Queer Travel: ITB stellt Karte unsicherer Lnder vor
Wie sicher fhlen sich queere Personen auf Reisen? Wo ist Akzeptanz besonders sprbar? Und wie sieht die anhand von Gesetzen messbare Lage aus? Erstmals hat die Internationale Tourismus-Brse Berlin gemeinsam mit Diversity Tourism und A3M Global Monitoring eine Umfrage unter queeren Reisenden durchgefhrt. Whrend Kanada und Spanien durchweg als sicher wahrgenommen werden, werde in Deutschland trotz rechtlicher Gleichstellung eine eher verhaltene gesellschaftliche Akzeptanz gelebt.
Begleitend hat A3M die aktualisierte «LGBTQ+ Risk Map 2025» verffentlicht, die Entwicklungen weltweit dokumentiert (Bild oben). Die farbliche Einstufung reicht von «sehr hohes Risiko» (dunkelrot) bis niedriges Risiko (dunkelgrn). Die jhrlich verffentlichte Karte dient als Orientierungshilfe fr Reisende, Veranstalter und Behrden und nimmt aktuelle Entwicklungen auf. Positiv entwickelt htten sich etwa Dominica und Namibia (Entkriminalisierung homosexueller Handlungen durch Gerichte), Deutschland (Selbstbestimmungsgesetz) und Thailand (Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen).
Negativ bewertet wurden u.a. (Re-)Kriminalisierungen in Mali, Irak und Trinidad und Tobago sowie die anti-queere Gesetzgebung in Georgien und Trumps antiqueerer, vor allem gegen trans Personen gerichteter Kulturkampf. Die gesamte Karte ist als PDF verfgbar, die Webseite bietet weitere Informationen. Ihr zufolge sind Malta, Island, Niederlande, Kanada, Spanien, Norwegen, Dnemark, Uruguay, Deutschland und Andorra die sichersten Lnder. Iran ist am gefhrlichsten, gefolgt von Saudi-Arabien, Somalia, Jemen, Uganda, Afghanistan, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Tansania, Malaysia und Pakistan.
Umfrage zu realen Erfahrungen
Zugleich hatte die ITB erstmals eine Online-Befragung queerer Reisender durchgefhrt. Die Erhebung mit dem Titel «Perceptions and Experiences of LGBTQ+ Travellers» fand zwischen Dezember 2024 und April 2025 statt, via Newsletter, Social Media, Website sowie dem LGBTQ+-Reiseportal Tomontour.de, und umfasste 16 Fragen unter anderem die persnliche Wahrnehmung zu gesellschaftlicher Akzeptanz, rechtlicher Gleichstellung, Sicherheit im Umgang mit Behrden, Erfahrungen mit Polizei, Gesundheitssystemen sowie der Nutzung sozialer Netzwerke.
Die oben verlinkte Kartenwebseite erhlt auch viele Details zu der Umfrage, die allerdings aufgrund der wenigen Teilnehmenden (123 Einschtzungen zu 36 Lndern, bei 18 der Lnder nur je eine Einzelmeinung) nur begrenzt einen vergleichenden berblick schafft. Kanada und Spanien fhren die Liste der als sicher empfundenen Reiselnder an. In beiden Lndern besttigen 100Prozent der Teilnehmenden, dass LGBTQ+-Personen respektvoll behandelt wrden. Auch das Zeigen von Zuneigung in der ffentlichkeit wird in Spanien (90Prozent) und Kanada (71Prozent) als unproblematisch bewertet. Die Polizei wird in beiden Lndern mehrheitlich als untersttzend erlebt.
Dagegen fllt das Urteil ber die USA gemischt aus: Lediglich rund ein Drittel stimmt der Aussage zu, dass queere Paare offen Zuneigung zeigen knnen oder die Polizei LGBTQ+-freundlich handelt. Stark unterschiedliche Bewertungen wiesen auf erhebliche regionale Unterschiede zwischen progressiven Metropolen und konservativeren Regionen hin. Auch Deutschland wird ambivalent gesehen: Trotz fortschrittlicher Gesetzgebung wird die gesellschaftliche Akzeptanz eher mittelmig empfunden. Nur rund die Hlfte der Befragten fhle sich wohl, ffentlich als LGBTQ+ aufzutreten, oder erlebe Gleichbehandlung durch Behrden. Vor allem von / zu trans Personen wird die Lage in vielen Lndern deutlich schlechter gesehen.
Ergebnisse sollen in Messearbeit einflieen
Ergnzend wurden vertiefende Interviews mit LGBTQ+-Tourismusexpert*innen und Vielreisenden gefhrt. Diese zeigten weitere Details zu einigen Lndern auf, etwa einen Unterschied zwischen hoher Toleranz und restriktiver Gesetzeslage oder ein «pragmatisches» Verhalten der Behrden, «solange queere Reisende sich ‚diskret‘ verhalten». Aber auch bei den Reisenden gebe es Unterschiede: «Jngere queere Reisende aus westlichen Gesellschaften reagieren sensibler auf Einschrnkungen ihrer Sichtbarkeit, whrend ltere Generationen, die mit Diskriminierung aufgewachsen sind, eher bereit sind, sich auf Reisen ‚anzupassen‘.»
«Die Sicherheitslage fr queere Reisende verndert sich derzeit teils rasant nicht nur rechtlich, sondern auch gesellschaftlich», fasst Thomas Bmkes zusammen, Geschftsfhrer von Diversity Tourism und «LGBTQ+ Tourism Advisor» der ITB Berlin. «Viele LGBTQ+-Personen leben heute selbstbewusster und offener und damit steigt auch das Bedrfnis nach Orientierung in puncto Sicherheit. Rechtliche Rahmenbedingungen allein reichen oft nicht aus: Entscheidend ist, wie sicher sich Menschen vor Ort tatschlich fhlen knnen.» Die Umfrage solle knftig jhrlich wiederholt werden, und Ergebnisse auch in die inhaltliche Gestaltung der kommenden ITB Berlin vom 3. bis 5. Mrz 2026 einflieen. (nb/pm)
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