Indonesien: 80 Stockhiebe fr zwei sich kssende Mnner
Ein islamisches Gericht in der konservativen indonesischen Provinz Aceh hat am Montag zwei Mnner zu jeweils 80 ffentlichen Stockschlgen verurteilt. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP.
Die beiden Mnner im Alter von 20 und 21 Jahren seien demnach im April festgenommen worden, nachdem Anwohner sie beim Betreten einer Toilette im Stadtpark Taman Sari beobachtet und dies Beamten der Religionspolizei auf Streife gemeldet haben sollen. Die Polizei brach in die Toilette ein und soll die Mnner beim Kssen und Umarmen «erwischt» haben, was das Gericht als sexuelle Handlung wertete.
Die Verhandlung vor dem islamischen Scharia-Bezirksgericht in der Provinzhauptstadt fand unter Ausschluss der ffentlichkeit statt; die Mnner wurden nicht benannt, aber zu Beginn und Ende der Sitzung den Medien vorgefhrt. Es sei «rechtlich und berzeugend» nachgewiesen worden, dass sie gegen islamisches Recht verstoen htten, indem sie Handlungen durchfhrten, die zu homosexuellen Beziehungen gefhrt htten, so das Gericht.
Gericht verhngte bereits im Februar Krperstrafe fr Homosexualitt
Die Staatsanwaltschaft hatte 85 Hiebe pro Person gefordert, das Gericht bercksichtige allerdings, dass es sich um ansonsten vorbildliche, nicht vorbestrafte und mit den Behrden kooperierende Studenten handele. Dass sie seit der Festnahme in U-Haft saen, solle mit einem Hieb pro Monat weniger bercksichtigt werden.
Das gleiche Gericht hatte bereits im Februar zwei Mnner wegen angeblicher Homosexualitt zu 85 bzw. 80 Peitschen-/Stockhieben verurteilt (queer.de berichtete). Laut AP kam es in Aceh mit dem neuesten Urteil zu bislang fnf Verurteilungen von Mnnern wegen angeblicher Homosexulitt.
Die indonesische Zentralregierung hatte der Provinz Aceh 2001 einen Autonomiestatus zuerkannt, die dort als bisher einzigen Provinz die Anwendung von Scharia-Recht ermglicht. Bis zu 100 Schlge knnen fr Homosexualitt oder etwa Ehebruch, Glcksspiel und Alkoholkonsum verhngt werden seit 2015 auch fr Nicht-Muslime, die etwa ein Prozent der Bevlkerung in der Region stellen.
Verfolgung auch in anderen Provinzen
Aber auch in anderen Provinzen nahm die Verfolgung queerer Menschen zuletzt zu. So wurden mehrfach Personen bei Razzien bei angeblichen «Gay Parties» festgenommen, zuletzt im Juni (queer.de berichtete). Homosexualitt steht zwar nicht unter Strafe, Ermittlungen laufen aber etwa nach einem Anti-Pornografie-Gesetz. Auch wurden die Festgenommenen ffentlich vorgefhrt.
Eine Strafverfolgung in ganz Indonesien droht ab dem nchsten Jahr, wenn ein Gesetz in Kraft treten soll, das auerehelichen Sex mit bis zu einem Jahr Haft bestraft (queer.de berichtete). (cw)
