«Hot Milk»: Tochter kmpft um lesbische Affre, ihre Mutter gegen eine Krankheit
Das Wasser. Rose kann dieses spanische Wasser nicht trinken. Sofia soll eine andere Marke kaufen. Und der Hund bellt ununterbrochen, wieso kettet der Nachbar den Hund auf dem Dach fest? Dieser Lrm. Und dieses Wasser. Sofia soll etwas dagegen tun.
Sofia ertrgt das dauernde Gemeckere ihrer Mutter ziemlich stoisch. Die Studentin permanente Anthropolgie-Studentin, wie Rose einmal abfllig betont sagt kaum ein Wort, whrend die neurotische Rose kaum aufhrt zu reden und zu motzen.
Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist nie herzlich
Wenn sie beim Arzt nicht einmal nach ihrer Mutter gefragt worden wre, htte man meinen knnen, Rose und Sofia seien gar nicht verwandt. Sofia nennt sie nie Mutter, Mum, Mama, sondern immer nur Rose. Ihr Verhalten ist distanziert, stets angespannt, nie herzlich, nur in ganz wenigen Momenten knnen sie das durchbrechen. Dann sind da durchaus Zuneigung und Mtterlichkeit zu spren.
Sofia kmmert sich ihr ganzes Leben lang schon um ihre Mutter. Rose sitzt seit Jahren im Rollstuhl, sie hat mysterise Lhmungen und Gelenkschmerzen. Nichts konnte ihr bislang helfen, deshalb reist das Mutter-Tochter-Duo ins andalusische Almera, wo Dr. Gmez («Gmez reicht») sie behandeln soll. Ist er ein renommierter Privatarzt oder nur ein Wunderheiler? Das wird nie so ganz klar. Und will Rose berhaupt geheilt werden? Dass sie im Rollstuhl sitzt, scheint identittsstiftend fr sie geworden zu sein.
Pltzlich ist Rose eiferschtig auf Ingrid
Sofia ist genervt davon. Teilweise rebelliert sie wie ein Teenager: Als sie auf dem Balkon raucht und Rose ihr zuruft, sie soll ihr Kleid nicht vollrauchen, stellt sie sich erstrecht daneben und pustet das Kleid voll. Sehr erwachsen.
Spter lernt sie die Deutsche Ingrid kennen, von der sie sofort fasziniert ist. Die zwei Frauen flirten miteinander, sie kssen sich, doch Ingrid spielt mit Sofia. Sie hat noch ein paar Mnner hier, trifft mal den einen, dann den anderen, wickelt Sofia gekonnt um den Finger, die geht ihr ins Netz. Die Affre ist ein riesiger Lichtblick fr Sofia, der doch noch etwas Urlaubsstimmung in diese Reise bringt. Doch als Rose davon etwas mitbekommt, wird sie sauer. Dann kann sich ihre Tochter ja nicht mehr richtig um sie kmmern.
Wer ist von wem abhngiger?
«Hot Milk» ist das Regiedebt der Britin Rebecca Lenkiewicz. Sie schrieb zuvor mit Richard Glatzer das Drehbuch von «Colette» sowie den MeToo-Film «She Said». «Hot Milk» ist eine Adaption eines Romans von Deborah Levy.
Drei im Kern interessante Frauenfiguren, eine potenziell aufreibende Dynamik zwischen ihnen, dazu die Abhngigkeiten untereinander: Die Prmissen von «Hot Milk» versprechen erst einmal viel Potenzial.
Sofia hlt viel aus, aber sie kann auch ausrasten
Doch leider schafft es Regisseurin Rebecca Lenkiewicz nicht, eine ausgereifte Geschichte zu erzhlen. Vieles ist redundant, manche Zeitsprnge nicht ganz klar, einige Handlungen ganz und gar berraschend und verwirrend. So reist Sofia ganz pltzlich zu ihrem griechischen Vater nach Athen, genauso schnell aber wieder zurck nach Spanien. Und Ingrids groes Geheimnis wird zwar gelftet, aber viel mehr folgt daraus auch nicht.
Die Figuren machen zudem keine groe Entwicklung durch. Der stndige Befehlston von Rose nervt immer mehr, Ingrids Sprunghaftigkeit mag sie fr Sofia umso interessanter machen, mit viel mehr Charakterzgen wird sie aber nicht ausgestattet. Sofia kann zwar ausrasten und Geschirr zertrmmern, wenige impulsive Momente verdeutlichen aber nicht, was in den Kpfen der Figuren vorgeht. Auch manche fantastischen Momente Fata Morganas, Trume, Halluzinationen? wirken eher unvermittelt.
«Hot Milk» tritt auf der Stelle
Dabei gibt Fiona Shaw als Rose wirklich alles. Ihre Giftigkeit, die sich aus jahrelanger Verzweiflung nhrt, ist sprbar, manchmal grotesk und sogar wahnsinnig komisch. Emma Mackey kann aus Sofia aber nicht mehr herausholen, als das dnne Drehbuch ihr vorgibt.
«Hot Milk» ist unausgegoren, man bekommt das Drama nicht wirklich zu fassen. Die Erzhlung tritt auf der Stelle. Die Kmpfe, die Rose und Sofia kmpfen, sehen wir, spren sie aber nicht intensiv genug.
Mehr queere Kultur:
auf sissymag.de
