Warum ist Kamerun so homophob?
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Warum ist Kamerun so homophob?

Einen Strich. Mehr trgt der Gerichtsmediziner nicht ein, als er die Todesursache von Eric Lembembe ausfllt. Der queere Aktivist und Journalist aus Kamerun wurde 2013 gefoltert und zu Tode geprgelt. Weil er schwul war, schreiben manche. Nein, weil der Schlgertrupp homophob ist.

Der kamerunische Filmemacher Appolain Siewe kam Ende der 1990er Jahre zum Studieren nach Berlin. Jetzt reist er in seine Heimat, weil er sich fragt, woher der dortige Hass auf Homo­sexuelle und queeres Leben kommt. Er ist selbst nicht schwul, aber wei als Schwarzer, was Diskriminierung bedeutet.

Homosexualitt komme aus dem Westen

Seine Spurensuche fhrt ihn zu alten Freunden, seiner Familie, Aktivist*innen und Expert*innen. Sein Vater will nicht mit ihm ber dieses «westliche Thema» sprechen. Sein Onkel sagt, er msste sich von der «westlichen Denkweise» reinwaschen. Und auch seine Freunde von frher kommen ihm jetzt fremd vor. Warum «der Westen» den afrikanischen Lndern seine Lebensweise aufzwingen wolle, fragen sie.

Das ist das Narrativ, dem er am hufigsten begegnet: Homosexualitt komme aus dem Westen. Das sei falsch und sndhaft, damit wolle man hier nichts zu tun haben. Die eigene Kultur sei heterosexuell. Etwas anderes wolle man sich nicht vom Westen vorschreiben lassen.

Deutsche tteten Homosexuelle «im Namen der Zivilisation»

Dabei ist es genau andersrum: Vor der Kolonialisierung waren homosexuelle Handlungen, teilweise in Ritualen, in einigen Vlkern verbreitet. Der deutsche Ethnologe Gnther Tessmann schrieb 1921 sogar ein ganzes Buch ber «die Homosexualitt bei den N* Kameruns». Erst die Kolonialherren zunchst aus dem Deutschen Reich, dann aus Grobritannien und Frankreich fhrten homofeindliche Denkweisen ein.

Die ersten Morde an Homosexuellen in Kamerun haben Deutsche «im Namen der Zivilisation» begangen, erklrt der kamerunische Sozialanthropologe Basile Ndjio. Und heute leiden queere Menschen «im Namen der afrikanischen Kultur, erfunden von der westlichen Welt». Es werden also Werte verteidigt, die gar nicht aus dem Land stammen. Spter verstrkten die Kirchen homofeindliche Ressentiments. Ein Ausschnitt einer Predigt zeigt, wie heterosexuelle Ehen propagiert werden.

Ein Pastor sagt, die Bibel werde missbraucht

Der Dokumentarfilm «Code der Angst» lsst noch weitere Expert*innen aus Kamerun zu Wort kommen, die sich gegen die Diskriminierung queerer Menschen einsetzen. Der evangelische Pastor Jean-Blaise Kenmogne etwa, der sagt, viele Menschen missbrauchen die Bibel und den Koran, um Homosexuelle zu verfolgen. Dafr wurde er von seiner Kirche fr ein Jahr exkommuniziert. Oder der mittlerweile verstorbene Philosoph und Theologe Fabien Eboussi Boulaga, der von der «Naivitt einiger Afrikaner» spricht, die Homosexualitt ablehnen, obwohl sie frher weit verbreitet gewesen ist.

Der Mut queerer Aktivist*innen

Auch Aktivist*innen wie Lambert Marc Lamba einen Freund des ermordeten Eric Lembembe kommen in der Doku zu Wort. Ihm kommen die Trnen, als er von Eric und der alltglichen Angst vor Diskriminierung und bergriffen spricht. Die bekannte Menschenrechtsanwltin Alice Nkom, mittlerweile 80 Jahre alt, erzhlt von ihrem lebenslangen Kampf fr Menschenrechte. Deshalb ist sie Anfang des Jahres selbst ins Visier der Behrden geraten (queer.de berichtete).

«Code der Angst» ist ein vielstimmiges Dokument, das den enormen Mut kamerunischer Aktivist*innen zeigt. Der Film erklrt aber auch, wo die Wurzeln der Homophobie liegen. Vor allem macht die Doku deutlich: Es gibt in dem Land vielfltige Stimmen. Nicht das ganze Land ist queerfeindlich, sondern viele wollen Vernderung und gehen damit enorme Risiken ein.