Lesbische Liebe zwischen Botanik, Leichen und Revolution
Ein junge Frau schleicht sich im Jahr 1733 in eine Kaserne in Paris ein. Dort macht sie Soldaten und Offiziere sprachlos, als sie nach einer Leiche fragt. An dieser will sie die Anatomie und das Sezieren lernen. Mit dieser spannenden und skurrilen Einstiegsszene stellt Christine Wunnicke im historischen Roman «Wachs» (Amazon-Affiliate-Link ) die Protagonistin Marie Biheron vor.
Wunnicke schreibt mit viel feinem Witz, Sinn fr Absurditt und historischer Genauigkeit ber zwei schillernde franzsische Persnlichkeiten, die beide als Wissenschaftlerinnen und Knstlerinnen vor und whrend der Revolution berhmt geworden sind: Marie Biheron und Madeleine Basseporte.
Whrend ber die autodidaktische Anatomin Marie Biheron wenig bekannt ist, war Madeleine Basseporte eine der berhmtesten botanischen Zeichnerinnen Frankreichs. Sie wurde Chefzeichnerin am Botanischen Garten in Paris, obwohl Frauen auf dem Posten gar nicht erlaubt waren. Sie zeichnete fr Knig Louis XV. und wurde regelmig zur Beratung nach Versailles bestellt.
Basseporte und Biheron lernten sich tatschlich kennen
Der erste Zeitsprung zu Beginn des Romans kommt abrupt: Sechzig Jahre nach dem Kasernenauftritt, im vierten Jahr der franzsischen Revolution, liegt Marie Biheron auf dem Sterbebett. Sie sinniert ber die Guillotine, die ihr der Enkel als neue Erfindung beschrieben hat, sie aber noch nie gesehen hat. Sie liegt in einer Holzhtte versteckt im Garten ihrer Familie, whrend ihr Enkel Edm sie pflegt und sich um sie kmmert. Sie liest Zeitungsfetzen, und Edm muss ihr das Treiben auf den Straen beschreiben, weil sie unbedingt verstehen will, was um sie herum passiert.
Madeleine Basseporte und Marie Biheron lernten sich tatschlich kennen, da Madeleine Maries Zeichenlehrerin war. Ob die Beziehung aber weiter ging, ist nicht bekannt. Im Roman beschreibt Wunnicke, wie Marie lieber Krperteile als Pflanzen zeichnet. Fr ihr erstes privates Treffen berredet Marie Madeleine, sie zur Ostermesse nach Notre Dame zu begleiten. Danach bringt sie Madeleine zur zerstrten Apotheke, in der die 14-jhrige Marie alleine lebt und Leichen seziert. «Warum?» fragt Madeleine Marie immer wieder, um zu verstehen, was sie dazu antreibt. Marie will den menschlichen Krper verstehen, durch und durch. Zwischen Nelkenl und brennenden Kerzenstummeln entkleidet Marie Madeleine und verfhrt sie, whrend Madeleine nur denkt: Man msste das unterbinden.
Die lesbische Liebesgeschichte passiert nebenbei
Szenenwechsel, ein weiterer Zeitsprung: Madeleine ist Chefzeichnerin am Botanischen Garten in Paris, und bringt Marie als ihre Lebenspartnerin und ihre Mutter mit durch. Marie ist durch ihr Selbststudium und ihren unerschtterlichen Ehrgeiz als Autodidaktin zum «besten Anatom von Paris» geworden, hat aber dennoch keine Arbeit und kein Einkommen. Mit ihrer Idee, knstliche Leichen mit den Innenteilen aus Wachs zu erstellen, wird sie schlielich berhmt und erfolgreich. Ihre Modelle sind so lebensecht wie keine anderen, ihr selbstgemachter Wachs fester als der aller bisherigen Modelle. Sie schafft das erste lebensechte Modell einen schwangeren Frau mit Ftus. Von ihrer Arbeit ist nichts erhalten geblieben.
Die Liebesgeschichte zwischen den Frauen passiert nebenbei, whrend beide ihr Leben der Kunst und Wissenschaft widmen, und trotz vieler Hrden mutig ihren Weg gehen. Im Roman tummeln sich viele interessante Charaktere, sowohl fiktiv als auch real, und der Alltag in Paris zur Zeit der Revolution wird besonders am Ende lebendig.
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