«Ich rede ber Analverkehr wie bers Kuchenbacken»
Sein Auftritt in der beliebten Vox-Show «Die Hhle der Lwen» sorgte fr ordentlich Aufsehen: Schlielich werden den Investor*innen rund um Judith Williams und Ralf Dmmel nicht alle Tage Produkte zum Thema Analverkehr prsentiert und schon gar nicht so charmant wie von «anuux»-Grnder Marius Baumgrtel. Stichwort: «Vgelfutter» (queer.de berichtete).
Baumgrtel, der auch die Firma «Queere Haushaltshilfe» betreibt, brachte damit ein vermeintliches Tabuthema vor ein Millionenpublikum und zeigt: Es ist wichtig, darber zu sprechen denn oft herrschen noch Unsicherheit oder Berhrungsngste. Zwar kam es nicht zum Deal mit den Lw*innen, doch Baumgrtel blickt positiv auf die Erfahrung zurck.
Was sein Umfeld zu seinem Auftritt sagte, ob er heute etwas anders machen wrde und wie die Idee zu «anuux» berhaupt entstand, erzhlt er im Interview mit queer.de.
Mit «anuux» hast du ein Produkt entwickelt, das Analverkehr hygienischer und entspannter machen soll. Was war der Auslser fr diese Idee und wie bist du vom Gedanken zur Umsetzung gekommen?
In meinen Zwanzigern arbeitete ich in einem Verein fr chronisch kranke Menschen und stie dort erstmals auf die Folgen von Dauermedikation etwa HIV-Medikamente, die zu Darmentzndungen fhrten. Wir beantragten Toilettenschlssel fr ffentliche Toiletten, damit Betroffene wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnten. Spter sah ich bei Freunden, wie viel Zeit sie fr Splungen brauchten Spontanitt war ausgeschlossen. Nach eigenen gesundheitlichen Problemen begann ich mit Ballaststoff-Experimenten, aber die Wirkung war instabil. So entstand die Idee zu «anuux».
Viele Menschen empfinden Unsicherheit oder Scham rund um das Thema Analverkehr. Was mchtest du ihnen mit deinem Produkt und deiner Kommunikation mitgeben?
Ich spreche das Thema locker an wie ein Gesprch bers Kuchenbacken. Viele reagieren mit Kichern oder ziehen sich zurck. Ich selbst war mit 18 berrascht, als ich von Darmsplungen hrte. Ich mchte zeigen: Scham ist unntig. Analverkehr betrifft viele, auch Heteros. Selbstsicherheit hilft beim Dating und Experimentieren.
Du hast bewusst ein vermeintliches Tabuthema ins Rampenlicht gerckt. Warum ist es deiner Meinung nach gerade heute wichtig, ber Sexualitt und Krperfunktionen offen zu sprechen auch im Fernsehen?
Es gibt immer mehr Formate zur sexuellen Bildung. In meiner Jugend gab es nur «Dr. Sommer» sehr heteronormativ. Heute kann ich Wissen weitergeben, besonders zu den vielfltigen Spielarten der Liebe und worauf man achten sollte.
Dein Pitch in «Die Hhle der Lwen» war offen, queer und sexpositiv. Wie hast du dich auf diesen Moment vorbereitet und was war dir in der Darstellung besonders wichtig?
Mir war wichtig, das Thema locker und souvern zu prsentieren. Die Gesprche auf Stadtfesten und Messen haben geholfen. Ich wollte nicht als Quoten-Schwuler auftreten. Das Produkt stammt aus der queeren Community, ist aber fr alle sexpositiven Menschen gedacht. Sichtbarkeit entsteht, wenn wir als normal wahrgenommen werden und unsere Themen ebenso. Gerade in der aktuellen politischen Lage wollte ich mich als Brger und Unternehmer zeigen, nicht als TV-Karikatur. Auch um Vorurteile abzubauen meine eigene Oma ist Schwulenhasserin.
Obwohl es keinen Deal gab, war die Resonanz der Investor*innen erstaunlich positiv. Was nimmst du aus dem Auftritt fr dich persnlich und fr dein Unternehmen mit?
Meine Haltung passt zum Nischenprodukt. Wir ffnen uns mit neuen Varianten fr den breiteren Markt. Ich habe erkannt, dass ich mich strker auf meine Kernaufgaben konzentrieren muss deshalb gebe ich jetzt Aufgaben ab. Bis Jahresende wird umgestellt.
Du hast erwhnt, dass dein Produkt besonders auf BDSM-Messen gut ankommt. Welche Rckmeldungen bekommst du aus der queeren Szene und wie unterscheiden sie sich von denen auerhalb?
Die hetero-geprgte BDSM-Szene ist neugierig und positiv. Innerhalb der queeren Community ist das Feedback gemischt von Skepsis bis Begeisterung. ltere bleiben bei der klassischen Analdusche, Jngere sind offener. Wir nehmen jedes Feedback ernst und haben das Produkt entsprechend weiterentwickelt: grere Packungen, Beutel statt Dose, genderte Einnahmeempfehlung. Letzten Sommer haben wir den Inhalt um 50 Prozent erhht ohne Preissteigerung. Dass es Nachahmer gibt, zeigt: Wir haben einen Nerv getroffen.
Und wie hat dein persnliches Umfeld Familie, Freund*innen, vielleicht auch Nachbar*innen auf «anuux» reagiert? Gab es offene Gesprche, irritierte Blicke oder sogar neue Fans deiner Produktidee?
Meine konservative Familie reagierte berraschend positiv. Nachbar*innen waren begeistert. Viele haben sich fr mich gefreut auch jene, die mir anfangs abgeraten hatten.
In der Sendung sprachst du auch ber die Schwierigkeiten, dein Produkt online zu bewerben Stichwort «Shadow Bans». Wie erlebst du die digitale Zensur queerer Inhalte und wie gehst du damit um?
Ich beobachte das seit Jahren. Erst wurden lesbische Inhalte geshadowbanned, dann verschwanden queere Zielgruppen. Heute reicht schon jugendfreie Erotik fr eine Sperrung. Gerade jetzt mssen wir sichtbar bleiben und andere mitnehmen, damit unsere Rechte und unsere bunte Gesellschaft erhalten bleiben.
Wenn du die Chance httest, nochmal in die «Hhle der Lwen» zu gehen wrdest du etwas anders machen? Oder war gerade die Mischung aus Offenheit, Humor und Haltung dein Schlssel zur Sichtbarkeit?
Ich war ganz bei mir klar und natrlich. Freunde und Nachbarn sagten, ich sei genauso aufgetreten wie privat. Ich wrde es genauso wieder machen. Und auch dann zu meinen Werten stehen, selbst wenn es wieder ein «No Deal» gbe.
Und zuletzt: Wenn du Judith Williams wirklich ins KitKat begleiten wrdest was wre dein Outfit der Wahl?
Kunstleder, schwarz, geschnrte Weste und schwarze Hose. Mein Accessoire? Judith an meiner Leine. (lacht)
