Queere Kunst mit politischen Botschaften: Puppies Puppies
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Queere Kunst mit politischen Botschaften: Puppies Puppies

In der in Berlin-Kreuzberg beheimateten Galerie Trautwein Herleth prsentiert sich Jade Guanaro Kuriki-Olivo unter dem Label Puppies Puppies erneut und mittlerweile zum dritten Mal als eine queere Knstlerin von internationalem Rang und positioniert sich zugleich als trans Frau, die mit ihrer Arbeit immer auch politische Wirkung sucht. Die aktuellen Arbeiten unter dem Titel «Degenerate Art» sind fr die Berliner Ausstellung entstanden und greifen Stile bekannter Knstler*innen wie Sol LeWitt, Bridget Riley, Robert Indiana und Ellsworth Kelly auf. Der Titel nimmt Bezug auf den Begriff «entartete Kunst», den die Nazis in ihrem Kampf gegen die Moderne gebrauchten.

Meine erste Begegnung mit Arbeiten der aus den USA stammenden Knstlerin fand Ende 2018 statt. Sie stellte in der Kreuzberger Galerie aus, die damals noch den Namen Barbara Wei trug. Nach dem Tod der Galeristin bernahmen dann Brbel Trautwein und Daniel Herleth die Galerie, zu deren Portfolio immerhin gleich zwei trans Knstlerin zhlen, nmlich Jade und die ebenfalls aus den USA stammende Ser Serpas.

Selbstbenennungen und Zuschreibungen

2018 thematisierte Jade ihr Transsein, indem sie sthetisch reflektiert Bezug nahm auf den chilenischen Film «Una Mujer Fantastica». Sie hatte mal eben ihre eigene Transition mit dem Film parallelisiert. War es hier noch ein Spiel mit der Frage von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, mit der Frage der Identitt, die als Wahrheit nach Wirklichkeit sucht, so fehlte es ihrer nchsten Ausstellung in der Kohlfurter Strae von 2022 keineswegs mehr an Eindeutigkeit.

Im Gegenteil. Der Titel «Tranny» war nun explizit genug und erst recht, was an den Galeriewnden durch das Medium Schrift den Besuchenden mitgeteilt wurde. Die Texttafeln griffen Selbstbenennungen und Zuschreibungen auf, um auch zu vermitteln, wie es sich anfhlt, trans zu sein, und zwar in uns selbst und auerhalb von uns, und dass wir dabei immer wieder die Erfahrung machen, ausgeschlossen zu sein und in Frage gestellt zu werden.

Kunst mit Selbstbewusstsein

Zur Kreativitt kommt noch als wesentliches Element das Selbstbewusstsein hinzu, mit dem sie ihre Kunst im wahrsten Sinne des Wortes ausstattet. Gerade mit Blick auf die aktuellen politischen Verhltnisse in den USA, hlt sie es fr wichtig, neben ihrem kunstvermittelten Aktivismus auch ganz unmittelbar sich fr trans, inter und BIPoc Menschen zu engagieren. Und so lautet ihr Credo: «I’m sorry my identity is a part of my work. I think because society never lets me forget fully that I’m a trans woman. Day in and day out.»

Darum will sie auch weg von einer Wahrnehmung, die nur Kunstobjekte im Blick hat, denn hinter dem, was sie zeigt, stehen Lebenssituationen und Lebensrealitten. Ihre sthetik transportiert auf diese Weise hochpolitische Aussagen. Natrlich nehmen wir in einer Kunstausstellung zuerst Objekte wahr, um aber zu begreifen, dass sie ber die sthetik hinausgehende Botschaften transportieren.

Da entpuppt sich die groe Acryl-Tafel, die so offensichtlich die Op-Art zitiert, als Transflagge, das rotlackierte Stahlprofil in T-Form bietet gleich mehrere Bedeutungen an wie etwa «Transsexual» oder «Transgender» oder einfach nur «Tea». Der «rosa Winkel» wiederum steht in unmittelbarer Beziehung zum «Degenerate» im Titel der Ausstellung, denn dieses Zeichen mussten Schwule whrend der NS-Zeit im KZ als Erkennung tragen.

Dann gibt es da zwei Skulpturen, geformt aus Buchstaben, die an das berhmte LOVE von Robert Indiana erinnern. Einmal ist es HRT und steht fr Hormone Replacement Therapy, das andere Mal FFS fr Facial Feminization Surgery mit individuellen Bedeutungsebenen etwa als Form von Selbstliebe, whrend es fr andere auch Schutz und Rettung sein knnen. bersetzen liee es sich aber auch ganz banal mit «Verdammt noch mal» (For Fuck’s Sake).

Das queere Verschwinden hinter Masken

In einer Installation verwendet Jade die Grindr-Maske zusammen mit einer grnen Puppe vor grnem Hintergrund. Dazu gehrt ein Laptop mit einer auf die Puppe gerichteten Kamera. Thematisiert wird hier zum einen die digital dominierte Form des menschlichen Kennenlernens bei gleichzeitiger Anonymitt, ebenso das Verschwinden hinter Masken und dieser scheinbar unbegrenzte virtuelle Raum, der in der Realitt hinter verschlossenen Tren verborgen bleibt.

Jade benutzt in ihrer Kunst sehr unterschiedliche Ausdrucksweisen. Jede Ausstellung ist bei ihr in den verwendeten Mitteln absolut verschieden und darum nicht kalkulierbar. Man hat ihre sthetik eine «relationale sthetik» genannt, was daran erinnert, dass es ihr immer um konkrete Bezge geht nmlich das Transsein stets neu zu buchstabieren. Gleich ob sich das auf einer symbolischen, sprachlichen oder skulpturalen Ebene abspielt, es ist immer die trans Perspektive, die ihr wichtig ist. Sie wnscht sich, dass trans Krper Teil der menschlichen Krpersthetik werden mit ihrer Kunst arbeitet sie jedenfalls beharrlich daran. Und auerdem besteht sie als trans Frau darauf, eine Frau zu sein: «I’m a woman. I don’t care what you think.»