Schwuler JU-Chef beklagt sich ber zu viel queere Sichtbarkeit
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Schwuler JU-Chef beklagt sich ber zu viel queere Sichtbarkeit

Der umstrittene Landeschef der Jungen Union in Berlin, der offen schwule CDU-Politiker Harald Burkart, hat in einem gut halbstndigen Interview im Portal «Nius» in einem Rundumschlag unter anderem den Regierenden Brgermeister Kai Wegner kritisiert. Auf die queerfreundliche Politik seines Parteifreundes angesprochen, sagte der 30-Jhrige: «Ich kann Ihnen selber als schwuler Mann sagen, dass ich durchaus das ein bisschen befremdlich finde, wie sehr Sexualitt in Berlin oder gerade heutzutage im 21. Jahrhundert stndig in der ffentlichkeit diskutiert wird.»

Spter erklrte Burkart im Interview: «Und ich wei nicht, ob es gut ist in unserer Gesellschaft, wenn wir das Thema Sexualitt einfach stndig in den Fokus rcken. Ich finde, das ist fr mich was Privates.» Dabei kritisierte er ausdrcklich nicht, wenn sich heterosexuelle Politiker mit ihren Ehefrauen in der ffentlichkeit zeigen.

Auch Jurassica Parka war Thema des Interviews. Letzten Monat war bekannt geworden, dass gegen die einst sehr populre Dragqueen wegen des Verdachts der Verbreitung und des Besitzes von kinderpornografischen Inhalten ermittelt wird und sie bereits wegen eines derartigen Delikts vorbestraft ist. Da Wegner sich wiederholt mit ihr gezeigt hatte, gab es unter anderem Rcktrittsforderungen aus der AfD, die gleichzeitig alle Dragqueens in Sippenhaft fr das mutmaliche Verbrechen nahm. Auch Burkart bernahm diese Linie und erklrte im Interview Dragqueens fr eine pauschale Gefahr fr Kinder, insbesondere deren Lesestunden: «Das wre in etwa so, als wenn ich eine Pornodarstellerin in eine Kita schicken wrde», behauptete er.

Burkart auch gegen Schutz queerer Menschen im Grundgesetz

Zudem kritisierte Burkart Forderungen, queere Menschen im Artikel 3 des Grundgesetzes ausdrcklich vor Diskriminierung zu schtzen: «Ich nehme das als Symbolpolitik wahr», sagte der Christdemokrat. Das sei auch kein Thema, das die Gesellschaft in Berlin bewege. «Und ich finde, wir wrden gut tun, die Gesellschaft wieder ein Stck weit als Ganzes zu betrachten und sie nicht in kleinere Gruppen aufzusprechen.» Auch hier kritisierte er Kai Wegner, der sich fr den Schutz queerer Menschen in der deutschen Verfassung eingesetzt hatte (queer.de berichtete).

Auch bei anderen Fragen gab sich Burkart uerst konservativ und verteidigte Bundeskanzler Friedrich Merz etwa fr seine «Stadtbild»-uerung, indem er Auslnder*innen fr ein angeblich schlechtes Stadtbild verantwortlich machte: «Wenn ich das Berliner Stadtbild anschaue, dann sehe ich einfach die Folgen von zehn Jahre illegaler Migration. Die Folgen sind sprbar.» Bei diesem Thema ging er ebenfalls auf Konfrontationskurs zum Regierenden Brgermeister: Ihn wundere es, dass Kai Wegner als Stadtchef keine Probleme im Stadtbild feststellen konnte. Wegner hatte erklrt, dass man das Stadtbild «nicht an der Nationalitt festmachen» knne und Merz fr seine uerungen kritisiert.

In dem Interview kritisierte Burkart auch pauschal den ffentlich-rechtlichen Rundfunk oder «sehr linke» Organisationen der Zivilgesellschaft. Die deutsche Klimapolitik bezeichnete er als «ideologiebetriebene Politik».

– w –

Burkart wurde AfD-Mitgliedschaft vorgeworfen

Burkart war in der Jungen Union umstritten, weil er frher Mitglied der AfD gewesen sein soll, was er jedoch bestreitet (queer.de berichtete). Nach entsprechenden Medienberichten wurde bekannt, dass er sich zeitweise aus der JU-Fhrung zurckzieht (queer.de berichtete). Inzwischen ist er aber nach einem Rechtsstreit um seine Wahl wieder JU-Chef in der Bundeshauptstadt.

Aus der Jungen Union kamen zuletzt wiederholt aggressive Stimmen gegen queere Menschen: JU-Bundeschef Johannnes Winkel beschimpfte etwa letztes Jahr angebliche trans Frauen bei den Olympischen Spielen als «kranke Mnner» (queer.de berichtete). (dk)