So queer und politisch waren die 9:16 Awards in Hamburg
Sie werden gern als die «Oscars der Social-Media-Welt» bezeichnet auch wenn es die 9:16 Awards erst seit vergangenem Jahr gibt und sie in Sachen Glamour und Prominenz vielleicht nicht ganz mithalten knnen. Dennoch gibt es dort einiges zu sehen, und gerade in Sachen Vielfalt knnten sich die Oscars sogar noch einiges abgucken.
Davon konnte sich unser freier Mitarbeiter Fabian Girschick, der bereits zum zweiten Mal Teil der 9:16 Academy, also des Jury-Gremiums, war, persnlich berzeugen. Welche queeren Influencer*innen zu den groen Gewinner*innen zhlten, wer mit nachdenklichen Worten zu Trnen rhrte und wie die Stimmung sonst vor Ort war, verrt er in diesem exklusiven Nachbericht.
Zahlreiche queere Content Creators wurden ausgezeichnet
Die 9:16 Awards zeichnen neben Marken, die besonders starke Kampagnen gelauncht haben, vor allem Content Creators aus, die unterhalten, zum Nachdenken anregen oder durch ihre Kreativitt hervorstechen. Insgesamt gibt es 16 Kategorien. Unter den nominierten Personen fanden sich auch viele bekannte queere Gesichter wie Twenty4Tim, Jolina Mennen, Helge Mark, justCaan oder Dejan Garz.
Bis auf Helge Mark konnten tatschlich alle genannten Creators einen Award mit nach Hause nehmen Dejan Garz beispielsweise fr die «strkste Community» oder Twenty4Tim mit seinem zweiten Parfum fr das «beste Creator-Produkt». Besonders begeistert hat das Publikum jedoch die trans Content Creatorin Jolina Mennen.
Appell fr den Schutz von trans Personen und ffentliche Kritik
Die ehemalige Dschungelcamp-Kandidatin, die als «Edgiest Creator» ausgezeichnet wurde, machte in ihrer Dankesrede auf die Diskriminierung aufmerksam, die trans Personen hufig erleiden mssen, und betonte, wie wichtig es sei, sie nun zu schtzen. «Wir mchten niemandem etwas wegnehmen, wir mchten einfach nur dazugehren.» Fr diese Worte erntete sie tobenden Applaus und tiefes Mitgefhl.
Allgemein wurden immer wieder gesellschaftliche Themen angesprochen sei es der krzliche Todesfall eines 21-Jhrigen in Oldenburg, der von einem Polizisten erschossen wurde, oder die politische Situation in den Vereinigten Staaten. Trotz der zahlreichen versexten Sprche von Moderatorin Lola Weippert und den Gute-Laune-Songs der DJs Marek Fritz und Cenkgo wurde es im Saal deshalb immer wieder still.
Teils langatmige Show findet trotzdem groen Anklang
Obwohl man zwischendurch den Eindruck hatte, dass das Publikum von den vielen Awards etwas gelangweilt war und nur auf die Aftershow-Party wartete, zeigten sich die geladenen Gste im Gesprch mit queer.de sichtlich begeistert. Der ehemalige GNTM-Kandidat Felix Flad, der in der aktuellen Staffel vor allem durch seine pinken Haare und seine schrille Lache auffiel, sagte beispielsweise: «Ich fand es sehr unterhaltsam! Die Awards haben sich zwar etwas gezogen, aber ich glaube, das haben Awards so an sich.»
Sein schwuler GNTM-Kollege Eliob «Nten» Demofike kann sich dem nur anschlieen. Fr ihn war es das erste Event dieser Art, und er hatte einen groen Plan im Gepck: Die queere Community zu reprsentieren. Doch obwohl bereits viel queere Sichtbarkeit erreicht wurde, ist sich die Content Creatorin Saskia Michalski sicher, dass es noch viel, viel mehr davon geben knnte.
Twenty4Tim: Die 9:16 Awards werden von Jahr zu Jahr besser
Die 9:16 Awards befinden sich aber eben auch noch am Anfang, und Twenty4Tim konnte im Vergleich zum vergangenen Jahr bereits erste Verbesserungen feststellen. Deshalb ist er berzeugt davon: «Nach und nach wird es immer besser.» Besonders beeindruckt haben ihn die Dance-Acts, die immer wieder zu aktuellen Songs performten wie etwa «Garden of Eden» von Lady Gaga oder «Guess» von Billie Eilish und Charli XCX.
Und auch wenn die Award-Show teilweise an eine Abiturverleihung erinnerte und die Moderation von Steven Gtjen und Lola Weippert, die sie selbst als «Fiebertraum» bezeichnete, einige Fragen aufwarf, war es am Ende doch ein gelungener Abend mit viel Inspiration, vielen spannenden Gesprchen und viel queerer Sichtbarkeit. Bleibt nur zu hoffen, dass diese queere Sichtbarkeit noch lange erhalten bleibt und die nachdenklichen Worte ber trans Rechte & Co. noch nachwirken.
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