Wie reagiert man auf die Aussage «Schwulsein ist eine Krankheit»?
In der aktuellen Storyline der RTL-Erfolgsserie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» (GZSZ) sorgt eine neue Entwicklung rund um die Figur Kate (Zo Baillieu) fr Aufsehen. Die Tochter von Paul (gespielt von Niklas Osterloh) und Emily (Anne Menden) gert unter den Einfluss einer radikalen Freikirche mit dramatischen Folgen: Kate beginnt unter anderem homophobe Ansichten zu bernehmen und stellt pltzlich sogar die sexuelle Orientierung ihres geliebten Grovaters infrage, der in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt.
Wir sprachen mit Schauspieler Niklas Osterloh ber die Storyline rund um Homophobie und religisen Einfluss.
In der jngsten GZSZ-Folge fiel der Satz «Schwulsein ist eine Krankheit». Wie reagierst du als Schauspieler und Vater auf so eine Aussage?
Schwul zu sein ist keine Krankheit. Manche Menschen verlieben sich einfach in jemanden des gleichen Geschlechts das ist nur eine von vielen Arten, wie Liebe funktioniert. Und das ist doch schn. Manche Menschen haben leider Vorurteile oder wurden so erzogen, aber das macht es nicht richtiger oder besser. Wichtig ist, jeden Menschen mit Respekt zu behandeln.
Was genau passiert mit Kate in der Serie?
Kate hat nach anfnglichen Schwierigkeiten an ihrer neuen Schule endlich eine Freundin gefunden. Darber freuen sich Paul und Emily natrlich sehr. Doch nach und nach zeigt sich, dass diese Freundin einer sehr speziellen Freikirche angehrt einer mit sehr extremen Ansichten zu bestimmten Themen. Und genau diese Ansichten versucht sie auch Kate zu vermitteln.
Was hat das fr Auswirkungen?
Pltzlich uert Kate Dinge, die sehr erschreckend sind. Zum Beispiel mchte sie ihren Opa nicht mehr zu ihrem Geburtstag einladen obwohl sie ihn frher total geliebt hat. Pauls Vater ist homosexuell und lebt offen in einer Beziehung mit einem Mann. Kate war oft in den Ferien bei ihren Grovtern und hatte ein inniges Verhltnis zu beiden. Und jetzt beginnt sie, sich fr ihren Opa zu schmen. Oder sie sagt zu Moritz Dinge wie dass er sich doch heilen lassen solle von seiner Krankheit. Das schockt die Eltern natrlich, weil es komplett gegen die Werte geht, die sie ihr vermitteln wollten Offenheit, Toleranz, Respekt.
Wie reagieren Paul und Emily auf Kates Vernderung?
Paul und Emily versuchen, gemeinsam dagegenzuhalten. Paul bernimmt in dieser Situation die Hauptverantwortung, weil Emily beruflich unterwegs ist. Er bemht sich, einen Zugang zu Kate zu finden, sie zum Nachdenken anzuregen. Aber er merkt, dass er damit nicht richtig weiterkommt. Kate fhlt sich in dieser neuen Freundschaft sehr geborgen sie wurde frher oft gemobbt und hat jetzt zum ersten Mal das Gefhl von Zugehrigkeit. Diese emotionale Bindung ist sehr stark.
Gibt es einen konkreten Versuch, Kate aus dieser Denkweise herauszuholen?
Ja, Paul hat die Idee, mit Kate eine Dokumentation ber eine hnliche Freikirche anzuschauen eine, die ebenfalls sektenartige Strukturen hat. Kate schaut sich das tatschlich mit ihm an. Doch sie erwartet im Gegenzug von Paul, dass auch er offen ist und sich beim Tag der offenen Tr dieser Freikirche selbst ein Bild macht. Paul ist davon berhaupt nicht begeistert. Da zeigt sich: Auch er ist an Grenzen seiner eigenen Toleranz gestoen. Auf dem Weg dorthin eskaliert die Situation dann auch noch mit der befreundeten Familie bzw. der Mutter.
Du bist selbst Vater. Wie geht man mit so einer Situation um auch im echten Leben?
Meine Kinder sind noch recht jung acht und dreieinhalb Jahre alt, zwei Mdchen. Ich versuche, sie zu selbstbestimmten, starken jungen Frauen zu erziehen. Aber klar, manchmal ist es nicht leicht. Ich glaube, das Allerwichtigste ist eine stabile Vertrauensbasis. Kinder mssen wissen: Auch wenn sie mal Quatsch machen, knnen sie immer zu dir kommen. Man muss sich auch als Elternteil selbst reflektieren und offen bleiben.
Wie zeigt sich das konkret im Alltag?
Wenn ein Kind zum Beispiel die Wand mit Lippenstift bemalt, dann sag nicht sofort: «Was soll das?!» Sondern frage lieber: «Und, wie war das so?» Ich glaube, man sollte sich fter das eigene innere Kind zurckholen. Kinder wollen ausprobieren, neugierig sein, Fehler machen. Wenn du in solchen Momenten zu streng bist, riskierst du, dass sie dir nicht mehr alles erzhlen. Und genau das willst du ja vermeiden.
Was empfiehlst du Eltern, wenn sie an ihre Grenzen stoen?
Wenn man merkt, dass man nicht mehr weiterkommt, ist es absolut okay, sich Hilfe zu holen. Das ist kein Zeichen von Schwche, sondern von Strke. Es gibt professionelle Stellen, mit denen man sprechen kann das muss man nicht alleine schaffen.
Was mchtest du abschlieend noch sagen?
Mit dieser Storyline setzt GZSZ bewusst und erneut ein klares Zeichen gegen Intoleranz, religisen Fanatismus und gesellschaftliche Ausgrenzung und strkt zugleich die Bedeutung von Aufklrung, Dialog und familirem Zusammenhalt: Wir bei GZSZ lehnen jede Form von Homophobie und Rassismus ab: Love is love and love is all around.
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