USA: Queerfeindlicher Aktivist Charlie Kirk erschossen
In den USA ist der einflussreiche rechte Aktivist und Podcaster Charlie Kirk durch Schsse gettet worden. Der 31-Jhrige wurde getroffen, als er am Mittwoch eine Rede an der Utah-Valley-Universitt in der Stadt Provo hielt. Der oder die Tter*innen sind noch flchtig. Im Internet geteilte Videoaufnahmen zeigen, wie Kirk getroffen wird und stark am Hals blutend von einem Stuhl strzt. Die Hochschule erklrte gleich nach dem Vorfall, die Schsse seien gegen Mittag aus einem Gebude etwa 180 Meter von Kirk entfernt abgefeuert worden.
Der 31-Jhrige galt als einer der bekanntesten rechtsgerichteten Aktivisten in den USA und steht Trump nahe. Mit der «Charlie Kirk Show» hatte er einen eigenen Podcast. Er war Grnder der Organisation Turning Point USA (etwa: Wendepunkt USA), die in Schulen und Hochschulen aktiv ist. Im Prsidentschaftswahlkampf war Kirk im vergangenen Jahr fr Trump bei einer Veranstaltung der Republikaner aufgetreten. Immer wieder machte er mit queerfeindlicher Rhetorik von sich reden.
Kirk sprach gerade ber trans Attentter*innen
Die Schsse sind laut Augenzeug*innen gefallen, als Kirk gerade ber trans Attentter*innen gesprochen hatte. Der frhere US-Abgeordnete Jason Chaffetz von den Republikanern, der bei der Veranstaltung in Provo dabei dabei war, besttigte dies dem Sender Fox News. Reporterinnen von «Deseret News» erklrten, dass die Frage gestellt worden sei, «wie viele trans Schtzen es gibt». Kirk habe als Antwort «zu viele» gegeben, dann sei bei der nchsten Frage der Schuss gefallen. Hintergrund dieser Fragestellung ist, dass im August mutmalich eine trans Frau in eine Kirche nahe einer Schule in Minneapolis gefeuert und zwei Kinder gettet hatte (queer.de berichtete).
Allerdings geben die Fakten keine besondere Gefahr durch trans Attentter*innen her ganz im Gegenteil: Laut The Violence Project sind nur 0,11 Prozent der Tatverdchtigen in den 4.400 amerikanischen «Mass Shootings» seit 2013 trans. Geschlechtliche Minderheiten sind damit bei diesen extremen Gewalttaten unterreprsentiert, da ihr Anteil an der US-Bevlkerung laut einer aktuellen Gallup-Umfrage 1,3 Prozent betrgt (queer.de berichtete).
Auf Onlineplattformen teilten Nutzer*innen ein Video, das angeblich den Vorfall zeigt. Darauf ist zu sehen, wie Kirk vor hunderten Menschen spricht. Er sitzt auf einem Stuhl unter einer Zeltberdachung mit der Aufschrift «American Comeback» das Motto von Kirks Tour. Pltzlich ist ein Schuss zu hren, und Kirk strzt offenbar getroffen von seinem Sitz. Aus der Menge sind Panikschreie zu hren. Die Freiluft-Veranstaltung sollte der Auftakt sein fr eine Hochschul-Tour mit dem Titel «American Comeback», in deren Rahmen Kirk bis Ende Oktober etwa 15 Auftritte absolvieren wollte.
Trump beschuldigt «radikale Linke»
FBI-Chef Kash Patel kndigte umfassende Ermittlungen an, um den oder die Tter*innen zu finden. Prsident Donald Trump rief alle Brger*innen auf, fr Kirk zu beten. Kirk sei «ein groartiger Kerl von Kopf bis Fu», schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. Er ordnete auch an, US-Flaggen bis Sonntag auf Halbmast zu setzen. In einer Ansprache machte der 79-Jhrige die «radikale Linke» fr das Attentat verantwortlich. Diese vergleiche seit Jahren «wunderbare Amerikaner wie Charlie mit Nazis und den weltweit grten Massenmrdern und Kriminellen».
