Iris Berben will nicht, dass Schwule nur von Schwulen gespielt werden
Schauspiel-Ikone Iris Berben hat gegenber der «Zeit» (Bezahlartikel) die politische Linke kritisiert, weil sie sich zu wenig um wichtige Themen kmmere und sich stattdessen beispielsweise zu viel Sorgen um kulturelle Aneignung mache: «Jetzt diskutieren wir stndig andere Sachen, zum Beispiel kulturelle Aneignung, also Schwule sollen nur noch von Schwulen gespielt werden, Juden nur noch von Juden Das empfinde ich als vllig kontraproduktiv fr meinen Beruf», erklrte die 75-Jhrige. «Schauspieler sollen doch in fremde Lebenswelten eintauchen, sich in andere Figuren hineinversetzen. Ich habe das immer als eine Form der Wertschtzung gesehen.»
Um das Thema, dass queere Menschen nur von queeren Personen dargestellt werden sollen, hatte es in der Vergangenheit viele Debatten gegeben, meist nicht nur im linken Spektrum, sondern pauschal von queeren Schauspieler*innen. Hintergrund ist etwa, dass queere Menschen oft seltener Hauptrollen erhielten oder ihnen von der Filmindustrie nahegelegt werde, ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentitt zu verschweigen. Der schwule Schauspieler Daniel Franzese kritisierte etwa 2022, dass Hetero Brendan Fraser eine schwule Hauptrolle erhielt (queer.de berichtete). Zudem, so die Argumentation, gebe es mehr Authentizitt, wenn queere Darsteller*innen ihre eigenen Erfahrungen mit Diskriminierung, Coming-out oder queerer Kultur einbringen knnten. Bei einem Hetero-Schauspieler, der Schwule spielen, bestehe auch die Gefahr, dass die Darstellung klischeehaft, bertrieben oder auf «Effekt» gespielt wirke.
Berben kritisiert bei Linken zu wenig Fokus auf «ureigene Themen», «Genuss-Feindlichkeit» und Antisemitismus
Berbens Kritik in der «Zeit» geuerte Kritik geht allerdings weit ber diese Frage hinaus. Sie sieht etwa bei der politischen Linken eine Mitverantwortung fr den Zuwachs der Rechten. «Sie hat wichtige ureigene Themen vernachlssigt wie Wohnungsnot, Ausbildung, Arbeitspltze, Infrastruktur, Gesundheit und sich stattdessen in Feldern verkmpft, wo ihr die meisten Leute nicht mehr folgen wollten. Viele Menschen sind wtend auf diese Linke», sagte die Schauspielerin, ohne dabei bestimmte Parteien zu nennen.
Obwohl sie sich weiterhin als politisch links bezeichne, hadere auch sie mit «Bevormundung» und «Genuss-Feindlichkeit» in linken Milieus. «Was immer einem Freude macht ein besonders gutes Essen, eine schne Reise, ein vielleicht unangebrachter Flirt, von Humor und Lachen gar nicht erst zu reden -, schon erhebt sich ein riesiger moralischer Zeigefinger: No, no, Madame, so nicht», sagte Berben.
Die fr ihr gesellschaftspolitisches Engagement bekannte Schauspielerin uerte sich auch scharf zu Antisemitismus im linken Spektrum: «Die Haltung der linken Szene gegenber Israel und den Juden war schon immer ein bser Stachel in meinem linksliberalen Herzen.» Schon frher htten sich in dieser Szene eine Menge Antisemit*innen getummelt. «Und jetzt sind sie wieder aus ihren Lchern gekrochen und vermehren sich, leider und absurderweise auf der linken Seite des politischen Spektrums.» (dpa/cw)
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