Linken-Oberbrgermeisterin zeigt CSD-Organisatoren an
Christina Buchheim, die linke Oberbrgermeisterin der sachsen-anhaltischen Kreisstadt Kthen, hat bereits am Freitag Anzeigen wegen bler Nachrede und Verleumdung gegen zwei CSD-Organisatoren erstattet. Wie die «Mitteldeutsche Zeitung» (Bezahlartikel) berichtet, habe die Stadtverwaltung die Anzeigen gegen Falko Jentsch und Julian Miethig besttigt.
Vorausgegangen war ein Streit ber Auflagen beim CSD Mitte Juli in der 24.000 Einwohner*innen zhlenden Stadt. Die Organisatoren hatten unter anderem Behrdenwillkr kritisiert. So klagten sie erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht Halle gegen ein Verbot von Toilettenwagen und Versorgungsstnden durch den von der CDU gefhrten Landkreis. Am Tag des CSD untersagte die Verwaltung laut den Organisatoren auerdem kurzfristig, Strom bei der Veranstaltung zu verwenden (queer.de berichtete).
Buchheim, die von 2016 bis 2023 fr die Linke im Landtag gesessen hatte, kritisierte bereits vor dem CSD die Organisatoren scharf: Wie die Stadt im Juli bekannt gab, sei die Oberbrgermeisterin bei einem Gesprch kurz vor der Veranstaltung von den beiden Organisatoren aufgefordert worden, «eine Entscheidung unter Missachtung der Auflagen des Kreises» zu treffen. Zudem htten sie «mit negativer Presseberichterstattung und unangenehmen Fragen an Podiumsgste» gedroht. Sie erklrte bereits damals laut MDR, strafrechtliche Schritte in Erwgung zu ziehen.
Organisator Miethig gestand jetzt gegenber der «Mitteldeutschen Zeitung» eigene Fehler ein: «Ich habe mich beim Auswertungstreffen [am 4. August nach dem CSD] auch entschuldigt fr einige Postings, die zum Teil provozierend waren. Und ich will auch nicht wieder l ins Feuer gieen.» Er sei zu einem «moderierten Gesprch» mit der Stadtchefin bereit.
Buchheim will grundstzlich nicht mehr mit den beiden Organisatoren sprechen
Die Stadt stellte jedoch klar, dass Buchheim mit den beiden Organisatoren grundstzlich nicht mehr sprechen wolle. Dies werde «aus den bekannten Grnden abgelehnt». Dabei planen die beiden Aktivisten bereits den CSD 2026, der am 11. Juli stattfinden soll. Laut Stadt werde man darber aber nur mit «einem neuen Organisationsteam» reden.
Falko Jentsch, der als Vorstandsmitglied des Dachverbandes CSD Sachsen-Anhalt mehrere Prides im Land mitorganisiert, betonte gegenber der MZ: «Es ist eine politische Demo: Wir machen das, um Reibung zu erzeugen, es ist ja kein Stadtfest: Man stt gesellschaftliche Barrieren auf, und kratzt an der einen oder anderen Stelle.»
Konflikte innerhalb der Community
Zuletzt wurden auch Konflikte innerhalb der Landes-Community mit dem CSD Sachsen-Anhalt deutlich. So beklagte der CSD Merseburg im Juni laut «taz», dass der CSD Sachsen-Anhalt ber die lokalen Bedrfnisse hinweg entschieden und eine Kommerzialisierung vorangetrieben habe.
Der CSD Burgenlandkreis erklrte Mitte Juli auf Instagram, man habe mit dem Dachverband «negative Erfahrungen» gemacht. «Wir nehmen wahr, dass besonders oft dort, wo der CSD Sachsen-Anhalt als Organisator beteiligt ist, Probleme mit den Behrden auftauchen. Wir wollen Probleme auf der Seite des Systems nicht in Abrede stellen, wir haben sie selbst erlebt, doch erscheint uns der immer wieder kommunizierte Dissens zwischen den Seiten bertrieben dargestellt», so der lokale CSD-Verein. Nur weil nicht im Interesse einzelner Personen oder Organisationen gehandelt werde, heie das nicht, «dass Behrden oder Kommunen komplett unkooperativ oder queerfeindlich sind». (cw)
