Tatort Fuball: Die ewige Angst vorm Coming-out und ihre Folgen
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Tatort Fuball: Die ewige Angst vorm Coming-out und ihre Folgen

Eigentlich sollte fr Profifuballer Lszl Varga (Christoph Moreno) die glcklichste Zeit seines Lebens anbrechen, denn er hat den Sprung in die ungarische Nationalmannschaft geschafft und vor zwei Monaten seine groe Liebe gefunden: Kiyan Schultz (Lszl Branko Breiding). Doch die Beziehung, die ihm eigentlich Halt geben sollte, wird zum Verhngnis. Der schwule Lszl ist ungeoutet und wird mit heimlich aufgenommenen Fotos des jungen Paares erpresst. Die Angst, dass die Bilder ffentlich werden, zwingt ihn zu drastischen Manahmen: einer Scheinehe und der Untersttzung einer Reputationsmanagerin, die mit Lszl die nchsten Schritte fr ein mgliches Coming-out plant.

Als diese Managerin pltzlich tdlich verunglckt, stellt sich die Frage: Unfall oder Mord? Fr die Kommissar*innen Robert Heffler (Jrgen Vogel) und Mavi Neumann (Aybi Era) beginnt eine Spurensuche, die immer neue Verdchtige ins Spiel bringt vom erpressenden Physiotherapeuten ber die Scheinehe-Partnerin bis hin zum queerfeindlichen Vater. Kaum glaubt man als Zuschauer*in, den Tter oder die Tterin erkannt zu haben, rckt schon die nchste Person ins Zentrum des Verdachts.

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Teilweise vorhersehbar und dennoch treffend platziert

Der neue ZDF-Krimi «Abseits» aus der Reihe «Jenseits der Spree», der seit der vergangenen Woche in der ZDF-Mediathek gestreamt werden kann, versteht es, die Spannung durchgehend hochzuhalten auch wenn manche Themenstrnge erwartbar sind. Dazu zhlen die Scheinehe als klassisches Versteckspiel, stereotype Bemerkungen wie die des Physiotherapeuten, Lszl sei «zu soft fr eine krperbetonte Mnnersportart» wie Fuball, sowie die verbreitete Annahme, ein Coming-out bedeute zwangslufig das Ende einer Profikarriere. Solche Erzhlmuster gehren seit Jahren zum festen Repertoire, wenn Homosexualitt im Fuball thematisiert wird. Sie wirken vorhersehbar, weil sie bekannte Konfliktlinien aufgreifen, die auch auerhalb der Leinwand immer wieder diskutiert werden.

Gerade deshalb bleibt ihre Darstellung aber relevant. Sie verdeutlicht, wie tief Vorurteile und Klischees im Fuball verankert sind und wie stark sie die Realitt von Spielern prgen. Der Film nutzt diese bekannten Strnge nicht blo als dramaturgische Routine, sondern verwebt sie geschickt mit der Krimihandlung. Dadurch wird klar: Fragen nach Sichtbarkeit, Karrierengsten und gesellschaftlicher Akzeptanz sind weiterhin ungelst was auch die gescheiterten Versuche eines kollektiven Coming-outs in der Bundesliga eindrcklich zeigen (queer.de berichtete).

Mangel an neuen Perspektiven und Hoffnung auf Vernderung

Dennoch wrden dem Krimi an der ein oder anderen Stelle neue Perspektiven guttun. Statt Homosexualitt ausschlielich als Brde darzustellen, htte es spannend sein knnen, positive Gegenbilder zu zeigen: Wie knnten Vereine aktiv gegen Queerfeindlichkeit vorgehen, ihre Spieler ermutigen und sichtbar untersttzen? Lszls Geschichte reiht sich in eine lange Tradition filmischer Erzhlungen ein, in denen Homosexualitt vor allem als Last erscheint als etwas, das man geheim halten muss, vor dem man flieht und das zu Scheinehen oder gar zum Rckzug aus der Karriere zwingt. Ein strkerer Fokus auf Zuversicht und positive Reprsentation htte dem Film zustzliche Kraft verliehen und neue Identifikationsmglichkeiten erffnet.

Und auch die Allies fehlen jene Figuren, die Lszl Rckhalt geben oder ihm zur Seite stehen. Sein Vater wird vielmehr als jemand gezeigt, der starke Sympathien fr Ungarn und dessen konservatives Umfeld hegt und damit die ablehnende Haltung gegenber Homosexualitt verstrkt. Die Scheinehe-Partnerin erscheint nicht als Verbndete, sondern als Opportunistin, die sogar eine Affre mit dem Erpresser eingeht. Einzig Kiyan bleibt verlsslich an Lszls Seite weshalb dieser ihn als «einzigen Lichtblick in diesem abgefuckten Albtraum» bezeichnet.

Offene Fragen klare Antworten

Auch wenn der Krimi in einigen Punkten noch Luft nach oben hat, berzeugt er insgesamt zu einem Groteil. Der heimliche Star ist Kommissar Robert Heffler. Mit klaren Aussagen wie «Meine Tochter liebt Frauen, davon geht die Welt nicht unter» zeigt er eine wohltuend entspannte Haltung gegenber queerer Identitt. Damit setzt er einen wichtigen Kontrapunkt zu den Vorurteilen, die Lszl im Umfeld erlebt. Heffler ist es auch, der Lszls Vater mehrfach konfrontiert und ihn sichtbar zum Nachdenken bringt. Diese Szenen verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass Figuren im Krimi nicht nur ermitteln, sondern auch gesellschaftliche Haltungen spiegeln und hinterfragen.

Zwar bleiben am Ende viele Fragen offen, etwa nach dem genauen Tter oder der Tterin, doch der Film liefert zugleich wichtige Antworten. Er zeigt, warum Fuballer nach wie vor Angst vor einem Coming-out haben, welche Strukturen im System falsch laufen und wie tief Vorurteile im Profisport verankert sind. Diese Antworten sind nicht immer angenehm, aber sie geben dem Publikum Denkanste und machen deutlich, dass es nicht nur um einen Kriminalfall geht, sondern um gesellschaftliche Realitten.

Wenig Sex aber starke queere Reprsentation

Abschlieend bemerkenswert ist, dass das Thema Sex im Krimi kaum eine Rolle spielt. Nur wenige Sekunden lang sieht man das schwule Paar vertraut in der Sauna sitzen und das war’s. Damit unterscheidet sich der Film deutlich von vielen anderen Krimis, die fr einen hohen Anteil an Sexszenen bekannt sind. Vielleicht ist aber gerade dieser Verzicht wohltuend, wird die queere Community sonst allzu oft auf Sexualitt reduziert.

Darber hinaus setzt der Film mit queerer Reprsentation etwa durch die trans Schauspielerin Philippa Jarke und die Musik von Lil Nas X deutliche Zeichen fr Vielfalt. Auch wenn es an einigen Stellen noch Verbesserungsbedarf gibt, etwa bei der Darstellung von Allies oder neuen Perspektiven, bleibt der Krimi sehenswert. Er setzt die richtigen Impulse und ffnet den Weg fr weitere, mutigere Erzhlungen, die Spannung mit gesellschaftlicher Vielfalt verbinden.