US-Gericht: World Vision darf Homosexuelle diskriminieren
Wer bei der evangelikalen Wohlttigkeitsorganisation World Vision in den Vereinigten Staaten arbeitet, kann wegen seiner sexuellen Orientierung gefeuert werden. Das hat letzte Woche ein Bundesberufungsgericht im kalifornischen San Francisco einstimmig entschieden (PDF).
Geklagt hatte eine Kundendienstmitarbeiterin, die sich 2020 im Bundesstaat Washington fr eine Position beworben hatte und zunchst angestellt werden sollte. Als die Organisation dann erfuhr, dass die Frau mit einer anderen Frau verheiratet ist, zog sie die Zusage zurck. Dabei berief sie sich auf den eigenen Verhaltenskodex, wonach Mitarbeitende auch privat keinen Sex haben drfen, sollten sie nicht verschiedengeschlechtlich verheiratet sein.
Die abgelehnte Frau verklagte daraufhin World Vision auf Diskriminierung sowohl nach einem Bundesgesetz als auch nach dem Antidiskriminierungsgesetz des Staates Washington, das Ungleichbehandlung aufgrund der sexuellen Orientierung untersagt. Ein Bundesgericht hatte 2021 zunchst fr World Vision entschieden, 2023 gab es jedoch zwei weitere Entscheidungen fr die Frau.
Gericht: Antidiskriminierungsrichtlinien gelten nicht fr religise Betriebe
Das Berufungsgericht begrndete seine Entscheidung damit, dass World Vision eine religise Organisation sei und Antidiskriminierungsregeln, die dem Glauben widersprechen, nicht einhalten muss. Als Kundendienstmitarbeiterin vertrete sie schlielich die Organisation nach auen. Daher knne World Vision einen eigenen Standard setzen.
Eigentlich hatte World Vision bereits 2014 angekndigt, homosexuelle Mitarbeitende nicht mehr lnger diskriminieren zu wollen. Nach einem Aufschrei von Konservativen zog die Organisation diese Zusage jedoch wieder zurck (queer.de berichtete). Die unabhngig agierende deutsche Sektion der Organisation beteuerte aber bereits damals, niemanden wegen der sexuellen Orientierung diskriminieren zu wollen.
World Vision arbeitet weltweit nach «christlichem Selbstverstndnis». Die Organisation weltweit in ber 100 Lndern ttig ist und sich fr die Untersttzung von Kindern und Familien in Not ein. 2022 hatte die Organisation allein in DeutschlandGesamteinnahmen von158,8 Millionen Euroerzielt, wobei ein Groteil davon aus Spenden und Patenschaften stammt. (cw)
