Travel Well: Mexiko-Stadt zwischen Feiern und Politik
Wenn wir bewusst reisen, bringt uns ein Ticket weiter als nur ans Ziel. Es schenkt uns neue gemeinsame Erinnerungen. Es gibt uns das Gefhl, einen Ort wirklich kennenzulernen. Es ist eine Einladung, persnliche Beziehungen aufzubauen. Mit dieser Serie, entstanden in Zusammenarbeit mit KLM Royal Dutch Airlines, laden wir dazu ein, jede Reise zu etwas Besonderem zu machen. Nach Bangkok und Kapstadt geht es in unserem dritten Teil heute nach Mexiko-Stadt.
Die Hauptstadt von Mexiko steckt voller Geschichte, Farben und lebendiger Kultur und bietet einige Highlights, die man unbedingt gesehen haben sollte. Ganz oben steht das historische Zentrum mit dem Zcalo, der majesttischen Kathedrale Metropolitana und dem Templo Mayor, wo die Spuren der Azteken sichtbar bleiben. Kunstliebhaber*innen sollten das Museo Frida Kahlo in Coyoacn besuchen, das sogenannte Blaue Haus, in dem die berhmte queere Knstlerin lebte und arbeitete.
Ebenso beeindruckend ist das Nationalmuseum fr Anthropologie, in dem die prkolumbische Vergangenheit und die lebende indigene Kultur Mexikos ausgestellt werden. Fr moderne Architektur und urbanes Flair lohnt sich ein Spaziergang durch Paseo de la Reforma bis hin zum ngel de la Independencia. Wer dem Grostadttrubel kurz entfliehen mchte, findet im Stadtteil Xochimilco bunte Trajinera-Boote und Kanle ein einzigartiges Erlebnis, das an die alten Wasserwege der Region erinnert.
Doch im Folgenden soll es vor allem um die queeren Seiten der faszinierenden Metropole gehen.
Zona Rosa: Von der schwulen Lederbar zum Queer House
Am frhen Abend in der Zona Rosa: Auf der Calle Gnova drhnen schon die ersten Pop-Remixe aus offenen Tren, whrend sich eine Gruppe junger Leute vor der Kinky Bar sammelt. Zwei Teenager in Schuluniform kssen sich unbeirrt unter einem Straenbaum, daneben verkauft eine ltere trans Frau selbstgebastelte Armbnder sie kennt die Strae noch aus Zeiten, in denen Polizeiaktionen hufiger waren als Partynchte. Heute nickt sie Besucher*innen zu, die zum Vortrinken Plastikbecher mit Michelada schwenken. Die Szene wirkt entspannt, fast beilufig. Doch wer hier steht, steht auf historischem Boden: In keinem anderen Viertel der Stadt wurde so hart darum gerungen, dass queere Menschen einfach da sein drfen.
Dass das heute mglich ist, merkt man schon nach ein paar Minuten. Ein schwules Paar aus Puebla zeigt einem Touristen aus Berlin, wie man am besten zum Tom’s Leather luft «nicht den Umweg ber die dunkle Seitenstrae nehmen». Drinnen in der Bar riecht es nach Reinigungsmittel und kaltem Rauch, ein DJ baut sein Equipment auf. Die Barkeeper scherzen, Touristen fotografieren kurz die Ausstattung, stecken dann ihre Handys weg, weil Fotografieren unerwnscht ist. Trotz der klaren Codes wirkt der Laden weniger abgeschottet, als man vermuten wrde.
Ganz anders das Bild ein paar Metrostationen weiter im Revuelta Queer House in Roma Norte. Am Nachmittag sitzen hier Studierende an groen Holztischen, tippen an Texten, trinken kalten Kaffee. Auf einer Treppe bt ein Drag-Kollektiv eine Choreo, die spter am Abend aufgefhrt wird zwischen Electro-Set und Poetry-Lesung. Ein junger nichtbinrer Mensch mit lila gefrbten Locken erklrt einem Reisenden aus Spanien, wie Workshops organisiert werden: «Wir machen viel ber Telegram-Gruppen; die Stadt frdert wenig, wir bauen selbst Strukturen.»
Die Stimmung in der Community ist roh, solidarisch, direkt
Die Energie in Roma ist anders: weniger touristisch, dafr politischer. Man sprt, wie hier queere Identitt verhandelt wird nicht als Lifestyle, sondern als soziale Realitt. Auf der Strae verkauft eine Gruppe lesbischer Aktivistinnen Sticker mit der Aufschrift «No somos moda» «Wir sind kein Trend». Gegenber verteilt ein Kollektiv Flyer zur Situation von trans Sexarbeiter*innen in Mexiko, die nach wie vor berdurchschnittlich hufig Opfer von Gewalt werden. Und doch herrscht eine Wrme, die viele Reisende berrascht: Eine Buchhndlerin, selbst queer, gibt Empfehlungen zu mexikanischen Autorinnen, die in Europa kaum gelesen werden. Ein Straenmusiker bedankt sich, als ihm jemand etwas Kleingeld in die Gitarrenbox wirft, und erzhlt, wie die Community ihm in den Lockdown-Monaten Essen vorbei brachte.
Nachts, ein paar Blocks entfernt, heizt sich ein Hinterhof in Colonia Doctores auf. Ein anonym angekndigtes Gig eines DJ-Kollektivs lockt ein diverses Publikum an. Techno mischt sich mit Cumbia-Rhythmen, der Boden staubt. Die Bars sind improvisiert: Khlboxen, Plastikbecher, ein paar Lichterketten. Neben der Tanzflche erzhlt eine Aktivistin dem deutschen Besucher von einem bergriff, der erst durch Social Media ffentlich wurde. Gleichzeitig wird getanzt, gelacht, geraucht ohne Pathos, dafr mit Haltung. Die Stimmung ist roh, solidarisch, direkt. Viele sagen, dass genau hier, in diesen Off-Spaces, die eigentliche queere Kultur der Stadt entsteht.
Die Pride-Parade lockt eine Million Menschen an
Das queere Highlight ist natrlich die Marcha del Orgullo die jhrliche Pride-Parade, die mit einer Million Teilnehmer*innen zu den grten der Welt zhlt (2026 findet sie am 27. Juni statt). Schon am Vormittag fllt sich der ngel de la Independencia. Sobald sich der Zug in Richtung Zcalo bewegt, kippt die Stimmung ins Festivalhafte. Trucks wummern, berall tanzen Menschen, verkauft werden Getrnke, Chips und Glitter. Tourist*innen werden ohne Zgern mitgezogen. Demo-Teilnehmer*innen teilen Sonnencreme und Wasser, posieren fr Fotos, bersetzen Transparente.
Auf dem Zcalo, dem riesigen Platz vor der Kathedrale, mischen sich Euphorie, Wut und Hitze. Reden wechseln sich mit spontanen Mini-Partys ab. Und trotz einer Million Menschen wirkt die Atmosphre berraschend solidarisch.
Queere Urlauber*innen verlassen Mexiko-Stadt oft anders , als sie gekommen sind. Nicht mit dem Gefhl, eine bunte Kulisse gesehen zu haben, sondern eine Community, die bei aller Hrte des Alltags ein Netzwerk geschaffen hat, in dem man sich als Fremder nicht fremd fhlt. Eine Stadt, die dich nicht nur feiern lsst sondern einldt, zu verstehen, warum Feiern hier politischer ist als an vielen anderen Orten der Welt.
Links zum Thema:
Deutsche Homepage von KLM Royal Dutch Airlines
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