Kritik nach SchwuZ-Insolvenzantrag: «Schwarz-Rot steht tatenlos daneben»
Die Grnen und die Linken im Berliner Abgeordnetenhaus haben entsetzt auf den Insolvenzantrag des alteingesessenen queeren Clubs SchwuZ reagiert. Sie riefen die schwarz-rote Regierung auf, etwas fr den Erhalt der queeren Kultur zu tun und nicht alles dem Markt zu berlassen.
Der grne Stadtentwicklungssprecher Julian Schwarze betonte, dass Clubkultur kein «Party-Luxus» sei, sondern ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft Berlins. «Einmal mehr wird deutlich, wie dramatisch die Lage fr die Berliner Clubkultur inzwischen ist. Der Senat darf das nicht weiter ignorieren», forderte Schwarze. Es sei hchste Zeit fr ein koordiniertes Vorgehen, um zusammen mit den Clubs nach Lsungen zu suchen und sie gerade jetzt zu untersttzen. «Sonst ist die einzigartige Clubkultur Berlins in ernsthafter Gefahr und wir riskieren den Verlust vielfltiger Orte und Angebote.» Er warnte davor, dass ein Clubsterben zu einem Verlust der Identitt in Berlin fhren und Berlin auch fr Besucher*innen weniger attraktiv machen knne.
«Berlins queere Subkultur in ernster Gefahr ist»
Klaus Lederer, der queerpolitische Sprecher der Linksfraktion, fragte schon fast resigniert: «Was muss eigentlich noch passieren, bis Senat und Koalition endlich begreifen, dass Berlins queere Subkultur in ernster Gefahr ist?» Der frhere Kultursenator beklagte, dass die Rahmenbedingungen fr Rckzugsorte, sogenannte Safe Spaces, oder «Orte des Empowerments» immer schwieriger wrden. «Das verndert das Antlitz der vom Senat immer wieder beschworenen ‚Regenbogenhauptstadt‘ und ihrer queeren sozialen Rume schleichend, aber sehr nachhaltig und mit unwiederbringlichen Folgen.»
Der Regierung warf er schweres Versagen vor: «Schwarz-Rot steht tatenlos daneben. Das Problem wird nicht bestritten, aber der Senat meint, das sei nicht seines.» Vielmehr werde alles dem Markt berlassen. Steigende Kosten «bei gleichzeitig knapp bleibenden Ressourcen der queeren Besucher*innen» sowie ein Gewerbemietrecht, das «unbegrenzte Mietpreissprnge» zulasse, knne aber vielen Einrichtungen das Aus bedeuten. «Das alles geschieht in Zeiten, in denen queeres Leben ohnehin immer gefhrdeter ist.»
Beim 1977 gegrndeten SchwuZ soll der Clubbetrieb vorerst bis zur voraussichtlichen Erffnung des Insolvenzverfahrens im Oktober weitergehen. Bereits im Mai hatte die Einrichtung einem Drittel der Belegschaft aus damals rund 100 Beschftigten gekndigt, um das Ruder doch noch herumzureien (queer.de berichtete). (cw)

