Nina Queer versucht sich als Regisseurin
Was reimt sich auf Fotze? Na klar, Kotze. «Berlin ist ne Fotze. Frher wars geil, heute stinkend wie Kotze.»: So lauten also die lyrikpreisverdchtigen und gar nicht so unwahren ersten Zeilen von «Der Saft des Bsen». Wer muss das besser beurteilen knnen als Nina Queer, die seit 25 Jahren in Berlin weilt?
Die Entertainerin, DJ und irgendwie Knstlerin ist jetzt auch unter die Filmschaffenden gegangen. Frher mal SPD-Toleranzbotschafterin, wurde sie wegen grenzwertiger bis rassistischer Aussagen und der Selbstbezeichnung als «Hitler-Transe» zur «umstrittensten Dragqueen Deutschlands» stilisiert. Und durfte deshalb nicht ins RTL-Dschungelcamp. Schlagzeilen, von denen sie womglich immer noch zehrt.
Anastasia kotzt, uriniert und masturbiert
Diese ersten Verse geben den Ton des Films vor, aber leider nicht den Takt. Ganz grob geht es darum: Die versoffene Anastasia Palmovsky hngt zu viel in Clubs ab und vernachlssigt deshalb ihre zwei Tchter eine Dragqueen auf Knien und eine Puppe. Ihre Mutter Brunhilde will die Enkelkinder retten, weshalb Anastasia vor ihr aus der Stadt flieht. In Brandenburg kommt es schlielich zum mrderischen Showdown.
Kein Wunder, dass die Hauptstadt stinkt: Anastasia, gespielt von Nina Queer selbst, kotzt in den ersten paar Minuten stolze drei Mal: Einmal noch im schbigen Club, einmal aus dem Fenster zu Hause und schlielich, als sie bernchtigt ihrem Nachbarn einen runterholt.
Witzig: Sie flieht nach Oberbraundarm
Und auch sonst speist sich «Der Saft des Bsen» der Titel lsst es womglich erahnen vor allem aus Krperflssigkeits-Humor: Anastasia uriniert und masturbiert im Treppenhaus. Sie schliet ihre verwirrte Oma, die aus ihrem Nachttopf isst, in einen Wandschrank ein. Und ihr angewiderter Nachbar spuckt sie im Vorbeigehen an. Eins muss man dem Drehbuch lassen: Fast alle Sekrete finden ihren Platz darin. Eiter fehlt, das ist unverzeihlich.
Nina Queers erster Film will eine Horror-Komdie sein, es mangelt aber sowohl an Humor als auch an Angst und Schrecken. Weil Anastasia vor ihrer Mutter fliehen muss, ruft sie einen alten Lover an. Der ldt die Alleinerziehende zu sich nach Brandenburg ein nach Oberbraundarm. Wer den Ortsnamen lustig findet, hat sicher einigen Spa an diesem schrgen Versuch, unterhaltsam zu sein.
Der Soundtrack ist das wahre Highlight
Es gibt sie zwar, die berraschend lustigen Momente, die unerwarteten Lacher und unpassenden Gerusche. Doch sie sind eher rar. Der Rest kommt berhaupt nicht in Fahrt, die Szenen dauern viel zu lang fr das bisschen Inhalt, das sie transportieren wollen.
Schade, dass der Film nicht den anfnglichen Takt behlt, da findet das Ganze noch eine gute Geschwindigkeit. Wie berhaupt der ganze Soundtrack von DJ Divinity und Nina Queer das wahre Highlight von «Der Saft des Bsen» ist.
Trash, der sein mangelndes Talent und geringes Budget nutzt, um subversiv zu sein, ist sicher eine der anspruchsvollsten filmischen Herausforderungen. «Der Saft des Bsen» kratzt stellenweise daran, ist insgesamt aber ganz weit davon entfernt. Geistreich, originell oder kurzweilig ist da kaum etwas.
Der Film ist erstaunlich lahm und zahm
Und von der umstrittenen Nina Queer htte man ehrlicherweise mehr Provokation oder zumindest eine spitzere Zunge erwarten drfen. Dass Brunhilde ihre Tochter als Sperma-Auffangbecken bezeichnet, ist da noch das Derbste.
Groes Aber: Alle Beteiligten hatten sichtlich Spa an dem Ganzen. Das sieht man dem Film an, und das verdeutlichen die Outtakes am Ende. Mit dem Erzhler Jrgen Vogel hat man einen prominenten Untersttzer gefunden, aber auch Magda von Pfeffer, Tatjana Berlin und Ingo Raabe knnen sich sehen lassen. Und mit ein paar Glsern Sekt intus lsst sich auch ber Oberbraundarm lachen.
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