Was macht eigentlich ein «Mister Gay Europe»?
Frisch gekrnt zum «Mister Gay Europe 2025», angehender Kinderarzt am Kinderspital Zrich und Initiator des Projekts «Safe to Grow»: Michael Pereira (31) steht fr eine neue Generation, die gesellschaftliches Engagement, medizinische Expertise und persnliche Sichtbarkeit miteinander verbindet. Mit seinem Projekt setzt er sich fr mehr Sicherheit und Anerkennung queerer Kinder und Jugendlicher im Gesundheitswesen ein und zeigt, wie man Haltung mit Herz und Reichweite vereint.
Im Gesprch spricht Michael Pereira ber die Bedeutung seines Titels, die Herausforderungen im medizinischen Alltag, seine Vision fr ein inklusiveres Gesundheitssystem und warum Freizgigkeit kein Widerspruch zur Professionalitt ist, sondern ein Statement fr Selbstakzeptanz und Vielfalt.
Zunchst einmal herzlichen Glckwunsch zum Titel «Mister Gay Europe 2025»! Was bedeutet dir diese Auszeichnung persnlich?
Vielen Dank! Fr mich bedeutet der Titel nicht einfach, eine Krone oder einen Wettbewerb zu gewinnen. Vielmehr sehe ich den Titel als ein Werkzeug, um Themen sichtbar zu machen, die mir wirklich am Herzen liegen. Ich sehe es als Chance, mit meiner Stimme und meinem Projekt «Safe to Grow» queere Kinder und Jugendliche zu strken und ihnen das Gefhl zu geben, dass sie gesehen, verstanden und akzeptiert sind.
Was glaubst du, hat letztlich den Ausschlag gegeben, dass du dich gegen die anderen Bewerbenden durchsetzen konntest worin unterscheidest du dich?
Schwierig zu sagen, da ich die Konkurrenz sehr stark fand. Ich glaube, schlussendlich war es die Kombination aus Authentizitt und starkem Willen. Ich habe nicht einfach ein Projekt aufgestellt, sondern bringe berufliche und persnliche Erfahrung und die Nhe zur Realitt junger Menschen mit. Fr mich war es wichtig, kein «Showprojekt» zu prsentieren, sondern einen echten, nachhaltigen Ansatz fr Vernderung zu schaffen und ich denke, diese Glaubwrdigkeit hat berzeugt.
Du bist nicht nur angehender Kinderarzt, sondern auch Grnder des Projekts «Safe to Grow». Was steckt hinter dieser Initiative?
«Safe to Grow» hat das Ziel, das Gesundheitswesen zu einem sichereren und inklusiveren Ort fr queere Kinder und Jugendliche zu machen. Viele erleben Unsicherheit oder Diskriminierung oft nicht absichtlich, sondern weil Fachpersonen zu wenig sensibilisiert sind. Mit Schulungen, Workshops und Aufklrungsarbeit mchte ich Fachwissen, Methodenkompetenz und Haltungsarbeit in die Medizin bringen. «Safe to Grow» soll auch als primre Prvention wirken, um zuknftig die mentale Gesundheit von queeren Kindern und Jugendlichen zu strken.
Wo siehst du konkrete Missstnde im Gesundheitssystem, insbesondere im Umgang mit queeren Kindern und Jugendlichen?
Ein groes Problem ist die Unsicherheit. Viele rzt*innen, Pflegende, Therapeut*innen etc. wollen respektvoll umgehen, wissen aber nicht genug ber die Lebensrealitt von queeren Jugendlichen. Das fhrt zu unbeabsichtigten Verletzungen sei es durch falsche Sprache oder Formulierungen, unpassende Formulare oder Strukturen, die keine Vielfalt abbilden. Auch die Angst vor Stigmatisierung hlt viele Betroffene davon ab, offen zu sprechen. Bewusstsein allein zu schaffen, reicht nicht aus, wir brauchen echte Bildung.
