Trans Frau erhlt wegen Sex mit transfeindlichem Mann Haftstrafe
Ein Gericht im nordenglischen Durham hat am Freitag eine trans Frau wegen sexuellen Missbrauchs zu 21 Monaten Haft verurteilt. Ihr Vergehen: Die 21-Jhrige hatte sexuelle Kontakte mit einem Mann gehabt, ihm zuvor aber nichts von ihrer Transidentitt erzhlt. Queere Aktivist*innen verurteilten die Verurteilung.
Ciara W. hatte den gleichaltrigen Mann im Alter von 18 Jahren via Snapchat kennengelernt. Sie soll ihm laut BBC vor sexuellen Kontakten erzhlt haben, dass sie ihre Tage habe, damit er sie nicht unter der Grtellinie berhrt. Sie hatte bislang keine operative Geschlechtsanpassung durchfhren lassen. Spter habe sie dem Mann von ihrer Trans-Identitt erzhlt. Dieser habe sie dann bei der Polizei angezeigt.
«Opfer» fhlte sich «krperlich krank»
Laut der Staatsanwaltschaft benutzte die trans Frau «Lgen und Tuschung», um ihren Freund zum Sex zu verfhren. Dieser erklrte in einer Stellungnahme vor Gericht, er sei ein «heterosexueller Mann» und habe sich nach ihrem Coming-out «krperlich krank» gefhlt. Er habe sich so gefhlt, als ob die Angeklagte wegen ihrer Geschlechtsidentitt einen Teil seiner Maskulinitt weggenommen habe. In sozialen Netzwerken htten sich Menschen zudem ber ihn lustig gemacht.
Victoria Lamballe, die Anwltin der Angeklagten, erklrte hingegen, das Verhalten ihrer Mandantin sei nicht «rcksichtlos oder sadistisch» gewesen, vielmehr habe sie sich selbst fr ihren Krper geschmt. W. habe sich seit ihrer Grundschulzeit als Mdchen identifiziert und sei deshalb «tglich gemobbt» worden. Daher habe sie «eine Fassade aufgebaut» und sich ffentlich «fast wie eine Karikatur ihrer selbst» prsentiert. «Sie wollte geliebt werden als diejenige Person, als die sie sich selbst ansieht». Zudem sei sie in schwierigen Verhltnissen aufgewachsen. Beide Elternteile seien etwa drogenabhngig gewesen.
Richter warf Angeklagter vor, zu «berzeugend» als Frau zu sein
Der Richter schloss sich der Staatsanwaltschaft an. Die Angeklagte sei eine Gefahr fr die ffentlichkeit. Sie sei zudem «frustriert», weil sie «Sex mit heterosexuellen Mnnern» wolle und diesen «per Definition» nur durch «Tuschung» erhalten knne. Zudem bedauerte er das «Opfer», weil es zustzlich gelitten habe, nachdem Zeitungen ber den Fall berichtet htten und dabei auch «unvorteilhafte» Fotos der Angeklagten verffentlicht htten. Er warf der Angeklagten auerdem vor, ihre Transgeschlechtlichkeit «berzeugend» verstecken zu knnen. Die Angeklagte wurde auch verurteilt, zehn Jahre lang in einem Sexualstraftter-Register eingetragen zu werden.
Ciara W. muss auerdem ihre Strafe in einem Mnnergefngnis absitzen, obwohl sie vor Gericht mit weiblichen Personalpronomen angesprochen wurde. Es wrden Manahmen ergriffen, um die Gefahr von bergriffen auf die trans Frau «zu minimieren», teilte das Gericht mit.
Aktivistin: Trans Frauen in «unmglicher Situation»
Mehrere queere Aktivist*innen kritisierten das Vorgehen gegen die Angeklagte. Jane Fae von TransActual erklrte etwa, dass trans Frauen, die eine Beziehung wollten, in einer «unmglichen Situation» seien. «Entweder muss man sich ganz frh outen und Gefahr laufen, zurckgewiesen oder gar verprgelt zu werden, oder man wartet». Dann knnte aber Strafverfolgung drohen. «Bisexuelle, cisgeschlechtliche Menschen, Konservative oder evangelikale Christen mssen ihren Status vor dem Sex ja auch nicht offenlegen. Warum wird das nur bei trans Menschen verlangt?» Trans Aktivistin India Willoughbybeschrieb die Verurteilung als «barbarisch und inhuman».
In Grobritannien hat sich die Situation von trans Menschen seit einem Urteil des Hchstgerichts im April dramatisch verschlechtert. Der Supreme Court urteilte damals, dass sich trans Frauen nicht auf das Gleichbehandlungsgesetz berufen knnen und als Mnner angesehen werden mssten (queer.de berichtete). Daraufhin erklrte Premierminister Keir Starmer, dass fr ihn trans Frauen nicht mehr Frauen seien (queer.de berichtete).
Das Urteil hatte auch konkrete Verbote zur Folge: So drfen trans Frauen nicht mehr in Frauenfuballteams mitwirken (queer.de berichtete). (cw)
