Was war dein schnster «Black queer joy»-Moment, FAYIM?
Mit seiner Mischung aus Soul, Pop, R&B, Jazz und mehr sowie zauberhaften deutschen Texten gehrt FAYIM schon seit einiger Zeit zu den spannendsten Newcomern der deutschen Musikszene. Am 4. Juli erscheint endlich die erste EP des Wahl-Berliners aus Hamburg, der auf «Fokus» nicht nur, aber besonders schn von queerer Liebe singt. Um den 29-jhrigen ein bisschen nher kennenzulernen, hat haben wir ihm einen Fragebogen vorgelegt, den er ausfhrlich beantwortet hat.
Was fllt Dir als erstes ein, wenn du an deine Kindheit in Hamburg denkst?
Wenn ich an meine Kindheit in Hamburg denke, sehe ich die Bellealliancestrae in Eimsbttel und den Spielplatz an der Ecke zur Marthastrae, wo ich aufgewachsen bin. Auerdem denke ich an die vielen Momente, in denen ich mich als Arielle, Jasmin oder Dornrschen verkleidet oder mit T-Shirt auf dem Kopf zu Destiny’s Child und J.Lo vorm Spiegel performt habe.
Wann hat es dich nach Berlin verschlagen und warum?
Nach Berlin hat es mich Anfang 2022 verschlagen. Ich musste den alten Wohnort in Hamburg-Stellingen rumen und war nach 26 Jahren in der Hometown bereit fr etwas Neues. Musikalisch brauchte ich neue Inspiration, und mein Partner wohnte zu dem Zeitpunkt auch in Berlin. Der Umzug hat sich richtig angefhlt und war rckblickend notwendig fr meine persnliche und knstlerische Entfaltung.
Wie frh wusstest du, dass die Musik Dein Lebensinhalt wird?
Dass Musik mein Lebensinhalt wird, war mir relativ frh klar. Ich habe schon mit zwei Jahren stndig und berall gesungen. Zuhause, im Kindergarten und im Homestudio meines Vaters. Ich wurde durch meine Eltern frh musikalisch gefrdert und habe immer nach Bezgen zur Musik gesucht. Sie haben mich darin untersttzt und mir viele Freirume gegeben, mich auszuprobieren.
Gab’s je andere Berufswnsche?
Mit zwlf Jahren habe ich angefangen, eigene Webseiten zu gestalten und zu programmieren, weshalb ich eine Zeit lang Kommunikationsdesigner werden wollte. Ich liebe es auch, neue Sprachen zu lernen und habe von 2016 bis 2017 DGS an der Uni Hamburg studiert. Ich hatte berlegt, Gebrdensprachdolmetscher zu werden, bin dann aber doch bei der Musik geblieben.
Wer hat dich musikalisch besonders geprgt?
Durch Fernsehen und Radio habe ich als Kind vor allem die Popmusik der frhen 2000er miterlebt und war groer Fan von Destiny’s Child. Da mein Vater selbst Musiker und meine Mutter groer Musik-Fan war, hatte ich auch immer wieder Berhrungspunkte mit Reggae, Highlife, Hiplife, Soul, Rock und Knstler*innen wie Tina Turner und Jimmy Cliff.
Gemeinsames Singen und Gospel haben mich vor allem bei meiner Zeit im Chor des LuKuLuLe e.V. stark geprgt. Daher kommt sicherlich meine Liebe fr die Melodien und Akkorde im Genre. Spter kamen dann Knstler*innen wie The Clark Sisters, Daley Cole oder Take 6 in meine Bibliothek, deren «vocal choices» mich immer wieder beeindrucken.
Ganz stark beeinflusst haben mich als Kind und Jugendlicher auch R&B der 1990er und frher 2000er Jahre. Ich zhle Artists wie Mariah Carey, Brandy, India Arie, Luther Vandross und Nat King Cole zu meinen musikalischen Vorbildern. Durch viele von ihnen habe ich eine Begeisterung fr Backgroundvocal-Arrangements entwickelt und mittlerweile meine eigene Handschrift gefunden.
Was war mit 15 Jahren dein Lieblingssong?
Mit 15 Jahren war mein Lieblingssong wahrscheinlich irgendeiner von Beyoncs Album «I Am Sasha Fierce». Ich denke «Single Ladies (Put A Ring On It)» oder «Why Don’t You Love Me». Die Choreo zu ersterem habe ich whrend jeder Mittagspause getanzt.
Welche drei Alben wrdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?
Wenn ich heute auf eine einsame Insel msste, wrde ich «Daydream» von Mariah Carey, «Love on Digital» von Destin Conrad und «Silk & Sorrow» von Ray Lozano mitnehmen. Jedes Album ist eine 10 von 10 wegen der Vocals, Produktion und den Texten und alle verbinde ich mit sehr positiven Momenten in meinem Leben.
