Nachtclubs als Orte schwuler Selbstermchtigung
2 mins read

Nachtclubs als Orte schwuler Selbstermchtigung

Kaum jemand hat das Thema schwule Liebe in den letzten knapp 25 Jahren origineller in Musik bersetzt als Joel Gibb, Mastermind hinter The Hidden Cameras. Das 2001 in Toronto gegrndete kooperative Projekt sprengte mit seiner fluiden Mitgliederstruktur die Grenzen der klassischen Bandformation. Mit seiner «Gay Folk Church Music» brachte Gibb schwule Themen auf Bhnen und in Kirchenrume -, lange bevor diese im Pop-Mainstream angekommen waren.

Mit seinem siebten Studioalbum «Bronto» tritt Joel Gibb in die Fustapfen von Pionieren wie Lou Reed und David Bowie und verffentlicht am 12. September ein Album, das zwar von seiner Wahlheimat Berlin inspiriert wurde, jedoch in Mnchen aufgenommen worden ist. In Berlin lebt der Kanadier seit ber zehn Jahren und das ist keineswegs spurlos an seinem Sound vorbeigegangen. Nach Folk und Country hat Gibb in Zusammenarbeit mit dem Mnchner Produzent Nicolas Sierig (Joasihno) mit «Bronto» ein eigenwilliges elektronisches Meta-Dance-Pop-Album erschaffen.

Nachtclubs waren in der Geschichte schwuler Selbstermchtigung immer zentrale Orte des Widerstands und der Community. «Bronto» erforscht die schillernden Facetten dieser inhrent queeren Geschichte auf seine ganze eigene Art, zollt den Vorreiter*innen Tribut und reiht sich rechtmig zwischen diesen ein.

Auf «Bronto», was im Griechischen «Donner» bedeutet, legt Gibb die Folk-Gitarre weitestgehend beiseite und nutzt in bester Disco-Tradition das Studio als Instrument, in dem er hochemotionale, schillernde Soundwelten kreiert. Statt hyperreferezieller Sprachakobatik, spielt Gibb auf dem neuen Album bewusst mit hundertfach gehrten Phrasen und Fragen und schafft es, dank seines einzigartigen Zugangs zum Songwriting, Geschichten zu erzhlen, die weiterhin wunderbar seltsam und berhrend zugleich sind.

«Why do you do that, when you say you don’t want me?» erffnet Gibb «How do you love?», die erste Singleauskopplung aus «Bronto». Es ist die Hymne der unerwiderten Liebe. Nach «Undertow» ist nun auch die dritte Auskopplung «Quantify» erschienen.

Kollaboration stand immer im Zentrum des Projekts. Waren es frher Instrumentalist*innen und Snger*innen, zhlt Gibb heute die Remixer zu seinen musikalischen Mitstreiter*innen. Auch echte Schwergewichte hat er auf «Bronto» versammelt, nicht zuletzt die Pet Shop Boys, Local Suicide und Vince Clarke. (cw/pm)

Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthlt Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de untersttzen: Kommt ber einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhht sich dadurch nicht.