Die Reaktion Trumps fhrte auch zu Kritik, da erst im Juni die demokratische Abgeordnete Melissa Hortmanin ihrem Haus in Minnesota in einer offenbar politisch motivierten Attacke zusammen mit ihrem Ehemann erschossen worden war. Als mutmalicher Tter wurde ein evangelikaler Prediger gefasst, der immer wieder gegen LGBTI-Rechte zu Felde gezogen war. Damals ignorierte Trump jedoch die Tat gegen die queerfreundliche Politikerin vollstndig mutmalich wegen deren Parteibuch. Auch in der Ansprache erwhnte er diese Tat anders als gegen Republikaner*innen gerichtete Attentate nicht.
Politiker*innen der oppositionellen Demokraten verurteilten das Attentat auf Kirk auf das Schrfste: Die frhere Vizeprsidentin und Prsidentschaftskandidatin Kamala Harris erklrte, politische Gewalt habe «keinen Platz» in den USA. hnlich uerte sich der Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien, Gavin Newsom. Er nannte den Angriff auf Kirk im Onlinedienst X «widerlich, abscheulich und verwerflich».
Die Human Rights Campaign, die grte LGBTI-Organisation der USA, erklrte in sozialen Medien: «Politische Gewalt ist inakzeptabel und hat keinen Platz in diesem Land. Wir drfen diese Waffengewalt-Epidemie niemals als normal akzeptieren. Wir knnen so nicht weiterleben.»
Political violence is unacceptable and has no place in this country. We cannot ever accept this epidemic of gun violence as normal. We cannot keep living like this.
Das politische Klima in den USA gilt als aufgeheizt. Vor gut einem Jahr war Trump selbst bei einem Wahlkampfauftritt in Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania am Ohr verletzt worden, der mutmaliche Schtze wurde von Sicherheitskrften gettet. Ein weiterer Mann steht derzeit in Florida vor Gericht, weil er mutmalich im September 2024 Schsse auf Trump abfeuern wollte, als dieser in West Palm Beach Golf spielte.
Trump hat die Stimmung seit seinem Amtsantritt im Januar weiter angeheizt. Er geht auf bislang beispiellose Weise gegen Einwanderer*innen, queere Menschen, politische Gegner*innen, Hochschulen und Medien vor und setzte das Militr in Demokraten-Hochburgen wie Los Angeles und Washington ein angeblich um Gewaltexzesse zu bekmpfen. Von den Demokraten regierten Stdten wie Chicago, Baltimore und New Orleans drohte er mit hnlichen Einstzen. Die Stadt Provo und der Bundesstaat Utah werden allerdings von Republikanern regiert.
Kirk galt wegen seiner charismatischen Art als groer Hoffnungstrger der Rechten und war insbesondere unter jngeren Konservativen populr. Dabei schreckte er auch vor Lgen und Fake News nicht zurck. So half er Trump, dessen Falschbehauptungen ber die angeblich «gestohlene» Prsidentschaftswahl von 2020 bei einem jungen Publikum populr zu machen und Zweifel an der Richtigkeit der Corona-Manahmen der Demokraten unter Joe Biden zu sen. Kirk verbreitete auch als einer der ersten die Falschbehauptung, Migrant*innen aus dem Karibikstaat Haiti wrden in einer Stadt im Bundesstaat Ohio die Katzen und Hunde der Einwohner stehlen und verspeisen die spter auch von Trump aufgegriffen wurde.
LGBTI-Rechte lehnte er grundstzlich ab. Er sprach sich etwa mit Verweis auf die Bibel gegen die Ehe fr alle aus. Trans Menschen bezeichnete er pauschal als psychisch krank und warf ihnen vor, Kinder zu missbrauchen. Erst vor zwei Wochen sorgte er zudem mit einer Aussage ber die Verlobung von Taylor Swift fr Aufsehen, als er die Sngerin aufforderte, nach der Hochzeit konservativ zu werden und sich ihrem Mann unterzuordnen (queer.de berichtete). (AFP/cw)
