Katholische Kirche: Drei Jahre Haft fr Homosexuelle sind nicht genug
In Ghana haben die katholische Bischofskonferenz und der Christenrat, ein Zusammenschluss protestantischer Kirchen, die Parlamentsabgeordneten aufgefordert, die Strafen fr queere Menschen drastisch zu erhhen. Wie «Vatican News» berichtet, solle eine Gesetzesverschrfung «mit besonderer Dringlichkeit» behandelt werden. Die vergangene Woche verffentlichte Forderung wurde von BischofMatthew Kwasi Gyamfi, dem Chef der Bischofskonferenz, sowie Hilliard Dela Dogbe, dem Chef des christlichen Rats, unterzeichnet.
Derzeit stehen in Ghana drei Jahre Haft auf (mnnliche) «homosexuelle Handlungen». Ein seit Jahren debattierter Gesetzentwurf sieht vor, knftig Menschen mit drei Jahren Haft zu bestrafen, wenn sie sich als homosexuell oder trans identifizieren. Wer fr Queersein «wirbt», soll knftig zwischen fnf und zehn Jahre ins Gefngnis. Dazu soll etwa eine Meldepflicht fr «homosexuelle Handlungen» eingefhrt werden.
Das Statement der Bischofskonferenz und des christlichen Rates uert sich auch besorgt ber den Einfluss von auslndischen «Ideologien», die traditionelle Familienwerte bedrohten. Damit stellen sich die Kirchen hinter die in Afrika weit verbreitete Verschwrungserzhlung, dass europische Kolonialmchte Homosexualitt quasi «eingeschleppt» htten. Was sie dabei auer acht lassen: Das gegenwrtige Homosexuellenverbot wurde 1892 von den britischen Kolonialherren eingefhrt, zuvor hatte es keine derartigen Gesetze gegeben.
Gesetz bereits 2023 beschlossen, aber nie unterzeichnet
Der queerfeindliche Gesetzentwurf war bereits 2023 im ghanaischen Parlament beschlossen worden (queer.de berichtete). Nach internationaler Kritik lehnte der damalige Prsident Nana Akufo-Addo aber eine Unterschrift bis zur Entscheidung des Obersten Gerichts ab. Mitte Dezember 2024 billigte der Supreme Court das queerfeindliche Gesetz (queer.de berichtete). Bis zum Ende seiner Amtseit im Januar unterzeichnete Akufo-Addo das Gesetz aber nicht, so dass der parlamentarische Prozess neu beginnen musste. Offenbar frchtete er dabei auch eine Einbruch der Entwicklungshilfe allein Deutschland hatte in den letzten Jahren hunderte Millionen Euro an Ghana berwiesen.
Im Mrz diesen Jahres brachten mehrere Abgeordnete den Gesetzentwurf erneut ins Parlament ein (queer.de berichtete). Der neue Prsident John Dramani Mahama erklrte, das Vorhaben grundstzlich zu untersttzen. Allerdings wnsche er sich eine Regierungsvorlage, keinen Gesetzentwurf von Einzelabgeordneten. «Als Christ vertrete ich den Grundsatz und die Werte, dass es nur zwei Geschlechter gibt, Mann und Frau, und dass die Ehe zwischen Mann und Frau geschlossen wird».
Papst Franziskus: Homosexualitt ist nicht kriminell
Eigentlich hatte der krzlich verstorbene Papst Franziskus 2023 erklrt, dass sich Homosexuelle oder trans Menschen wegen ihrer Identitt aus Sicht der Kirche zwar einer Snde schuldig gemacht htten, dies allerdings kein «Verbrechen» sei (queer.de berichtete). Unklar ist, wie der neue Papst Leo XIV. in dieser Frage denkt. Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Mller hatte bereits kurz vor der Papstwahl gefordert, dass der neue Pontifex einen hrteren Kurs gegen Homosexuelle einschlagen msse (queer.de berichtete).
In der mehrheitlich christlichen Bevlkerung von Ghana ist die Ablehnung von queeren Menschen fast universell. Laut einer 2021 verffentlichten Afrobarometer-Umfrage erklrten 93 Prozent, sie wrden gleichgeschlechtliche Paare nicht akzeptieren. (dk)
