasert, emotional oft gleichgltig und doch getragen von Qualleys magnetischer Verkrperung einer lesbischen Detektivin, die sowohl die toughen Sprche als auch die zarte Verwundbarkeit beherrscht. Sie schaut jede Figur an, als wrde sie in ihr die ganze Traurigkeit der Welt sehen ein Blick, der den Film immer wieder fr Sekunden zum Glhen bringt.
Halb genial, halb matschig
Doch so stark diese Momente sind, so deutlich bleibt der Film in einer patriarchalen Produktionslogik gefangen. Am sichtbarsten wird das in den viel zu langen Sexszenen mit Aubrey Plaza als MG Falcone, einer Polizistin: Was als queere Lust inszeniert sein knnte, kippt in ein seltsam kompetitives, mechanisches Schauspiel, das eher auseinanderzieht als verbindet.
Am Ende reiht der Film so viele Plotlcher und berdrehte Wendungen aneinander, dass es mir gleichgltig wurde, was berhaupt noch erklrt wird. Und dann ist da noch diese Makkaroni-Metapher. Die Hirne der Autor*innen Ethan Coen und Tricia Cooke sind Makkaroni klebrig, dehnbar, manchmal einfach zerkocht. Wer den Film gesehen hat, wei, warum dieser Satz nicht einfach ein flapsiger Seitenhieb ist, sondern fast als Selbstbeschreibung im Drehbuch steht. Ein Bild, das die Widersprchlichkeit von «Honey Don’t!» auf den Punkt bringt: halb genial, halb matschig.
«Honey Don’t!» ist kein rundes Werk. Aber er ist ein queeres Experiment, das zeigt, wie schwer es ist, alte Genreformen umzuschreiben, wenn hinter der Kamera nicht dieselbe Lust herrscht wie vor ihr. Man verlsst das Kino verwirrt, manchmal genervt, aber auch mit dem leisen Gefhl, dass hier etwas versucht wurde, das so noch nicht auf der Leinwand war.
Mehr queere Kultur:
auf sissymag.de
