Sie verwandelt Schmerz in Energie: Ezra Furman
Die Frage, ob Abgrndigkeit und Schmerzerfahrung Bedingung gelingender Kunst ist, ist vermutlich so alt wie die Kunst selbst. Im Falle der US-amerikanischen Sngerin Ezra Furman scheint die Sache ziemlich klar zu sein: Denn seit der Verffentlichung ihres Debtalbums «Banging Down The Doors» im Jahr 2007 drehen sich ihre Songs um existenzielle Themen wie Auenseitertum, Trauma und psychische Grenzerfahrung.
Auf ihrem bis dato letzten, 2022 erschienen Album «All Of Us Flames» etwa thematisierte sie ihre jdische Identitt und zog dabei eine symbolische Linie zwischen der jdischen Diaspora und der erfahrenen Anfeindung queerer Menschen. Das Besondere im Falle Furmans Musik ist, dass es ihr dabei stets gelingt, nicht in der Position der Schwche zu verharren, sondern Schmerz in Energie umzuwandeln. Nicht umsonst bezeichnete die Sngerin, die vor vier Jahren ihr Coming-out als bisexuelle trans Frau hatte, ihren Sound einst als «Revolutionsmusik» was insofern stimmig ist, als dass jede Revolution auf die Aufhebung bestehender Leiderfahrung abzielt.
Neuer Komplexittsgrad
Daran knpft auch Furmans neues Album «Goodbye Small Head» (Amazon-Affiliate-Link ) an. Darauf prsentiert sie insgesamt zwlf neue Stcke, die es in sich haben. Dass Furman bereits in der Vergangenheit verschiedene, durchaus gegenstzliche stilistische Spektren von Folk bis Punk miteinander vereinte, ist bekannt. Doch so vielseitig und musikalisch komplex wie in ihren neuen Songs hat man die US-Amerikanerin bis dato zweifellos noch nicht erlebt.
Dessen ist sich wohl auch Furman selbst bewusst. Augenzwinkernd lsst sie sich in der beiliegenden Albuminfo zitieren, den Stil des Albums knne man als «orchestralen Emo-Prog-Rock mit Samples» bezeichnen eine passende, aber zugegebenermaen wenig eingngige Begrifflichkeit. Doch unterhalb dieses Komplexittsgrades ist in diesem Falle nichts zu holen.
Munteres Genre-Ping-Pong
Das unterstreicht schon der Opener «Grand Mal», der mit opulent orchestralem Arrangement und dubbigen Beats daherkommt und damit bereits zu Beginn deutlich macht, dass Furman mit ihrem neuen Album den eher Garage-Rock-lastigen Sound ihres Vorgngers hinter sich gelassen hat.
Das darauffolgende «Sudden Storm» wiederum erklingt deutlich psychedelischer, ohne dabei die poppige Schlagseite zu vernachlssigen, und knnte in hnlicher Form auch aus der Feder einer Band wie MGMT stammen.
Und so geht das Genre-Ping-Pong im Verlauf des weiteren Albums munter weiter: «Jump Out» etwa ist ein vergleichsweise straighter Song mit Punk-Schlagseite, whrend «Veil Song» als anrhrende, akustische Folk-Ballade daherkommt.
Kontrollverlust als Initialzndung
Thematisch setzt Furman sich auf «Goodbye Small Head» eigenen Aussagen zufolge mit verschiedenen Schattierungen des Kontrollverlustes auseinander sei es in Form von Schwche, Krankheit, Mystik, BDSM oder Drogenkonsum. Die Initialzndung fr den Entstehungsprozess sieht sie dabei in einer einschneidenden Erfahrung, die sie vor gut zwei Jahren gemacht hat: Eines Morgens habe sie kurz nach dem Aufstehen das Bewusstsein verloren. Darauffolgende Untersuchungen im Krankenhaus seien ergebnislos verlaufen. Von rztlicher Seite hie es damals, sie sei gesund. Trotzdem sei sie danach monatelang mit Schmerzen ans Bett gefesselt gewesen.
Und so wre es nur allzu nachvollziehbar gewesen, wenn sich in den in dieser Zeit entstandenen Songs ein Gefhl der Hoffnungslosigkeit widerspiegeln wrde. Doch das ist nicht der Fall. Vielmehr wird die Schmerzerfahrung aller immanenten Trauer zum Trotz Ausgangspunkt eines Triumphes der Schnheit, wie ihn nur Ezra Furman zu kreieren vermag.
Links zum Thema:
Das Album «Goodbye Small Head» bei amazon.de
Homepage von Ezra Furman
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