Wie lieen sich diese Missstnde deiner Meinung nach beheben und an welcher Stelle setzt dein Projekt genau an?
Es braucht konkrete und praxisnahe Schulungen fr Fachpersonen, eine Anpassung von Strukturen in Spitlern und Praxen sowie Raum fr Austausch. «Safe to Grow» setzt genau da an: Wir starten mit Fortbildungen, die Wissen, Reflexion und Handlungskompetenz verbinden. Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche spren: «Hier bin ich sicher, hier werde ich ernst genommen.»
Konntest du mit «Safe to Grow» bereits konkrete Erfolge erzielen? Wenn ja, welche Erfahrungen oder Rckmeldungen haben dich besonders berhrt?
Wir stehen noch am Anfang, aber die Resonanz ist berwltigend. Viele Fachpersonen haben mir geschrieben, dass sie genau auf so ein Angebot gewartet haben. Besonders berhrt hat mich die Nachricht eines Jugendlichen, der meinte: «Danke, dass du fr uns sprichst. Ich habe mich im Spital noch nie willkommen gefhlt.» Solche Rckmeldungen zeigen mir, wie dringend das Projekt gebraucht wird.
Auf Instagram zeigst du dich mitunter sehr freizgig. Gerade bei Persnlichkeiten wie Katja Krasavice oder Shirin David sieht man, dass solche Offenheit nicht immer ernst genommen wird. Hast du manchmal Sorge, dass dir deine Freizgigkeit beruflich etwa als Kinderarzt oder Projektgrnder im Weg stehen knnte?
Nein weil ich nichts poste, womit ich mich nicht wohlfhle oder nicht identifizieren kann. Ich habe lange gebraucht, um mich selbst so anzunehmen, wie ich bin. Meine Bilder sind fr mich kein Widerspruch zu Professionalitt, sondern ein Statement: Man darf selbstbewusst und sexy sein und gleichzeitig fokussiert, diszipliniert und kompetent. Dass wir diese Eigenschaften oft gegeneinander ausspielen, ist ein gesellschaftliches Problem. Ich will zeigen: Man kann beides sein sichtbar, frei und trotzdem mit Haltung und Inhalt.
Hast du das Gefhl, dass unsere Gesellschaft in manchen Bereichen noch immer zu prde ist? Und ist es dir ein Anliegen, daran etwas zu verndern?
Ja, absolut. Viele Themen rund um Sexualitt, Krper und Vielfalt werden immer noch tabuisiert. Das fhrt zu Vorurteilen und Unsicherheit. Mir ist wichtig, dass wir offener und ehrlicher werden nicht provokativ, sondern respektvoll. Sichtbarkeit schafft Normalitt und Normalitt schafft Akzeptanz.
Wie stellst du dir deine Zukunft vor: Siehst du dich langfristig in der Gesundheitsbranche oder zieht es dich eher in Richtung Content Creation und ffentliche Sichtbarkeit?
Ich sehe mich klar in der Medizin. Kinderrztlich ttig zu sein, ist meine Berufung. Aber ich habe gelernt, dass ffentliche Sichtbarkeit ein mchtiges Werkzeug ist, um Vernderung anzustoen. Deshalb mchte ich beides verbinden: fachliche Arbeit im Spital und eine ffentliche Rolle, um Themen auf die Agenda zu setzen.
Mit dem Titel «Mister Gay Europe» bernimmst du auch eine gewisse Verantwortung. Welche Botschaft mchtest du der queeren Community zum Abschluss mit auf den Weg geben?
Egal wie schwierig es manchmal ist: Ihr seid wertvoll, ihr seid wichtig und ihr habt das Recht, sicher und frei zu leben. Lasst euch von niemandem kleinmachen. Unsere Stimmen sind stark und wenn wir sie gemeinsam erheben, knnen wir Strukturen verndern.
Links zum Thema:
Homepage des Projekts «Safe to Grow»
Michael Pereira auf Instagram
Homepage des Wettbewerbs «Mr. Gay Europe»
