Wenn Sponsor*­innen gehen: Warum das eine echte Chance fr die queere Community sein kann
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Wenn Sponsor*­innen gehen: Warum das eine echte Chance fr die queere Community sein kann

In den vergangenen Jahren haben wir erlebt, wie der Pride Month fr viele Unternehmen zu einem festen Bestandteil ihrer Marketingstrategie geworden ist. Regenbogenlogos, Social-Media-Kampagnen und bunte Werbegeschenke, meist begleitet von wohlklingenden Worten zu Vielfalt und Diversitt. Doch mit wirtschaftlichen Krisen, geopolitischen Spannungen und wachsendem gesellschaftlichem Gegenwind gegen queere Themen ziehen sich viele Sponsor*innen nun pltzlich zurck oder fahren ihr Engagement deutlich herunter. Whrend einige Unternehmen weiter solidarisch bleiben, sehen wir vor allem bei groen internationalen Konzernen, insbesondere aus den USA, einen deutlichen Rckzug aus der Pride-Frderung.

Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Desaster fr viele groe CSDs: wegbrechende Budgets, gefhrdete Veranstaltungen, Unsicherheit bei der Planung. Auch wir beim Berliner CSD e.V. erleben diese Herausforderung hautnah (queer.de berichtete). Aber statt uns nur in der Krise zu verlieren, lohnt es sich, genau hinzuschauen: Was bedeutet diese Entwicklung? Und welche Chancen erffnet sie uns?

Corporate Pride war allzu oft oberflchlich

Klar ist: Corporate Pride war allzu oft oberflchlich. Solange es dem Image diente, war es leicht, sich bunt zu zeigen. Doch wahre Verbndete beweisen sich gerade dann, wenn es unbequem wird. Dass einige Unternehmen jetzt abspringen oder leiser werden, entlarvt ein Engagement, das nie wirklich tief in den Strukturen verankert war. Das ist bitter aber auch heilsam. Es bietet uns die Mglichkeit, knftige Kooperationen noch sorgfltiger auszuwhlen: nachhaltige Partnerschaften mit Unternehmen, die nicht nur mit uns glnzen, sondern gemeinsam mit uns Haltung zeigen und Verantwortung bernehmen wollen. Fr solche Verbndeten sollte der Pride selbstverstndlich offen bleiben auch jenseits des groen Rampenlichts. Untersttzung muss nicht immer laut und sichtbar sein, sie kann auch still und nachhaltig erfolgen.

Gleichzeitig zwingt uns die aktuelle Situation zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Haben wir uns in den letzten Jahren zu abhngig gemacht? Ein Pride, der wieder strker von den Menschen getragen wird, die ihn brauchen und gestalten, kann politischer, ehrlicher und widerstandsfhiger sein ohne dabei seinen festlichen Charakter zu verlieren.

Sichtbarkeit kostet auch Geld

Aber auch das muss klar sein: Wir brauchen Ressourcen, um weiterhin Groes zu bewegen. Wenn jede Person, die zum Pride kommt, ein paar Euro spenden wrde, wre der CSD finanziert. Denn sobald viele Menschen zum CSD kommen, braucht es eine gewisse Infrastruktur, die finanziert werden muss. (Sanitranlagen, Technik, Wasser, Strom) Niemand wnscht sich eine Zukunft, in der queere Sichtbarkeit schrumpft und Rume verschwinden. Die Antwort liegt daher nicht darin, den Anspruch zu verkleinern, sondern neue Wege zu finden. Community-Funding, eine strkere Verankerung in der Stadtgesellschaft, Kooperationen mit lokalen Unternehmen und solidarische Netzwerke knnen wichtige Bausteine sein. Es geht nicht um ein «Zurck» zu kleinen Prides, sondern darum, Gre und Sichtbarkeit mit politischer Wirksamkeit und gesellschaftlichen Rckhalt neu zu verbinden und dadurch Stadt- und queere Zivilgesellschaft auf den CSDs wieder mehr Raum zu geben.

Diese Krise tut weh aber sie ist auch eine Weichenstellung. Weniger Marketing, mehr Haltung. Weniger Hochglanz, mehr Solidaritt. Jetzt ist die Zeit, uns neu aufzustellen und Verantwortung zu bernehmen. Wenn wir weiterhin groe, kraftvolle und sichtbare Prides wollen, braucht es nicht nur Geld. Es braucht die Entschlossenheit der gesamten Community. Die Frage ist: Welche Zukunft wollen wir? Und sind wir bereit, gemeinsam dafr zu kmpfen?