Latzel: «Ich denke nicht, dass alle Homo­sexuellen Verbrecher sind»
3 mins read

Latzel: «Ich denke nicht, dass alle Homo­sexuellen Verbrecher sind»

Der wegen queerfeindlicher Aussagen von der Bremischen Evangelischen Kirche bestrafte Pastor Olaf Latzel sieht sich zu Unrecht gemaregelt. «Ich halte mich nach wie vor fr unschuldig», sagte der 57-Jhrige in einem Interview der evangelikalen Nachrichtenagentur Idea (Bezahlartikel). Er habe sich fr seine Wortwahl entschuldigt. «Die Kirche hat mich fr etwas sanktioniert, das nicht in meiner Absicht stand.»

Der Pastor der St. Martini-Gemeinde hatte sich whrend eines Eheseminars im Oktober 2019 extrem abfllig ber queere Menschen geuert. So nannte er Homosexualitt unter anderem «todeswrdig» und eine «Degenerationsform von Gesellschaft». Die Anerkennung von trans Menschen zerstre ferner «unsere gesamte Zivilisation und Kultur». Darber hinaus warnte er vor der angeblich mchtigen «Homolobby»: «berall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch» (queer.de berichtete). Die Aussagen, fr die er sich spter halbherzig entschuldigte, gelangten als Audiodatei online. Die Bremische Evangelische Kirche hatte sich wiederholt von Latzels Entgleisungen distanziert.

Die Bremer Staatsanwaltschaft klagte Latzel wegen Volksverhetzung an. Nach Verhandlungen in mehreren Instanzen stellte das Landgericht Bremen den Prozess im Sommer 2024 gegen eine Geldauflage in Hhe von 5.000 Euro an den Bremer Verein Rat&Tat-Zentrum fr queeres Leben ein (queer.de berichtete). Im Anschluss entschied die Landeskirche im Mai 2025, Latzels Gehalt fr vier Jahre um fnf Prozent zu krzen. Diese Disziplinarstrafe solle ihm als Erinnerung und Mahnung fr sein Fehlverhalten dienen, hie es (queer.de berichtete).

«Die klare Trennung zwischen Snder und Snde ist mir nicht gelungen»

Im idea-Interview wies Latzel den Vorwurf der Volksverhetzung erneut zurck. Gleichzeitig rumte er ein, er wrde seine Aussagen so nicht mehr wiederholen, weil sie missverstndlich seien. «Die klare Trennung zwischen Snder und Snde ist mir nicht gelungen.»

Auch das Wort «Verbrecher» habe sich nur auf Menschen bezogen, «die unsere Kirche beschmiert haben und die Gottesdienste gestrt haben», meinte Latzel. «Ich denke nicht, dass alle Homosexuellen Verbrecher sind. Zu unserer Gemeinde zhlen Homosexuelle, das ist berhaupt kein Problem», so der evangelikale Pastor. Aber die Bibel verurteile nun mal praktizierte Homosexualitt: «Das ist auch eine Frage an unsere Gesellschaft: Darf biblische Wahrheit noch ausgesprochen werden?»

Das gekrzte Gehalt macht Latzel nichts aus

Die Gehaltskrzung spiele fr ihn keine Rolle, erklrte Latzel im Interview. «Ich bin dankbar, dass ich das Wort Gottes weitergeben darf. Die Umstnde sind dabei fr mich nachrangig.» Es stehe jedem Menschen frei, ihn zu beurteilen, so der Pastor. Entscheidend sei fr ihn jedoch, «was eines Tages mein Herr und Heiland Jesus Christus ber meinen Dienst sagt. Da werde ich nicht bestehen knnen.»

Er selbst habe gelernt, sich nicht zu wichtig zu nehmen, sagte Latzel. «Ich bin ein unbedeutendes Nichts, und Jesus ist alles. Unser Leben ist schnell vorbei, und in der Ewigkeit spielt vieles, ber das wir jetzt gesprochen haben, keine Rolle mehr.» (cw)