Neonazi-Demo gegen Berliner CSD angemeldet
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Neonazi-Demo gegen Berliner CSD angemeldet

Zum Berliner CSD an diesem Samstag haben Neonazis einen Gegenprotest angemeldet. Das berichtete zuerst die «Berliner Zeitung». Der Anmelder, eine Einzelperson, habe die vermutete Zahl von Teilnehmenden mit 350 angegeben.

Die Kundgebung trgt den Titel «Gemeinsam gegen den CSD-Terror und der [sic!] Identittsstrung» und soll nach aktueller Anmeldelage ab 11.30 Uhr bis angeblich Mitternacht mehr oder weniger der Strecke des Pride folgen, von Leipziger Strae ber Potsdamer Platz und Nollendorfplatz ber Groer Stern zum Platz vor dem Brandenburger Tor.

Laut der Zeitung sei die Polizei mit einem verstrkten Aufgebot im Einsatz. Unter einem fast gleichlautenden Motto hatten Rechtsradikale der Gruppierung «Jung und stark» vor wenigen Wochen gegen den East Pride in Friedrichshain («Homos, Juden, Frauen Ein Kampf fr Leben und Freiheit») mobilisiert. Statt den angemeldeten 300 Teilnehmenden kamen laut einem Bericht von «democ» rund 30 Neonazis.

Wie im Vorjahr stehen auch in diesem Jahr viele Prides in ganz Deutschland im Visier von Neonazis. In Berlin und Umgebung hatte es in den letzten Wochen auch Kundgebungen der Gruppierung «Deutsche Jugend Voran» gegen den Marzahn Pride und den CSD in Bernau gegeben.

HIV hilf uns doch, Schwule gibt es immer noch. Handgezhlte 42 jugendliche Neonazis der Gruppe Deutsche Jugend Voran demonstrierten heute gegen den dritten CSD in Bernau, an dem trotz strmenden Regens etwa 700 Menschen teilnahmen so viel wie nie zuvor. @Tagesspiegel pic.twitter.com/SXUt5C9afV

In mutmalich direkten Zusammenhang gab es laut Medienberichten an diesem Mittwoch Durchsuchungen der Polizei bei Mitgliedern von «Deutsche Jugend Voran» in Berlin (queer.de berichtete).

Hohe Teilnahme am CSD erwartet

Beim eigentlichen Berliner CSD ziehen am Samstag unter dem Motto «Nie wieder still» 80 Trucks sowie 100 unterschiedliche Gruppen durch die Stadt, um fr Vielfalt, Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten zu demonstrieren. Hunderttausende werden zudem entlang der Strecke erwartet, wie der CSD-Verein in der letzten Woche bei einer Pressekonferenz mitteilte.

Die Demo beginnt um 12 Uhr und fhrt wie in den Vorjahren vom Leipziger Platz in Mitte ber den Potsdamer Platz nach Schneberg und von dort zur Strae des 17. Juni und zum Brandenburger Tor. Am Ende der Demo im Tiergarten findet eine groe Abschlusskundgebung mit mehreren Bhnen statt. Dort treten etwa MKSM und die D-DUR DYKES* auf, whrend auf politischer Seite unter anderem Besuch vom Budapest Pride erwartet wird.

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Ohne bereits vom Gegenprotest gegen den eigenen CSD zu wissen hatte der Pride in der letzten Woche betont, dass der 47. CSD kmpferischer und mutiger sein solle als in den Jahren zuvor: «Wir werden bunt und lautstark auf der Strae sein und ein klares Zeichen setzen», sagte Marcel Voges vom CSD-Vorstand. Das sei besonders wichtig, da es in den letzten Wochen regelmig organisierte Aktionen gegen die queere Community gegeben habe und eine enorme Unsicherheit herrsche. Zum Motto sagte Voges: «Wir wollen uns unseren Platz, den wir in Jahrzehnten erstritten haben, nicht wieder streitig machen lassen.»

Auch von politischer Seite lasse die Untersttzung nach, hatte der Vorstand beklagt. Bundesweit war in den Schlagzeilen, wie Bundestagsprsidentin Julia Klckner (CDU) es untersagte, wie in den Vorjahren zum CSD die Regenbogenflagge am Reichstag zu hissen. Auch das Regenbogennetzwerk der Bundestagsverwaltung darf nicht mehr als solches an der Demo teilnehmen. «Es trifft uns in dieser Zeit sehr stark, wenn uns die Solidaritt entzogen wird», hatte der CSD kritisiert (der auch mit einem Rckzug von Sponsoren zu kmpfen hat). Untersttzung gibt es dennoch: Auf der Auftaktkundgebung ab 11.30 Uhr kurz vor Beginn der Demo reden etwa Politiker*innen wie die Bundestagsvizeprsidenten Josephine Ortleb (SPD) und Omid Nouripour (Grne).

Im Rahmen des Pride Monats finden bereits zuvor viele nicht direkt vom CSD-Verein verantwortete Veranstaltungen statt, am Donnerstag etwa der populre «CSD auf der Spree». Zu Klckner und Co. folgt am Freitag ab 18.30 Uhr die Kundgebung «Regenbogen vor dem Reichstag». Ebenfalls am Freitag ist von neuen Veranstalterinnen ein «Community Dyke*March» geplant. Dieser steht erneut in Kritik, nachdem es dort bereits im Vorjahr ebenso zu antisemitischen Botschaften gekommen war wie beim fr Samstag erneut geplanten «Internationalistischen Queer Pride» in Kreuzberg. (cw/dpa)