Vier Seniorinnen, viele Panikattacken und die Freunde feiern beim Maspalomas Pride
Ein Glckchen, um Bedienstete zu rufen, gehrt zu den eher kleinen Insignien der Macht. Klein, aber wirkungsvoll. Denn wer das Glckchen klingen lsst, bestimmt ber die Zeit der anderen. Es gehrt zur Grundausstattung von Mrchen- und Kostmfilmen, ein Relikt der Vergangenheit.
Von wegen. Denn auch Alma klingelt, gerne auch mal lauter, wenn sie ungeduldig wird. Ihr Sohn Edward eilt zu ihr, so schnell es geht. Der Mittdreiiger erfllt seiner Mutter so gut wie jeden Wunsch, erlaubt sich keine Widerrede. Wie ein Bediensteter.
Kann Edward seine Mutter alleine lassen?
Seit einem Schlaganfall kann die 81-Jhrige nicht mehr sprechen. Neben der Klingel nutzt sie ein Tablet, um mit ihrem Sohn zu kommunizieren. Sie lsst die roboterhafte Stimme nicht nur Befehle und Bitten sagen, sie kann auch richtig gemein sein. Aber auch herzallerliebst.
Edward ist Schriftsteller, gerade hat er einen neuen Roman verffentlicht. Der kommt gut an, sein Verlag will ihn sogar auf Lesereise in die USA schicken. Dann msste er seine Mutter aber eine Zeitlang alleine lassen. Kann er, dieses eine Mal nur, seine eigenen Bedrfnisse ber die anderer Menschen stellen?
Panikattacke bei jedem Interview
Erstmal aber noch nutzen Edwards Freunde ihn aus. Die drei wollen mal wieder richtig ausgelassen feiern, ein Wochenende beim sagenumwobenen Maspalomas Pride auf Gran Canaria. Ihre Mtter parken sie kurzerhand bei Edward. Der wird schon nicht Nein sagen. Stattdessen verwandelt er sein Zuhause in ein improvisiertes Seniorinnenheim. Immerhin schicken sie Videogre von der wohl schwulsten aller Inseln.
Die alten Frauen haben einen eigenen Kopf, sind skeptisch, ein bisschen borniert, manchen schmeckt das Essen nicht. Sie lieben Sonderwnsche. Doch Edward macht das Beste daraus. Whrenddessen vermittelt sein Verlag ihm ein Interview nach dem anderen, der schwule Schriftsteller bekommt jedes Mal eine Panikattacke, wenn er ber die schwule Liebesgeschichte sprechen soll.
Eine schwule Hauptfigur war den Machern wichtig
Die Prmisse von «Vier Mtter fr Edward» ist einigermaen absurd, natrlich. Wer sie mitgeht, kann die Wohlfhlkomdie aber vollends genieen. Der Film ist ungemein lustig und dabei ganz warm. Er zeigt liebevoll, wie schwer es ist, zwischen eigenen Bedrfnissen und einem immensen Verantwortungsbewusstsein zu jonglieren. Und welch groe Kraft es braucht, sich abzunabeln.
Die Komdie lehnt sich an den italienischen Film «Pranzo di ferragosto» von 2008 an. Ein entscheidender Unterschied jedoch: Die Hauptfigur Edward der irischen Version ist schwul. Das war den Drehbuchautoren, den Brdern Colin und Darren Thornton, besonders wichtig, betont Darren im queer.de-Interview.
Edward kann auch ausrasten
Denn Figuren wie Edward tauchen im queeren Kino noch viel zu selten auf: Ein schwuler Single Mitte 30, der nicht genau wei, wie es fr ihn weitergeht. Der kein Problem damit hat, schwul zu sein, und dessen Mutter ihn untersttzt. Es ist eine selbstbewusst schwule Figur, die merkt, dass das Leben noch mehr zu bieten hat als bisher. Darsteller James McArdle verleiht ihm eine naive Gemtlichkeit zumindest bis er es nicht mehr aushlt und zeigt, dass sogar er ausrasten kann.
Fr ihren Film sttzten Colin und Darren Thornton sich auf eigene Erfahrungen: Ihre Mutter wurde pflegebedrftig. Colin, auch schwul, wurde bewusst, dass seine schwulen Freunde hufiger ihre Mtter pflegten als hetero Geschwister.
Mainstream, aber mit Tiefgang
Alter, Pflege, Treppenlifte: Keine leichten Themen, und die Gefahr, aus der Not heraus ins bertrieben Lcherliche zu fallen, ist gro. Doch «Vier Mtter fr Edward» gelingt die Balance, mal warmherzig-unterhaltsam zu sein und dabei ernste Akzente zu setzen.
Die Komdie ist, nicht zuletzt wegen der grandiosen Frauenfiguren, etwas erwartbare Mainstream-Unterhaltung mit Tiefgang. Ein Film, perfekt fr einen Kinoabend mit der eigenen Mutter.
Links zum Thema:
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