Mobbing von schwulem Lehrer: Senatorin lag Brief doch frher vor
Berlins Bildungssenatorin Katharina Gnther-Wnsch hat ihre frheren Aussagen zu einem ausfhrlichen Beschwerdeschreiben des schwulen Lehrers Oziel Incio-Stech korrigiert. «Im Zusammenhang mit dem Vorgang an der Carl-Bolle-Schule hat die von mir erbetene nochmalige Prfung der Akten am 20. Juni 2025 ergeben, dass mir das Schreiben vom 4. Dezember 2024 persnlich vorlag», teilte sie in einer «persnlichen Erklrung» mit. Vor rund einer Woche hatte sie gesagt, sie habe es erst im Mai gelesen (queer.de berichtete).
«Die fehlerhaften Angaben im Bildungsausschuss am 5. Juni und im Plenum am 12. Juni beruhten auf dem damaligen Stand der internen Prfung», erluterte die CDU-Politikerin. Im sogenannten elektronischen Postbuch sei das Schreiben nicht erfasst gewesen. «Dass mir das Vorliegen des Schreibens nicht mehr erinnerlich war, bedauere ich.»
Anwalt hat die Senatorin direkt angeschrieben
Der Lehrer wurde nach eigenen Angaben von Schlern aus muslimischen Familien monatelang beschimpft, beleidigt und gemobbt. Er beklagt auerdem Mobbing und falsche Vorwrfe durch eine Kollegin (queer.de berichtete). Sein Anwalt hatte im Dezember 2024 per Einschreiben mit Rckschein einen Brief an die CDU-Politikerin geschickt, persnlich an sie adressiert. Mehrere Pressestellen von SPD-Senator*innen erklrten zuletzt, solche Schreiben wrden den Senator*innen immer persnlich vorgelegt.
Gnther-Wnsch hatte im Abgeordnetenhaus jedoch erklrt, das umfangreiche Beschwerdeschreiben zunchst nicht gelesen zu haben. Es sei an die zustndige Stelle in der Bildungsverwaltung weitergeleitet worden. Sie selbst habe es aber erst im Mai gelesen. Als «Person des ffentlichen Lebens» knne sie nicht jeden an sie adressierten Brief lesen, erluterte Gnther-Wnsch noch vor gut einer Woche.
In dem neunseitigen Schreiben an die Senatorin, das queer.de vorliegt, schilderte sein Anwalt Vorkommnisse an der Grundschule in Moabit. Er listete unter anderem auf, was der Lehrer dagegen unternommen hat und wie Schulleitung oder Schulaufsicht reagiert haben.
«Strukturelles Versagen» der Bildungsverwaltung
Bereits am Donnerstag hatte der Berliner Integrationsstaatssekretr Max Landero die Bildungssenatorin indirekt kritisiert. Der schwule Lehrer htte Hilfe und Untersttzung gebraucht, sagte der SPD-Politiker im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses. «Wir sehen schon Anstze, dass wir dort strukturelles Versagen haben.» Es gehe nun darum, gemeinschaftlich zu versuchen, es besser fr die Zukunft zu machen (queer.de berichtete). (cw/dpa)
