Traditionsreiche Berliner Cruising-Area in Gefahr
Die Website «Gay-Hotels.net» rhmt ihn noch als «idealen Ort fr spontane Begegnungen», da man hier ein «buntes und gemischtes Publikum» finde und abends immer viel los sei. Doch der beliebte Treffpunkt fr Sex zwischen Mnnern im Berliner Volkspark Friedrichshain hinter dem Denkmal fr die Gefallenen des spanischen Brgerkriegs hat sich nach Manahmen des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg drastisch verndert. Emprte Cruiser wandten sich auch an queer.de.
Nachzuverfolgen ist dies vor allem durch die Kommentare auf der Website gay-szene.net. Whrend im September 2024 ein User noch schreibt, dass er dort einen schnen, aber turbulenten Nachmittag hatte, wurde wohl ab sptestens Dezember 2024 das untere Buschwerk komplett gerodet, womit der Ort sehr einsichtig wurde.
Nicht nur auf Social Media, sondern auch auf einschlgigen Websites wie «Gays-Crusing», finden sich hmische Kommentare. Ein User brstet sich sogar, dass seine Beschwerden wohl endlich Frchte zeigen. Auch der «Tagesspiegel» (Bezahlartikel) schreibt von Beschwerden durch andere Nutzer*innen des Parks. In Onlineforen ist zu lesen, dass die Wege durch den Bunkerberg mit Taschentchern und Kondomen gepflastert seien. Dies nennt die Bezirksverwaltung aber nicht explizit als Grnde fr ihr Vorgehen auf dem Gelnde.
Bezirksamt will Erneuerung der Natur ermglichen
Naturschutz sei der Hauptgrund. Die Grnanlagen seien teils erheblich beschdigt. Aufgrund einer hohen Nutzungsfrequenz htte man sich dazu entschieden, die Flche zu beschneiden, um eine Erneuerung der Natur zu ermglichen. «Die Intensitt dieser Pflegearbeiten variiert dabei mit der Schadensintensitt auf den Flchen: Die Gehlze auf den Bunkerbergen stagnierten bereits seit Jahren», sagte ein Sprecher der Bezirksverwaltung dem «Tagesspiegel». Tatschliche fhren unzhlige Trampelpfade durch das kleine Gelnde.
Ziel des Bezirks ist es, eine natrliche Umgebung wieder herzustellen. Das Gebiet um den Bunkerberg soll wieder mehr Wald hneln, um natrliche Lebensrume zu stiften. Diese seien notwendig fr die hiesigen wilden Tiere und Insekten.
Mutmalich will das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg damit auch das schwule Cruising am Bunkerberg beenden. Denn ein Zaun steht hier schon seit ber einem Jahr. Dieser hat aber eine Tr, die sich ffnen lsst, wodurch das Cruising an sich nicht unterbunden werden konnte. Nun ist das Gelnde sehr einsichtig. Ein User schreibt, dass man nun sehr mutig sein msse, wenn man dort Sexpartner suche.
Cruising hat eine lange Tradition
In den oft abschtzigen Kommentaren von Feinden dieser Orte auf Social Media wird hufig vergessen, dass es Grnde fr diese Orte gibt. Als Homosexualitt noch weitgehend gesellschaftlich tabuisiert wurde, war das Cruising an Orten, die in der Community bekannt waren, die einzige Mglichkeit berhaupt solche Bedrfnisse auszuleben. Sie waren Schutzrume fr Menschen, die sich sonst nicht trauten, diese Schritte zu gehen.
Oberflchlich herrscht natrlich eine gewisse Freiheit in der brgerlichen Gesellschaft. Aber bis jetzt gibt es Menschen, die dieser Orte bedrfen, um ihre Neigungen zu leben oder sich schlicht ausprobieren zu knnen, ohne Angst vor gesellschaftlicher Rge oder ihrem nahen Umfeld zu haben. So schreiben Nutzer hinsichtlich der Bedeutung des Ortes auf Facebook: «Es ist schade, dass die Menschen den historischen Kontext vergessen, warum solche Pltze einst entstanden sind. Der Mrchenbrunnen ist seit ber 60 Jahren dafr bekannt und kommt sogar in einigen Filmen vor.»
«Ein Groteil der Mnner dort sind Heteros in einer Beziehung oder Verheiratete, die ihre Fantasien ausleben. Hrt man nicht gern, ist aber so. Vor allem Muslime lieben solche Orte», heit es in einem weiteren Kommentar. Aber auch Widerstand gegen das Vorgehen der Verwaltung wird ausgedrckt: «Wo ein Wille, ist auch ein Busch.»
Zur Sprache kommt zustzlich, dass ber heterosexuelle Orte dieser Art selten diskutiert werde. Und auch genereller Unmut kommt zur Sprache: «Deutschland kennt nur noch Verbote!» Darauf, dass bei Grillverboten nicht auf diese Art durchgegriffen wird, weist ein anderer Nutzer hin.