Welche Bedeutung hat der Name FAYIM?
Der Name FAYIM ist eine Zusammensetzung aus meinem Namen und dem Namen «Ayim» von May Ayim. Sie war eine Schwarze ghanaisch-deutsche Lyrikerin, Knstlerin und Aktivistin, die mich in meiner Jugend sehr bewegt hat. Der Name ist eine Hommage an sie und alle Schwarzen Knstler*innen, die vor mir kamen. Grogeschrieben ist er, um Raum einzunehmen und einzufordern.
Warum heit Deine EP «Fokus»?
Meine EP heit «Fokus», weil es mir wichtig war, endlich meine eigenen Geschichten zu erzhlen und den Gedanken, die mich daran gehindert haben, entgegenzuwirken. Musikalisch lege ich den «Fokus» besonders auf vielschichtige Vocal-Arrangements und Sounds aus R&B, Soul, Jazz und Pop. Die Texte kommen aus einer Perspektive, die in der deutschsprachigen Musiklandschaft sehr selten im Zentrum steht, und daher fand ich den Titel «Fokus» einfach passend.
Du singst auf Deutsch. Was magst du an der Sprache?
Da Deutsch meine erste Sprache ist, fllt es mir am leichtesten, darin bildhaft und authentisch zu erzhlen. Ich finde es auch sehr spannend, gefhlvoll zu schreiben, da die deutsche Kultur nicht dafr bekannt ist, groe Gefhle zu zeigen oder darber zu sprechen. Es gibt auch einen riesigen Wortschatz, und ich liebe zum Beispiel Verben, die bereits bestimmte Emotionen mit sich tragen. Damit lassen sich sehr starke Geschichten erzhlen.
Mit welchen drei Worten wrdest Du Deine Musik beschreiben?
Direkt, zart, kraftvoll
An welchem Ort wrdest Du gerne mal auftreten?
Ich wrde super gerne mal im Mojo Club in Hamburg spielen. Dort habe ich schon einige tolle Konzerte gesehen, zum Beispiel Kwabs, Jojo und Jordan Rakei. In der Hamburger Laeiszhalle mchte ich auch irgendwann mal auftreten mit einem Orchester und riesigem Chor, fr den ich etwas Tolles arrangiere.
Was war dein schnster «Black queer joy»-Moment der letzten Zeit?
Mein schnster «Black queer joy»-Moment der letzten Zeit war vor ein paar Tagen bei meiner «Fokus»-EP-Release-Show im Gorki-Theater. Da sind richtig viele sweete Leute zusammengekommen, und es ist genau dieses Gefhl im Raum sprbar gewesen. Das sind meine Lieblingsmomente!
Was baut dich wieder auf, wenn die Seele mal durchhngt?
Ich schaue mir «Mariah Carey If It’s Over (Live at The Grammys)» auf YouTube an, tausche mich mit Friends aus oder gehe spazieren. Bewegung, Sonne und frische Luft tun immer gut und mir hilft die Nhe zum Wasser.
Idealer Samstagabend: Kuscheln auf dem Sofa oder die ganze Nacht feiern?
Mein idealer Samstagabend ist auf jeden Fall Kuscheln auf dem Sofa. Ich finde es schn, Zeit allein zu verbringen. Wenn ich mal ausgehe, bin ich gerne auch sptestens um zwei Uhr wieder zu Hause beziehungsweise im Bett. Ich hatte eine «Phase» auf der Reeperbahn, dementsprechend vermisse ich da wenig.
Dein absoluter Lieblingsfilm?
Ich verdanke meine Liebe zu Gesang dem Film «Arielle, die Meerjungfrau» deswegen nenne ich den jetzt einfach mal.
Die beste Serie, die du in den letzten zwlf Monaten gesehen hast?
«Schwarze Frchte». Die beste Serie aus dem Jahr 2024.
Lieblingsort in Berlin?
Super-Klischee, aber ich sage: Tempelhofer Feld. Ich liebe die Weitlufigkeit und verbringe im Sommer gerne Zeit dort. Erinnert mich auch an die Momente, wo ich dort war und noch in Hamburg gelebt habe. Da war ich dann meistens mit Friends zu Besuch in der Stadt fr ein Konzert, eine Party (damals) oder ein anderes Event.
An welchen Ort der Welt willst du unbedingt mal reisen?
Ich will unbedingt nach Kumasi reisen, um die Stadt meiner Familie besser kennenzulernen. 2017 war ich das erste und letzte Mal dort und hatte schon das Privileg, mehrere Lnder zu besuchen. Ich wrde super gerne noch mal nach Salvador und mchte So Paulo sehen.
Welche verstorbene Person httest du gerne kennengelernt?
Ich htte gerne all meine Groeltern kennengelernt, um ihre Geschichten zu hren.
Links zum Thema:
Die EP «Fokus» bei amazon music
Homepage von FAYIM
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