Zweieinhalb Jahre Haft fr «Allah ist lesbisch»-Shirt
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Zweieinhalb Jahre Haft fr «Allah ist lesbisch»-Shirt

Ein marokkanisches Gericht hat die 50-jhrige marokkanischeFeministin und LGBTI-Aktivistin Ibtissam Lachgar am Mittwochabend zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren und einer Geldstrafe von 50.000 Dirham (rund 4.700 Euro) verurteilt. Lachgar habe gegen ein Gesetz verstoen, das die Beleidigung des Islams verbiete, erklrte der Richter.

Die Aktivistin, die eine der bekanntesten Atheistinnen des Landes ist, hatte Ende Juli ein Foto in sozialen Netzwerken verffentlicht, auf dem sie ein T-Shirt mit der Aufschrift «Allah ist lesbisch» trug. Der Islam sei «wie jede religise Ideologie» faschistisch und frauenfeindlich, schrieb Lachgar dazu. Der Beitrag lste heftige Reaktionen in sozialen Netzwerken aus. Sie erhielt viele Vergewaltigungs- und Morddrohungen. Letzten Monat wurde sie dann verhaftet (queer.de berichtete).

Lachgar will in Berufung gehen

Ihre Anwltin Nama El Guellaf kndigte gegen der Nachrichtenagentur AP an, in Berufung gehen zu wollen. «Gott gibt es nicht nur fr Muslime, sondern auch fr Christen und Juden. Ich sehe keine Beleidigung gegen den Islam in ihrer Aufschrift», sagte El Guellaf vor Gericht. «Ich selbst bin Muslimin und ich fhle mich nicht beleidigt.» Die Aufschrift falle vielmehr unter die in der marokkanischen Verfassung garantiere Redefreiheit. Lachgar erklrte vor Gericht, sie habe nicht die Absicht gehabt, den Islam zu beleidigen. Vielmehr sei die Aufschrift auf ihrem T-Shirt eine politische Botschaft gewesen, um gegen Sexismus und Gewalt gegen Frauen zu protestieren.

Das marokkanische Gesetz sieht eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zwei Jahren fr die «Beleidigung des Islam» vor plus eine Geldstrafe. Die Haftstrafe kann auf bis zu fnf Jahre erhht werden, sollte diese «Beleidigung» ffentlich stattfinden.

Lachgar, die mit ihrem Freund in Rabat lebt, setzt sich bereits seit Jahren etwa fr die Legalisierung von Abtreibung, die Gleichbehandlung von trans Menschen und die Entkriminalisierung von nichtehelichem und gleichgeschlechtlichen Sex ein. Sie grndete 2009 dasMouvement alternatif pour les liberts individuelles(MALI), ein Aktionsbndnis fr mehr Grundrechte in Marokko.

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Bundesregierung will Marokko trotz Verfolgung Prdikat «sicher» verleihen

In Marokko stehen auf Homosexualitt derzeit bis zu drei Jahre Haft. Trotzdem setzt sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) derzeit dafr ein, dem Maghreb-Staat das Prdikat «sicherer Herkunftsstaat» zu verleihen, um im Rahmen der von der Regierung ausgerufenen Asylwende Geflchtete leichter abschieben zu knnen (queer.de berichtete). Allerdings entschied der Europische Gerichtshof letzten Monat, dass ein Land gegenwrtig in der EU nicht als «sicherer Herkunftsstaat» bezeichnet werden drfe, wenn dort Homosexuelle strafrechtlich verfolgt werden (queer.de berichtete). (cw)