NRW-Kommunalwahlen: Zwei schwule OBs mssen in die Stichwahl
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NRW-Kommunalwahlen: Zwei schwule OBs mssen in die Stichwahl

Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen haben sich die beiden schwulen Grostadt-Oberbrgermeister, der CDU-Politiker Thomas Kufen aus Essen und der Sozialdemokrat Felix Heinrichs aus Mnchengladbach, gute Chancen, ihr Amt zu verteidigen. Beide verfehlten jedoch bei am Sonntag die absolute Mehrheit und mssen sich in zwei Wochen einer Stichwahl stellen. In NRW mssen fhrende Kandidatinnen und Kandidaten grundstzlich in einer Stichwahl gegen den Zweitplatzierten oder die Zweitplatzierte antreten, sollten sie nicht auf Anhieb mehr als 50 Prozent erobern.

Kufen kam in Essen unter acht Bewerber*innen auf 42,3 Prozent der Stimmen. Der 52-jhrige Brokaufmannmuss damit am 28. September gegen Julia Klewin (SPD)antreten, die mit 20,2 Prozent den zweiten Platz erreichte. Kufen ist seit Oktober 2015 Stadtchef. Vor fnf Jahren schaffte er bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit mit 54,3 Prozent in der viertgrten Stadt Nordrhein-Westfalens. Kufen ist der ehemalige Integrationsbeauftragte der NRW-Landesregierung unter Ministerprsident Jrgen Rttgers.

Vielen Dank fr das Vertrauen! Die CDU bleibt strkste Kraft in Essen. ber 100.000 Stimmen im ersten Wahlgang bei der…

In Mnchengladbach erreichte der SPD-Oberbrgermeister Felix Heinrichs 43,4 Prozent. Er muss sich in der Stichwahl dem Christdemokraten Christof Wellens stellen, der mit 28,8 Prozent den zweiten Platz belegte. Bei der Wahl vor fnf Jahre musste der heute 36-Jhrige ebenfalls in die Stichwahl damals hatte er mit 37,5 Prozent im ersten Wahlgang noch ein schwcheres Ergebnis gehabt. Am Ende gewann er die Stichwahl deutlich mit 74 Prozent.

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Ein Debakel erlebte dagegen der 29-jhrige RealitystarJannik Kontalis, der sich zuletzt wiederholt mit Bill Kaulitz gezeigt hatte. Er erreichte in Mnchengladbach unter elf Kandidierenden den elften Platz mit ganzen 848 Stimmen oder 0,9 Prozent. Kaulitz hatte mit Blick auf Kontalis‘ Bewerbung in seinem «Kaulitz Hills» krzlich noch gescherzt:»Ich mchte jetzt einmal direkt mit den Gerchten aufrumen und mchte sie besttigen: Es ist richtig, ich werde First Lady von Mnchengladbach.»

Jannik Kontalis will Oberbrgermeister von Mnchengladbach werden. Wir haben mal rumgefragt, was seine Reality-Kolleginnen und Kollegen so davon halten #RTF #ReJu #JannikKontalis #RTLPlus

Auch Michael Kauch, der Bundesvorsitzende der FDP-Organisation Liberale Schwule, Lesben, Bi, Trans und Queer (LiSL), erlebte keinen guten Abend. Bei der OB-Wahl in seiner Heimatstadt Dortmund erreichte der 58-Jhrige unter 13 Kandidierenden mit 1,2 Prozent der Stimmen nur den zwlften Platz. Als der ehemalige Bundestags- und Europaageordnete vor fnf Jahren angetreten war, hatte er noch 3,1 Prozent bekommen, das reichte damals noch fr den fnften Platz. Ursache drfte auch der negative Bundestrend seiner Partei sein. In die Stichwahl werden SPD-OB Thomas Westphal und sein CDU-Herausforderer Alexander Omar Kaloutigehen.

Immerhin: 2,1 Prozent fr die FDP bei der Stadtratswahl reichten fr Kauch fr einen Sitz. «Wir werden das Beste aus dem Wahlergebnis herausholen, um Vernderungen fr Dortmund zu erreichen», versprach er auf Facebook.

Ich danke allen Whlerinnen und Whlern der Dortmunder FDP fr das Vertrauen und die Wiederwahl in den Stadtrat. ? Trotz…

CDU mit Abstand strkste Kraft, aber geschwcht

In ganz NRW gewann erneut die CDU, die allerdings mit 33,3 Prozent (-1,0 Prozent) ihr ohnehin schwaches Ergebnis von vor fnf Jahren noch einmal unterboten hat. 1999 konnten die Christdemokrat*innen noch ber 50 Prozent der Stimmen erzielen, seitdem geht es kontinuierlich nach unten. Auch die SPD war mit 22,1 Prozent (-2,2 Prozent) schwach wie nie. Verdreifacht hat sich der Stimmenanteil der AfD, die es auf 14,5 Prozent (+9,4 Prozent) brachte. Im Vergleich zur Bundestagwahl vor einem guten halben Jahr verlor die rechtsextreme Partei aber mehr als zwei Prozentpunkte.

Einen schlechten Abend hatten auch wie erwartet die Grnen, die mit 13,5 Prozent (-6,5 Prozent) den vierten Platz erreichten aber im Vergleich zur Bundestagswahl leicht zulegen konnten. Die Linke brachte es auf 5,6 Prozent (+1,8 Prozent), die FDP fiel auf 3,7 Prozent (-1,9 Prozent). Das queerfeindliche BSW musste sich mit 1,1 Prozent landesweit noch hinter der Kleinpartei Volt einordnen.

Regional waren die Ergebnisse jedoch recht unterschiedlich: So konnten die Grnen ihre relative Mehrheit in Kln behaupten und haben gute Chancen, die Oberbrgermeisterin zu stellen. Berivan Aymaz muss sich in der Stichwahl dem SPD-Kandidaten Torsten Burmester stellen.

@Die_Gruenen mssen insgesamt ihre Selbstbezogenheit & -geflligkeit, gerade auch in der Kommunikation, berwinden. Weniger Lifestyle, mehr klimagerechte Modernisierung und Probleme der Inneren Sicherheit, auch im Kontext Migration, lsen statt wegzureden.
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In Mnster ist die kopartei im Stadtrat zudem mit 31,6 Prozent erstmals strkste Kraft im Stadtrat vor der CDU auch der grne OB-Kandidat Tilman Fuchs lag vorne und muss in der Stichwahl gegen CDU-KandidatenGeorg Lunemann antreten. Gerade auf dem Land lief es fr die Grnen hingegen weniger gut.

CDU und SPD erzielten beide regional einige gute Ergebnisse. Am Wahlabend und am Montag wurden Vertreter*innen der beiden Parteien daher nicht mde, die positiven Zahlen hervorzuheben.

Die rechtsextreme AfD konnte besonders in den urbanen Zentren im Ruhrgebiet zulegen, allerdings in keinem Kreis und in keiner kreisfreien Stadt die relative Mehrheit erzielen. Den grten Zuwachs hatte die AfD mit 17 Prozentpunkten in Gelsenkirchen, den geringsten mit plus 2,3 Prozent in Mnster. Besonders hohen Zuspruch erhielt die AfD in Stadtteilen mit hherer Arbeitslosigkeit und geringerem Einkommen in Kln war sie etwa besonders stark in Chorweiler und Porz. (dk)