Storch-Portal: Satanismus und queere Community verschmelzen
Das Propaganda-Portal «Die freie Welt»hat am Mittwoch der queeren Community pauschal vorgeworfen, eine «aggressive, anti-christliche Haltung» an den Tag zu legen und mit dem Satanismus zu «verschmelzen». Das Portal wird aus dem Haus der AfD-Vizefraktionschefin Beatrix von Storch und ihres Ehemanns Sven betrieben. Der betreffende Artikel wurde als «Gastbeitrag» der «Initiative Christenschutz» markiert. Dabei handelt es nicht um eine unabhngige Organisation, sondern um eine der vielen Kampagnen der rechten Eheleute.
«Anhnger der woken Strmung sehen in Satan nicht den Verfhrer zum Bsen», heit es in dem Text, «sondern einen Beschtzer, der jedes Pronomen respektiert und seine Jnger bedingungslos liebt im Kontrast zu traditionellen christlichen Werten, die mit zunehmender Aggression als unterdrckend und einengend gesehen werden». Der Satanismus und queere Menschen gingen eine «symbiotische Verbindung» ein; es handle sich um eine «unheilige Allianz zweier Sekten». Der LGBTI-Community wird weiter «eine bewusste Provokation gegen christliche Werte wie Ehe und Familie» vorgeworfen.
Hintergrund ist dabei die Teilnahme des «Satanic Temple» am CSD im amerikanischen Pittsburgh vor zwei Jahren. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine Gruppe von Teufelsanbeter*innen, sondern die Organisation versteht sich als ein skularer und religionskritischer Verein. Ziele sind die Trennung von Kirche und Staat und Religionsfreiheit fr alle, nicht nur fr die christliche Mehrheit. Auerdem wirbt der «Satanic Temple» fr soziale Gerechtigkeit, Rationalitt und kritisches Denken.
The Satanic Temple marched in the Pittsburgh Pride Parade 2023
Satan is a man & a women pic.twitter.com/g3BjGi8QDw
«Aggressive Opfermentalitt»
Queere Menschen werden in dem Storch-Artikel pauschal als Gefahr fr die Bevlkerung dargestellt. Sie zeigten eine «zunehmende Militanz, zerstren durch aggressive Opfermentalitt den freien Diskurs und den inneren Frieden unserer Gesellschaft».
«Die freie Welt» warnt in dem Artikel sogar vor Gewalt durch queere Menschen («Besorgniserregender wird diese Entwicklung, wenn sie in Gewalt mndet»). So heit es: «In den USA mehren sich Flle, in denen transgeschlechtliche Personen eine christenfeindliche Haltung als Handlungsauftrag interpretieren.» Dabei wird ein Amoklauf auf eine katholische Schule mit zwei Toten als Beispiel genommen, der letzten Monat im US-Bundesstaat Minnesota von einer 23-jhrigen trans Frau verbt worden sein soll (queer.de berichtete).
Allerdings: Laut The Violence Project sind nur 0,11 Prozent der Tatverdchtigen in den 4.400 amerikanischen «Mass Shootings» seit 2013 trans. Geschlechtliche Minderheiten sind damit bei diesen extremen Gewalttaten unterreprsentiert, da ihr Anteil an der US-Bevlkerung laut einer aktuellen Gallup-Umfrage 1,3 Prozent betrgt (queer.de berichtete).
AfD will Selbstbestimmung fr trans Menschen abschaffen
Offenbar ist der Artikel eine Vorlage fr eine von der AfD beantragten Bundestagsdebatte am Donnerstag, in der ber die Abschaffung des Selbstbestimmungsgesetzes gesprochen werden soll (queer.de berichtete). Parallel ist vor dem Reichstagsgebude eine Gegendemonstration von queeren Aktivist*innen geplant (queer.de berichtete).
Der Vorwurf an queere Menschen, teuflisch zu sein, hat in der AfD bereits Tradition: Erst im April wurde eine AfD-Politikerin in Magdeburg zu einer Geldstrafe wegen Volksverhetzung verurteilt, weil sie auf dem Parteitag der rechtsextremen Parteiqueere Menschen unter anderem als «Satansbrut» verunglimpft hatte (queer.de berichtete). (dk)
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